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Erfahrung Afrika: Sansibar

Zanzibar

Zanzibar, die Gewürzinsel. Ein Märchen aus 1001 Nacht? Nicht ganz. Die prunkvollen Zeiten unter wechselhafter Kolonialherrschaft sind lange vorbei. Insbesondere die vierzig Jahre Sozialismus sind an der traumhaften Insel nicht spurlos vorbei gegangen. Dennoch, Zanzibar ist eine Reise wert. Wenn auch viele Gassen verfallen und die Blüte der Kultur überschritten ist, umschliesst Zanzibar den Reisenden mit einem unvergleichlichen Zauber, der den Glanz vergangener Zeiten ahnen lässt. Und wenn nicht in der Stonetown Zanzibars, dann spätestens an den grandiosen Strände der Nord- und Ostküste wird jeder Reisende den Bezug zur Zeit verlieren.

Mit einem Minibus fahren wir in das Zentrum von Dar es Salaam. Bald haben wir uns durch das Menschengewühl der Innenstadt bis zum Hafen vorgekämpft. An einem unscheinbaren Schalter bekommen wir die passenden Tickets für eine schnelle Überfahrt nach Zanzibar. Der breite Katamaran schaukelt uns in gut drei Stunden nach Zanzibar, wobei uns mal wieder so schlecht ist, dass wir uns nur noch mit Mühe beherrschen können. Der Schlepper im Hafen entledigen wir uns schnell und unfreundlich. Dann sind wir schon auf der Suche nach einem Hotelzimmer. Durch die schmalen und verfallenen Gassen der Altstadt führt der Weg in die Nähe des alten Palastes. Schon bald stehen wir vor dem Hotel Kiponda. Die letzten Meter folgt uns ein einheimischer Jugendlicher, der sich mit uns zusammen in die Rezeption quetscht. Hier gibt er vor, uns zum Hotel geführt zu haben und fordert vom Hotelier seine Entlohnung. Ich lache den Möchtegernfremdenführer aus und schicke ihn aus dem Raum. Nun haben wir kleine Schwierigkeiten mit dem Hotelmanager, der von uns einen zu hohen Zimmerpreis verlangt und entschuldigend vorbringt: "Ich muss dem Schlepper fünf Dollar pro Nacht und Nase zahlen, sonst bringen er und seine Freunde keine Gäste mehr." Die Dollar haben natürlich wir zu zahlen. Jetzt bin ich sauer und suche laut schimpfend nach dem Bengel. Der hat sein Unheil wohl schon hören kommen und ist, als ich am Eingang erscheine, um die nächste Ecke verschwunden.

Zanzibar ist nicht das zu Stein gewordene Abbild der Märchen aus "1001 Nacht". Dafür ist die alte "Stonetown" einfach zu verkommen und abgewirtschaftet. Aber noch heute verströmen die schattigen Gassen und alten Gebäude das Flair, welches den Betrachter von den märchenhaften, exotischen Schauplätzen träumen lässt. Ohne Zweifel ist die Altstadt von Zanzibar einen Besuch wert. Zweimal am Tag starten wir vom Hotel aus zu einem Rundgang durch die historische Altstadt, erkunden Gasse für Gasse, Haus für Haus. Der Verfall der Gebäude ist erschreckend, Moos und Schwamm haben sich in fast alle Gemäuer gefressen. Teilweise wachsen sogar kleine Büsche und Bäume aus der brüchigen Bausubstanz. Die Sonne reicht auch am Mittag nicht bis zum Boden der muffigen Gassen und der immer wieder einsetzende Regen steuert seinen Teil zum Verfall Zanzibars bei.

Unser Hotel ist wunderbar auf einem Muschelfelsen gelegen und gibt uns von der Terrasse des Bungalows einen weiten Blick über das türkisfarben leuchtende Meer. Weit weg, kurz vor dem Horizont, sehen wir die Brandung am Riff. Über den ganzen Tag können wir das schwache Donnern der Wellen hören, die in der Entfernung brechen. Die Gezeiten verändern den flachen Strand erheblich. Bei Ebbe zieht sich das Wasser gut zwei Kilometer von der oberen Gezeitenlinie zurück.
Beim eintönigen Abendessen im Hotel lerne ich Ahmed kennen. Seinem Vater gehört eines der Auslegerboote, die in der Bucht festgemacht sind.
Wir vereinbaren für den nächsten Morgen eine Ausfahrt zum Riff, wo er fischen geht, und ich etwas schnorcheln kann. Das vielfältige Tierleben im indischen Ozean ist beeindruckend. Faszinierender für mich ist aber die pfeilschnelle Fahrt mit dem antiken Wassergefährt.

An dem Boot gibt es wohl keine Planke, die noch nicht ausgebessert, kein Tau, das noch nicht gerissen und kein Quadratmeter Segel, der noch nicht geflickt ist. Das schwere Dreieckssegel wird mit Hanfseilen über den wettergegerbten Mast gezogen. Das Tuch spannt sich im Wind und sorgt für Vortrieb. Ahmeds Vater steuert das Boot zielsicher am Wind. Nur selten berührt einer der beiden Ausleger das Wasser.

Ahmed steht akrobatisch auf dem luvseitigen Ausleger und balanciert das Boot aus. Ein gewaltiger Anblick, wie die beiden Männer mit ihrem Dhow durch das Wasser kreuzen.



Homepage: http://www.zebrastreifen.com/tanzania.htm

 
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Info Reisebericht
Reiseland: Sansibar
Datum der Reise: 1999-2000
Dauer der Reise: 2 Jahre
Autor: Joly und Ingo Hoffmann
Aufrufe bisher: 2832

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