Bolivien/Peru (07.10.-05.11.2000) - Reisebericht und Reiseplanung - Private Reiseberichte und Reiselinks aus aller Welt - Eric Gessmann - Hünxe 
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Bolivien/Peru (07.10.-05.11.2000)

Bolivien/Peru (07.10.-05.11.2000)

Nachdem es uns letztes Jahr in den Anden so prima gefallen hatten, zog es uns nun ein weiteres Mal nach Südamerika. Es war nun schon das vierte Mal in Folge Lateinamerika, und irgendwie stimmte die Aussage schon: "Wenn es Dich einmal gepackt hat, lässt es Dich nicht mehr los."

07.10.
4:30 auf, Tom kam ca. 5:30 und fuhr uns (Micha und mich) zum Flughafen, 6:00 da, eingecheckt und 8:00 mit 30 min Verspätung Start, 8:10 Ortszeit Ankunft in London (zu Hause war es da 9:10), 10:30 sollte es dann weiter gehen, 11:30 war es dann so weit, aber wirklich guter Bordservice, die Filme kamen auf Deutsch, 15:15 Ortszeit Landung in Miami (in London war es da 20:15, zu Hause 21:15)
Leider war der Landeanflug ziemlich heftig gewesen, und ich kannte nun die wörtliche Bedeutung des Satzes "Es stehen einem die Haare zu Berge", und nun ging es mir ziemlich dreckig. So verließen wir nicht das Flughafengebäude, wie ursprünglich geplant. Wir warteten also im Transitraum auf den Weiterflug, der eigentlich 23:40 hatte sein sollen, sich aber um 1 ½ Std. verzögerte, weil ein Passagier fehlte. Es gab 2x was zu essen, und die restliche Zeit verschlief ich bis zum Sonnenaufgang am

08.10.
Der war nämlich sehr beeindruckend, genauso wie der Landeanflug auf La Paz. Der Flughafen El Alto liegt auf ca. 4000 m Höhe, und La Paz ist von einigen Fünf- bzw. Sechstausendern eingerahmt. Wir landeten 6:45, blieben im Flugzeug sitzen, 7:45 ging es weiter, und 8:45 landeten wir in Santa Cruz (420 m hoch, 800.000 Einwohner) im Süden Boliviens. Die Einreiseformalitäten liefen reibungslos, und wir fuhren per Bus und Taxi zum Hotel "Ballivian" mit hübschem Innenhof. Es war ca. 25°C, nicht feucht-warm. Ich empfand es als sehr angenehm. Als erstes gingen wir ins Internetcafé, um allen mitzuteilen, dass wir nach ca. 36 Std. nun endlich in Bolivien angekommen waren. Da alle Reisebüros geschlossen hatten, und wir somit also keine Touren buchen konnten, fuhren wir zum Zoo. Wir aßen dort zu Mittag und schlenderten durch den Zoo, u. a. konnte man dort Condore, Flamingos und Tapire sehen. Es gefiel uns wirklich recht gut, und 16:30 fuhren wir dann zurück. Wir gingen noch einen Kaffee trinken. Und im Hotel tranken wir noch unseren von zu Hause mitgebrachten Fragolino und legten uns ca. 21:00 hin. Unser Hotel lag sehr zentrumsnah, der zentrale Platz (Platz des 24. September) erinnerte mich stark an den Zocalo in Oaxaca (Mexiko)

09.10.
7:30 aufgestanden, 8:30 öffnete die Bank, und wir tauschten erst mal Geld. Am Vortag hatten wir nur das nötigste tauschen können, da keine Wechselstube geöffnet hatte. So hatten wir in einem Laden im Flughafen tauschen müssen. Dann zum Reisebüro. Aber die Tour zum Amboro Nationalpark sollte für 1 ½ Tage 139,- US$ pro Person kosten und die Tour in die Chiquitania zu den Jesuitenmissionen San Javier und Conceptión für 2 Tage gar 230,- US$ p.P., und das war uns eindeutig zu grob! Der Umrechnungskurs stand bei 1 US$:2,30 DM!
Also zurück zum Hotel, Sachen gepackt, was wir nicht brauchten, untergestellt und per Sammeltaxi nach Buena Vista im Amboro Nationalpark. Es waren 102 km, die Straße war sehr gut, und die Fahrt dauerte 1 ½ Std. 12:45 waren wir da. Dort als erstes für den nächsten Tag eine Tour gebucht (Die hatte hier nur 59,- US$ für uns beide gekostet.), dann ein nettes Hotel gefunden und zu "Los Franceses" essen gegangen. Das hatte uns die Frau in der Agentur empfohlen, und es war ein wirklich guter Tip. Das Essen war super lecker, und wir testeten zum ersten Mal Kohlberg (bolivianischen Wein, den es rot oder weiß gibt) Der war auch hervorragend, und es war wirklich Wein, nicht so wie dieser Dessertwein in Ica (Peru) im letzten Jahr! Von 15:00-17:00 legten wir uns noch mal schlafen, dann kauften wir Wasser und Kohlberg und setzten uns auf die Plaza. In der Dämmerung ging ein unbeschreibliches Konzert des Vögel los. Man merkte schon deutlich die Nähe zum Urwald, ich fand es total beeindruckend. 18:30 war es dann dunkel, und wir gingen wieder zu "Los Franceses". 21:00 dann zurück zur Plaza und dort noch Kohlberg getrunken und 23:00 dann ins Bett.
Es war hier noch heißer als in Sta. Cruz, aber auch nicht feucht-warm, und so glaubte ich gern, dass es hier keine Malaria gibt. Ich empfand das Klima als sehr angenehm. Bevor wir nach Bolivien geflogen waren, hatte es Straßenblockaden gegeben, und wir waren offenbar die ersten Touristen, die danach wieder in Buena Vista waren und offenbar auch die einzigen. Die Blockade hatte bis zum 7.10. bestanden.

10.10.
5:00 aufgestanden, 6:00 Start der Tour, schon die 1 ½ Std. Anfahrt mit dem Auto lohnten sich total, die Vegetation war beeindruckend, unglaublich üppig, dafür waren die Straßen die absoluten Buckelpisten, und ich bin da sicher nicht zimperlich. Wir stoppten am Camping La Chonta und brachen von hier aus auf zu einer 1 ½-std. Wanderung durch den Busch. Tiere bekamen wir allerdings kaum zu sehen, aber die Vegetation war einfach toll. Dann ging es noch mal 1 ½ Std. durch ein ausgetrocknetes Flußbett (es war das Ende der Trockenzeit, und die Regenzeit brach gerade an). Wir sahen riesige bunte Schmetterlinge und von weitem Tapire beim Trinken. Leider weichten wir mehrmals so richtig ein, denn es ging öfter mal wolkenbruchartiger Regen nieder. Micha ging noch mal für ca. 45 min mit dem Guide in den Busch, und ich wartete so lange an der Hütte und beobachtete mit dem Fernglas ein paar Vögel. 13:15 dann los Richtung Buena Vista. Die Straßen waren völlig aufgeweicht und schlammig, und unser Jeep schlingerte ein paar Mal verdächtig. Irgendwann konnte der Fahrer die Situation dann nicht mehr beherrschen, und wir prallten gegen einen Baum. Es passierte aber nichts weiter, nur der rechte Blinker war kaputt. 14:30 waren wir zurück in Buena Vista. "Los Franceses" hatte leider zu, also gleich per Bus zurück nach Sta. Cruz, wo wir 17:00 ankamen. Per Taxi ins Hotel und unser "altes" Zimmer wieder bezogen, erst ins Internetcafé und dann Richtung Busbahnhof, um was essen zu gehen. In der Nähe der Plaza waren die Gaststätten merkwürdigerweise recht dünn gesät. Zur Mittagszeit hatte man dort noch die eine oder andere Möglichkeit, was essen zu gehen, aber abends war es vorbei. Dann noch auf der Plaza gesessen und Wein getrunken und 23:00 ins Bett.

11.10.
6:00 aufgestanden, Sachen gepackt, was wir nicht brauchten, untergestellt und 7:10 zu Fuß zum Bus, der pünktlich 8:00 losfuhr nach San Javier in der Chiquitania. Die Chiquitania ist das ehemalige Land der Chiquitos-Indianer. Insgesamt ist es eine meist unberührte Naturlandschaft, nur der Süden ist besiedelt. Dort befinden sich auch die Dörfer der im 17. Jh. gegründeten Jesuiten-Reduktionen (Missionsstationen) Die Indianer siedelten sich dort auch gern an, da sie dort relativ autark leben konnten und vor Ausbeutung und Unterdrückung sicher waren. Außerdem hatten Talentierte hier die Möglichkeit, neue handwerkliche Fähigkeiten zu erlernen, und so wurden viele von ihnen hervorragende Schnitzer, Maler, Steinmetze, Weber oder Musiker. Davon zeugen noch heute die restaurierten Kirchen, die von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt worden sind. Die Restaurierungsarbeiten der Jesuiten-Reduktionen wurden vielfach mit Spendengeldern aus Deutschland finanziert und unter Leitung des deutschen Architekten Hans Roth durchgeführt. San Javier liegt auf 800 m Höhe und wurde 1691 gegründet. Sie war die erste Jesuiten-Reduktion der Chiquitania.
Die Straße nach San Javier war die ganze Zeit asphaltiert, das hatte ich wirklich nicht erwartet und war daher positiv überrascht. Im Bus aßen wir jeder einen Hühnchenspieß von den fliegenden Händlern, die bei jedem Halt in die Busse kommen und ihre Sachen verkaufen. Das ist ziemlich praktisch, verhungern wird man also bei einer Bolivienreise kaum. Man hatte uns gesagt, dass die Fahrt ca. 4 Std. dauern würde und tatsächlich erreichten wir ca. 12:00 San Javier, suchten uns ein Zimmer und fuhren dann per Taxi (Jeep) ins 70 km entfernte Conceptión. Hinter San Javier war es vorbei mit asphaltierter Straße, und wir wurden ganz schön durchgeschüttelt. Conceptión ist auch eine ehemalige Jesuiten-Reduktion. Die Kirche ist hervorragend restauriert, und eine Ausstellung erinnert an Hans Roth. Sonst hatte Conceptión aber nicht viel zu bieten. Wir gingen noch ein Bier trinken und fuhren dann zurück nach San Javier. Unterwegs hielten wir noch mal an einem Stausee. Da wir leider kein Badezeug dabei hatten, konnten wir nur die Füße erfrischen, denn auch hier war es wesentlich heißer als in Sta. Cruz, und man hatte das ständige Bedürfnis, sich zu duschen oder baden zu gehen. 18:00 waren wir wieder zurück in San Javier und gingen was essen ins "El Ganadero". Das war glaube ich, das beste Restaurant, das wir in Bolivien aufgesucht hatten. Es war super lecker und reichlich! Dann noch ein bisschen herumgeschlendert, Wein gekauft und getrunken. Kohlberg hatte es uns wirklich angetan. 22:30 dann ins Bett.

12.10.
Erst mal richtig ausgeschlafen und 8:30 aufgestanden. Mit dem Taxifahrer vom Vortag zu der ca. 10 km entfernten Thermalquelle. Das war natürlich nicht so ganz erfrischend bei einer Außentemperatur von ca. 30°C, aber trotzdem klasse. Am interessantesten fand ich, dass dort Mennoniten campierten. Die Frauen saßen in der Quelle, aber mit allen Sachen an! Die Kleider sahen wirklich aus, wie um die Jahrhundertwende. Als die Frauen fertig waren, waren die Männer an der Reihe, es war also selbst beim Baden alles streng getrennt. Ich hatte einiges über Mennoniten in Reiseführern gelesen, auch schon während unserer Mexiko-Reise 1998, denn dort leben auch Mennoniten. Das ist eine Glaubensgemeinschaft, die extrem streng nach den christlichen Geboten lebt. Sie entstanden in der Reformationsbewegung nach 1535 in Deutschland, Holland und der Schweiz. Da sie u.a. den Wehrdienst verweigern, wurden sie immer wieder zu ungewollten Wanderungen gezwungen. In Bolivien gründeten sie in 30-130 km Entfernung von Sta. Cruz einen Gürtel von Siedlungen. Hier können sie unbehelligt leben und ihrem Glauben nachgehen. Ich hatte auch gelesen, dass sie einen plattdeutschen Dialekt sprechen, allerdings kann man als nicht Plattdeutsch sprechende Deutsche (so wie ich) kein Wort verstehen. Die Frauen sprechen auch nur diesen Dialekt, die Männer teilweise Englisch oder Spanisch.
Wir fuhren dann weiter zu einem Wasserfall. Unser Fahrer meinte, das Wasser wäre zu kalt zum Baden, das fanden wir allerdings überhaupt nicht, es war endlich eine Erfrischung! Wir tapsten noch ein bisschen durch den Busch und nahmen ein ausgiebiges Bad und fuhren dann zurück zu der Thermalquelle. Die Natur war auch hier übrigens sehr beeindruckend, die Vegetation sehr üppig, und auch die riesigen Schmetterlinge flogen einem pausenlos über den Weg. Es war mindestens genauso gut, wie im Amboro Nationalpark. Hätte man das vorher gewusst, hätte man diesen Ausflug lieber bleiben lassen sollen und statt dessen noch die anderen Jesuiten-Reduktionen besuchen können. Aber wenigstens kam ich nun mit einem der Mennoniten ins Gespräch. Das hatte mich doch sehr interessiert. Er sprach ganz gut spanisch, und ich denke, das Gespräch war für uns beide sehr interessant. Er wollte wissen, wie es denn so in Deutschland wäre mit der politischen Lage, der Sozialversicherung, den Mieten und überhaupt, wie denn das Leben da so wäre. Und für mich bestätigte sich das, was ich über die Lebensweise der Mennoniten so gelesen hatte. Er war in Belize geboren worden und 1981 nach Bolivien gekommen, da die Mennoniten in Belize und Mexiko seiner Meinung nach zu modern waren und nicht streng genug nach den Regeln lebten. Er war aber sehr nett, und ich bedauerte, dass wir nicht all zu lange Zeit hatten.
14:30 waren wir zurück in San Javier und gingen erst mal was essen ins "El Ganadero". Es war wieder super lecker und reichlich, und wir waren nun gut gestärkt für die Besichtigung der Kirche in San Javier. Sie war wirklich sehr schön, auch innen und beeindruckte mich sehr. Ich konnte mich gar nicht satt sehen und veranstaltete einen wahren Fotoexzeß, in der Hoffnung, dass die Bilder was werden würden in diesem Halbdunkel. Wir schlenderten noch ein bisschen herum und fuhren 17:30 per Bus los nach Sta. Cruz. Diesmal klappte es mit der Pünktlichkeit nicht so gut, und wir waren erst 22:30 da. Da wir aber im Hotel Bescheid gesagt hatten, dass wir auf jeden Fall noch heute zurückkommen würden, war auch unser angestammtes Zimmer Nr. 1 noch frei. Wir gingen noch schnell ins Internetcafé, tranken den obligatorischen Kohlberg und legten uns gegen Mitternacht hin.

13.10.
Es war Freitag, der 13., und wir waren gespannt, ob alles klappen würde, immerhin wollten wir uns heute mit unserem langjährigen Kumpel Hala am Flughafen in Sta. Cruz treffen und gemeinsam nach Sucre fliegen.
7:45 aufgestanden, Geld getauscht und frühstücken gegangen, dann per Bus und Taxi zu den Sanddünen von Lomas de Arena, die wir ca. 11:30 erreichten. Allerdings waren wir hier mitten in der Wüste, von einer Oase war nichts zu sehen. Man sollte angeblich noch 1 km laufen bis zur Oase, wo es dann auch nichts zu kaufen gibt. Wasser oder andere Erfrischungsgetränke mußte man sich also am Eingang, wo man auch Eintritt bezahlen mußte, kaufen. Der Taxifahrer wusste auch nicht so genau, in welche Richtung man denn nun gehen sollte und ob es wirklich nur 1 km ist. Man sah auch keine anderen Autos parken, also waren wir wohl offenbar die einzigen, die zu der Zeit da hin wollten. Uns kam das alles recht eigenartig vor, in Ica letztes Jahr war das ganz anders gewesen, und so ließen wir es lieber bleiben und fuhren mit dem Taxi zurück zur Busstation. 12:30 waren wir zurück in der Stadt, gingen noch was essen (Ich testete das erste Mal Quinoa-Suppe und fand es wirklich klasse.) und fuhren 14:30 los zum Flughafen, wo wir 15:30 ankamen. Hala war auch schon da und in heller Aufregung, denn eigentlich sollte der Flieger 16:30 starten, das hatten wir uns bei unserer Ankunft auch noch mal bestätigen lassen. Aus unerfindlichen Gründen war die Startzeit nun aber auf einmal 15:45, und das bedeutete natürlich mal wieder Streß und Hektik pur. Letztendlich klappte aber alles, und wir flogen mit Lloyd Aero Boliviano nach Sucre, wo wir 16:30 landeten. Der Landeanflug war noch spannender als der auf La Paz, überhaupt war der ganze Flug klasse gewesen, denn wir hatten fast die ganze Zeit eine prima Sicht gehabt. Es gab sogar Wein und Whisky, also ein Superservice für einen Inlandsflug, finde ich.
Sucre (14.0000 Einwohner) ist die nominelle Hauptstadt Boliviens und ca. 2800 m hoch gelegen, so dass es nach Einbruch der Dunkelheit schon recht frisch wurde, besonders, wenn man das Klima von Sta. Cruz gewöhnt war. Auf jeden Fall war nun abends schon wieder eine dicke Jacke angesagt.
Per Taxi dann ins Hotel, das uns der Taxifahrer empfohlen hatte und sich als guter Tip erwies. Es lag sehr zentral, nicht weit von der Plaza weg, war noch ziemlich neu und sehr ordentlich und sauber. Nachdem wir kurz entspannt hatten, fuhren wir 19:00 per Taxi zu einer Gaststätte, die im Reiseführer für kreolisches Essen empfohlen gewesen war. Es war auch ein guter Tip gewesen, und wir tafelten richtig! Allerdings war die Gegend offenbar nicht die sicherste, und die Kellnerin bestand darauf, dass wir uns ein Taxi rufen lassen und so lange in der Gaststätte warten, bis es denn da war. Hala legte sich im Hotel dann schlafen, ihm steckte der Flug und die Zeitverschiebung noch in den Knochen. Micha und ich gingen zur Plaza. Dort brannte die Luft, denn es war der Eröffnungstag eines internationalen Kulturfestivals. Es traten Livebands auf, und am besten gefiel uns Canto Sur aus Sucre, die eine interessante Mischung aus der traditionellen Panflötenmusik und Rock spielten. Die Massen gingen auch richtig mit, es war eine Bombenstimmung! Irgendwie hatte auch jeder seine eigenen Getränke dabei, und auch wir holten also unser Fläschchen Kohlberg raus. Als die Konzerte vorbei waren, hatten wir irgendwie so gar keine Lust, ins Hotel zu gehen und setzten uns mit einer neuen Flasche Kohlberg in der Nähe der Plaza hin. Es war dort richtig was los, und es dauerte nicht lange, bis wir mit den Leuten ins Gespräch kamen. Wir teilten unseren Wein und sie ihren Cola-Whisky, und am Ende kauten wir dann auch noch Coca. Es war auch wirklich lustig, und ich freute mich, ein bisschen Spanisch üben zu können. Wir blieben bis zum Tagesanbruch gegen 4:30, und Lizandro hatte dann eigentlich immer noch nicht genug, aber wir gingen dann trotzdem ins Hotel, das ja gleich um die Ecke war.

14.10.
Nach der letzten Nacht war klar, dass wir nicht vor 12:00 aus dem Bett kamen! Micha blieb im Hotel, während Hala und ich in die nahe gelegene Markthalle essen gingen. Außerdem konnten wir natürlich nicht den frisch gepressten Säften widerstehen. 13:00 holten wir Micha ab und brachen auf zur Stadtbesichtigung anhand unseres Reiseführers. U. a. besuchten wir das ehemalige Kloster San Felipe Nery, von dessen Dach aus man einen tollen Blick über die Stadt hatte, und eine Kirche mit einer herrlichen Decke im Mudéjar-Stil. Von dem Konvent La Recoleta hatte man auch einen schönen Blick über die Stadt und ihre Umgebung. Nach 17:00 fing es an zu regnen, und kühler als am Vortag war es auch. Und so gingen wir nach Einbruch der Dunkelheit ins Café Berlin. Dort treffen sich viele Deutsche, die in Sucre zu Spanisch-Kursen sind, und das Essen war auch ganz lecker und zum Glück nicht typisch deutsch! Es goß immer noch in Strömen, und so gingen wir ins Internetcafé und dann ins Hotel, um uns gegen Mitternacht abzulegen.

15.10.
8:00 aufgestanden, im Markt was gegessen, die Kathedrale besichtigt (hatte am Vortag geschlossen) und noch mal zum Parque Bolivar mit der Nachbildung des Eiffelturms. Die sieht zwar nicht so ganz original getreu aus, aber man kann immerhin hochgehen! Dann noch mal zum Markt und 2 Kassetten erstanden, eine von Canto Sur, die uns ja live so super gefallen hatten und eine von Bronco, die offensichtlich auch einen hohen Bekanntheitsgrad hatten. Wir trafen noch jemanden von Freitagnacht wieder, er machte eine Unterschriftensammlung für die Bauern, und auch wir unterschrieben da. Dann zum Hotel zurück und 12:00 per Bus zum Busbahnhof, 12:30 ging auch gleich ein Bus nach Potosí, aber wir hatten uns zu früh gefreut, denn wir hatten eine Panne. Da der Rückwärtsgang stärker untersetzt ist, fuhren wir teilweise rückwärts die steile Serpentinenstraße rauf, da wir es im Vorwärtsgang nicht mehr schafften! In einem Dorf wechselten wir dann den Bus und erreichten mit 2 Std. Verspätung ca. 17:30 Potosí. Potosí (122.000 Einwohner) ist ca. 4000 m hoch gelegen und damit die höchstgelegene Großstadt der Welt. Ihre Existenz und ihren früheren Reichtum verdankt sie den Silberfunden des Cerro Rico. Heutzutage kann man sich kaum noch vorstellen, dass Potosí einmal die reichste Stadt der Welt war und in einem Atemzug mit Paris, Madrid und Rom genannt wurde. Es ist vieles in Potosí ziemlich heruntergekommen, es ist einfach kein Geld da, die alten Gebäude zu restaurieren. Wir suchten uns erst mal ein Hotel und zogen uns dick an, denn hier war es nach Einbruch der Dunkelheit doch schon ziemlich kalt. Als erstes buchten wir uns bei Macario eine Tour in die Minen am Cerro Rico (4829 m) für den nächsten Tag. Wir gingen noch was essen, kauften am Markt noch was ein und legten uns im Hotel gegen 23:00 gleich hin, es war ungemütlich kalt, eine Heizung gab es natürlich nicht, und ich brachte zum ersten Mal meinen Daunenschlafsack zum Einsatz, der im Extrembereich bis -22°C geht. ;-)

16.10.
7:00 aufgestanden, versucht, was zu essen aufzutreiben, aber Fehlanzeige! Auf dem Markt war noch alles dicht. Also wenigstens Geld tauschen gegangen und einen Kaffee getrunken und 9:00 zu Macario ins Büro. Es waren noch 2 Deutsche da (Bianca und Sven), mit denen zusammen wir in die Minen einfahren sollten. Wir zogen uns minenfest an mit Gummistiefeln, Helm und Gummijacke, bekamen jeder eine Carbidlampe, und dann ging's los zum Cerro Rico. Zuerst allerdings hielten wir am Markt der Minenarbeiter, wo man so nützliche Dinge wie Coca-Blätter, 96%-igen Schnaps und Dynamit kaufen kann. Wir kauften auch von jedem ein bisschen was, um es dann den Mineros zu geben, die wir im Berg treffen würden. Besonders bemerkenswert waren die Minero-Zigaretten, die Tabak, Coca, Anis, Eukalyptus und noch 3 andere Kräuter enthalten. Wir mussten natürlich mal probieren, aber es passierte nichts weiter, also es trat keine berauschende Wirkung ein! Wir beobachteten noch eine Sprengung, und dann ging es in die Minen. Dort wird jetzt kein Silber mehr abgebaut, sondern Zinn. Die Arbeitsbedingungen sind einfach unmenschlich. Mich hat das total entsetzt. Und die Leute machen nicht mal was dagegen, Gewerkschaften oder so. Sie fangen mit 12, 13 an zu arbeiten, und viele sterben mit 30, 35. Krass! Wir waren in einer Kooperative und in einer Mine aus der Kolonialzeit, wir mussten z. T. auf allen vieren kriechen, und ich fand es schon ganz schön anstrengend, was aber sicher auch der Tatsache geschuldet war, dass wir erst gestern in dieser Höhenlage angekommen waren. Wir sahen auch den Bergwerksgott Tio, dem auch wir ein paar Coca-Blätter und 96%-igen Schnaps opferten. Macario erklärte die ganze Zeit gut, und es war sehr interessant. 13:00 waren wir zurück in der Agentur. Macario fragte uns, was wir als nächstes vorhätten, und wir sagten, wir wollten die Salartour von Uyuni aus machen. Bianca und Sven kamen gerade von da und hatten natürlich alle Infos, die wir brauchten. Macario meinte, er könne uns die Tour vermitteln, erklärte uns, was wir alles machen würden, und Bianca und Sven sagten, genau das hätten sie auch gemacht. So kamen wir also ins Geschäft, und Macario wollte auch gleich noch die Bustickets nach Uyuni für den nächsten Tag besorgen. Dann erst mal ins Hotel und geduscht, wir waren total durchgeschwitzt und dreckig bis zum Geht-nicht-mehr. Dann ging's auf zur Stadtbesichtigung wieder anhand des Reiseführers. Zuerst gingen wir ins Theater Omniste, eine nette Frau sprach uns an, wir unterhielten uns, und dann ließ sie uns aufs Dach, von wo man einen guten Blick über die Stadt und zum Cerro Rico hatte. Dann was essen gegangen und dann zum Convento San Francisco. Auch hier konnte man auf das Dach und in den Glockenturm rein, wirklich klasse!!! Dann noch so durch die Stadt geschlendert und zum Kunstgewerbemarkt, der aber eher enttäuschend war. 18:30 Treff mit Bianca und Sven zum Essen, Micha und ich zogen es jedoch vor, ins Theater Omniste zu gehen. Es war ja dieses Kulturfestival in Potosí und Sucre, und in diesem Rahmen fand auch diese Aufführung statt. Die nette Frau, die uns auf das Dach gelassen hatte, hatte uns das empfohlen, und es war auch eine interessante Sache. 20:00 in der Pause mussten wir dann aber leider gehen, denn wir waren alle mit Macario verabredet. Er lotste uns in seine Lieblings-Karaokebar. Zuerst dachte ich, au weia, wo bin ich denn hier gelandet, aber nach ein paar Singani (=bolivianischer Traubenschnaps) sah alles freundlicher aus. Macario konnte wirklich singen und trällerte ein Lied nach dem anderen. Zwischendurch war dann wieder Disco, und Macario sorgte dafür, dass wir fast ununterbrochen tanzten. Mich wunderte selber, dass ich noch so viel Luft bekam in dieser Höhenlage! Zum krönenden Abschluß durfte ich dann noch mit Macario singen, nur gut, dass ich dem Singani schon so reichlich zugesprochen hatte... 0:00 gingen wir dann aber und legten uns auch gleich hin.

17.10.
Strafe muß sein! Ich hatte einen dicken Kopf, aber trotzdem standen wir knallhart 6:30 auf, da ich noch einige Kirchen besichtigen wollte. Santa Teresa war wirklich wunderschön von innen, und so hatte sich das Aufstehen schon gelohnt.
9:30-10:30 Besichtigung der Münze. Es ist da aber alles mögliche ausgestellt, auch Dinge, die mit der Münze nichts zu tun haben, wie Mumien aus der Kolonialzeit und Exponate zum Unabhängigkeitskrieg. Die wuchtigen Münzpressen sind allerdings schon beeindruckend, und die Führung war auch sehr interessant. Es wurde schon deutlich veranschaulicht, wie man in der Kolonialzeit Geld herstellte.
11:15 dann per Taxi zum Bus und 12:30 dann los nach Uyuni. Die Landschaft war abwechslungsreich, wir sahen Lamas, und es hatte sich auf jeden Fall gelohnt, tagsüber gefahren zu sein. Wir hielten an einer Raststätte und konnten was essen, 16:30 dann hatten wir mal wieder eine Panne. Ein Reifen musste gewechselt werden, was aber nicht so einfach war, denn er saß extrem fest. 19:00 erreichten wir Uyuni, wo Paulino schon auf uns wartete. Wir fuhren erst mal zur Agentur, um den Rest zu bezahlen (Macario hatten wir nur eine Anzahlung gegeben), und wir bestellten gleich Tickets für den Bus nach La Paz in 4 Tagen. Paulino fuhr uns zu dem Hotel, wo wir hin wollten und meinte, er würde uns am nächsten Morgen 10:30 abholen. Wir gingen dann erst mal was essen, und zwar Lama. Das war aber recht lecker. Uyuni ist ein ziemlich kleines Nest (12.000 Einwohner) in einer bitterkalten, windigen und trostlosen Hochlandeinöde in 3760 m Höhe. Es war nichts los, und nicht mal ein Internetcafé hatte geöffnet, also blieb uns weiter nichts übrig, als im Hotel noch ein bisschen Wein zu trinken und uns 0:00 hinzulegen. Auch hier war die Daune angesagt, denn es gab natürlich keine Heizung.

18.10.
7:30 aufgestanden und noch mal geduscht, denn damit, so wußten wir, würde es während der 4-Tages-Tour im Länderdreieck Bolivien-Chile-Argentinien nichts werden. Dann frühstücken gegangen, noch ein bisschen herumgeschlendert und für Micha und Hala noch Sonnenbrillen gekauft. Die waren im Salar de Uyuni mehr als nötig durch die starke Reflexion. Pünktlich 10:30 war dann auch Paulino da. Wir holten noch die anderen ab und waren eine Gruppe von 6 Touristen und Paulino, der Fahrer, Reiseleiter und Koch in einer Person war. Die anderen waren 3 Mädels (Franziska aus Deutschland, Nahid aus Belgien und Henriette aus Frankreich). Unser gemeinsamer Konsens wurde Englisch. Im Jeep war verhältnismäßig viel Platz, und ich hatte das Glück, vorn neben Paulino sitzen zu können. Er war super nett, erklärte viel und beantwortete alle unsere Fragen. Ich konnte dabei mal wieder prima Spanisch üben, und es machte mir richtig Spaß! Der erste Halt war in einem Dorf, wo die Mehrheit der Leute vom Salz leben, das im Salar gewonnen wird. Sie stellen daraus Speisesalz her. Wir konnten uns alles angucken, dann ging es weiter zum Salzhotel. Hier ist alles aus Salz, auch die Möbel, sogar die Betten! Da das Salz gesättigt ist, weicht auch nicht alles auf, wenn es regnet. Die obere Salzschicht im Salar wird abgekratzt, und daraus wird dann das Speisesalz gewonnen, was darunter liegt, wird in Blöcken abgebaut und zum Bauen benutzt. Eine Nacht im Salzhotel kostet denn aber auch 20 US$ pro Nase, und so stiegen wir da natürlich nicht ab. Wir fuhren weiter zur Isla Pescado (Fischinsel) , die durch die Spiegelung (=Fata Morgana) wie ein Fisch aussieht. Auf ihr wachsen bis zu 6 m hohe Kakteen. Wir liefen 45 min auf der Insel herum und suchten uns dann ein schattiges Plätzchen. Die Sonneneinstrahlung und die Reflexion durch das Salz waren enorm und die Sonnenbrandgefahr daher sehr hoch. Ohne Sonnenbrille hatte man ebenfalls verloren! Hier gab es nun auch was zu essen, Paulino hatte Gurken und Tomaten aufgeschnitten, und dazu gab's dann noch Wurst, Käse, Zwiebeln und Brot. Wir konnten uns also unsere Brötchen nach eigenem Geschmack belegen. So lief das Mittagessen immer ab, mal gab es Thunfisch, ein ander Mal Ei. Das war auch völlig in Ordnung so bei dieser Hitze, die hier tagsüber herrschte. Bei der Weiterfahrt hatten wir dann mal wieder ein Problem, diesmal waren wir stecken geblieben, wir versuchten, ca. 1/2 Std. lang, rauszukommen mit Schieben und Gestrüpp unterlegen, aber nichts half. Dann sahen wir am Horizont 2 Fahrzeuge auftauchen und hofften, dass sie uns helfen würden. Als sie aber keine Anstalten machten, auf uns zuzuhalten, rannten Henriette und ich los und winkten erst mit unseren Tüchern, und als das immer noch nichts half, mit unseren Hemden. Schade nur, dass das keiner fotografiert hat! Nun jedenfalls bekamen wir endlich Hilfe und konnten weiterfahren, nachdem der eine Jeep sich auch zuerst mal festgefahren hatte. Letztendlich erreichten wir dann aber alle ca. 17:45 San Juan, ein ganz nettes Dorf. Die Unterkunft war sehr einfach, aber das hatten wir ja vorher gewusst. Bei Tageslicht schauten wir uns noch das Dorf mit Kirche an und erlebten einen spektakulären Sonnenuntergang. Die Atmosphäre mutete an, wie im wilden Westen, jeden Moment erwartete man einen Revolverhelden... Dann zu Unterkunft zurück und 19:00 Abendbrot gegessen. Paulino hatte Suppe gekocht und Kartoffeln, Reis und Rührei, und es war sehr reichlich. Von 19:00-22:00 gab es Licht vom Generator, sonst gab es hier keine Elektrizität. Wir gingen 21:00 mit ein paar anderen Leuten in eine Bar und tranken bei Kerzenschein Glühwein. Die Israelis waren leicht irritiert, "Warmer Wein? Was ist das denn?" Aber sie fanden es dann doch dann ganz gut, zumal es hier nachts natürlich wieder recht kalt war. Man traf hier Leute aller möglichen Nationalitäten, Schweizer, Italiener, Belgier, Franzosen, Spanier, Holländer, Israelis, Amis und andere Deutsche natürlich auch. Ich begann, ein Kauderwelsch aus Englisch und Spanisch zu sprechen, was sich nach Ende dieser Tour aber zum Glück wieder legen sollte. Wir blieben bis 22:30 und gingen mit Taschenlampen zurück, denn es war stockdunkel und legten uns 23:00 hin.

19.10
7:00 aufgestanden, gefrühstückt und 8:30 los, zuerst passierten wir einen Militärposten, da wir uns im Grenzgebiet zu Chile befanden, es lief aber alles problemlos ab, wir sahen dann Vulkane, alle über 5000 m hoch, der höchste war 5800 m, und einer davon war noch aktiv (allerdings qualmte er nur, seit 1000 Jahren war kein Ausbruch mehr) Dann erreichten wir die Laguna Canapa mit Flamingos, es war wunderschön hier, die Lagune war von Bergen eingerahmt, ein unbeschreiblich schöner Anblick! Hier gab es auch Mittagessen auf der Kofferraumklappe unseres Jeeps. Wir sahen dann noch weitere Lagunen mit und ohne Flamingos und Gesteinsformationen, eine sah aus wie ein Baum. 17:00 erreichten wir die Laguna Colorada, deren tiefrote Farbe durch Mikroorganismen hervorgerufen wird. Es war schon von weitem ein überwältigender Anblick. Allerdings war es extrem windig und dementsprechend kalt. Die Höhe von 4275 m machte sich natürlich auch bemerkbar. Auch hier gab es Flamingos. Die Farbkontraste waren total beeindruckend, der Himmel tiefblau, die Lagune rot, dazu noch die weißen Borax-Inseln und eben die Flamingos. Dafür nahm man auch in Kauf, dass die Unterkunft wirklich extrem einfach war, alle 6 übernachteten wir in einem Zimmer in Doppelstockbetten und ohne Ofen oder Heizung, aber die Daune ließ mich nicht im Stich!!! Wasser zum Waschen gab es auch keins, oder besser man sollte es nicht nehmen. Im WC stand ein Bottich mit Wasser, mit dem Nahid und ich uns trotzdem das Gesicht wuschen, und es passierte auch nichts Schlimmes! 18:30 gab es Abendbrot (Suppe und Spaghetti) und Strom vom Generator bis 21:00, wir spielten noch Mau-Mau mit Henriettes Karten aus Indien (sie war auf 7-monatiger Weltreise), Micha und ich setzten uns noch bis 22:30 in den Flur und tranken noch Wein. Es ging mir wirklich gut, ich hatte keinerlei Probleme mit der Höhe, ganz anders als letztes Jahr.

20.10.
5:00 schon auf, es war noch dunkel und daher mit Taschenlampen alles zusammengeräumt, draußen war es böse kalt, und ich zog alles an, was ich dabei hatte. 5:45 los zu einem Thermalgebiet mit Geysiren in 4800 m Höhe, mir gefiel es hier super, es waren auch blubbernde Schlammlöcher da. 8:00 erreichten wir Thermalquellen, in denen auch schon andere Touris badeten. Es war wie gesagt saukalt, und so wollte ich eigentlich gar nicht rein gehen, überwand mich dann aber doch und zog mir meinen Badeanzug an, in der Quelle war es wirklich klasse, ich wollte gar nicht wieder raus, es war wie in der Badewanne! Außerdem war es eine Wohltat, sich mal baden zu können, ich fühlte mich so herrlich sauber, einfach klasse! Das Wasser war nicht mineralhaltig, es waren nur Spuren von Eisen darin. Wir waren dann so aufgeheizt, dass es uns gar nichts mehr ausmachte, uns dann draußen wieder umziehen zu müssen. Wir frühstückten dann erst mal wieder auf der Kofferraumklappe unseres Jeeps. Dann weiter zur Laguna Verde. Sie war aber noch nicht grün, denn die grüne Färbung kommt von kupferhaltigen Mineralien, die durch den gegen Mittag einsetzenden Wind an die Oberfläche kommen. Da Henriette weiter nach Chile wollte, brachten wir sie zu einem Treffpunkt, 7 km von der Grenze weg und fuhren dann zurück zur Laguna Verde. Das sich uns nun darbietende Schauspiel war einmalig! Der Wind setzte ein und die Farbe änderte sich von rechts nach links, bis die Lagune völlig grün war! 11:30 dann wieder los und noch mal an den Thermalquellen gehalten und gebadet, weil es so schön gewesen war! Mittagessen gab es wieder auf der Kofferraumklappe, 13:30 dann weiter, es war sehr windig, und bei der Laguna Colorada konnten wir Windhosen beobachten, 17:00 erreichten wir die Stadt der Steine, Gesteinsformationen, die aussahen wie ein Mensch oder ein Kamel, wir machten 1/2 Std. Pause und fuhren dann nach Alota, wo wir 18:00 ankamen. Die Unterkunft hier war wieder etwas besser, und es war auch fließendes Wasser vorhanden. Aber wir 5 mußten uns wieder 1 Zimmer teilen. Zuerst mal brachen wir auf zum Dorfrundgang, 18:00 gab es dann Abendbrot (Suppe, Omelett, Wiener und Kartoffelbrei) Wir unterhielten uns noch bis 23:00 und legten uns dann hin. Hier gab es gar keine Elektrizität, dafür aber eine Gaslampe, die zugleich eine herrliche Wärme spendete. So war es richtig gemütlich. In unserer Gruppe herrschte ein total gutes Feeling, wir halfen uns gegenseitig mit Dingen aus, die man vergessen hatte, wie z: B. Toilettenpapier und After-Sun-Lotion. Das war nicht in allen Gruppen so. Wir unterhielten uns ja auch mit anderen Leuten, und 2 Holländerinnen erzählten uns, dass sie sich ein wenig isoliert fühlten. Außerdem erzählten sie, dass sie in Sucre am helllichten Tag überfallen worden waren. Wir hatten uns da eigentlich ganz sicher gefühlt. Paulino war auch wirklich ein Glücksgriff, denn er konnte zu allem Auskunft geben, und wir erfuhren, dass es in dieser Gegend keine Alpakas gibt, da diese die hier herrschenden klimatischen Bedingungen nicht verkraften. Lamas und Vicunas können das jedoch.

21.10.
Wir hatten es nicht eilig, und so schliefen wir richtig aus und standen 7:30 auf, 8:30 dann Frühstück. Es gab Langos, das hier Supaipilla oder Bunuelo heißt. Es war super lecker! 9:30 dann los, 13:00 erreichten wir Uyuni, Paulino kaufte noch Brot (das hatte er eigentlich im Dorf vorher machen wollen, aber da war der Bäcker krank, und da gab es dann eben kein Brot...), und wir fuhren zurück zum Friedhof der Züge, 15 Autominuten von Uyuni entfernt. Hier rotten alle ausrangierten Züge und Loks vor sich hin, die Atmosphäre war eigenartig, gespenstisch und hatte was von Weltuntergangsstimmung, zumal es sehr windig war. Wir aßen das letzte Mal auf der Kofferraumklappe des Jeeps und kehrten dann nach Uyuni zurück, das wir 14:30 erreichten. Paulino wollte zur Hochzeit seines Bruders, und wir stellten unser Gepäck in der Agentur unter und schlenderten noch durch Uyuni. Wir waren in den 4 Tagen 900 km gefahren, und es war für mich das Highlight dieses Urlaubes gewesen. Die Landschaft war unbeschreiblich schön und sehr beeindruckend gewesen. Ich hoffte nur, dass meine Fotos davon einen Eindruck würden vermitteln können.
18:00 gingen wir was essen, denn es sollte ja eine lange Nacht werden. Wir besorgten noch Wein für die Busfahrt, vermummten uns und packten dicke Sachen ins Handgepäck, denn es sollte sehr kalt werden im Bus, hatten wir gehört. 20:00 ging's dann los nach La Paz, und es war eine ziemlich ätzende Fahrt, es zog rein, und die Straße war bis kurz vor Oruro eine totale Holperpiste. Dort mussten wir dann auch noch mal umsteigen. Aber wir erreichten pünktlich am

22.10.
8:00 La Paz. Das ist die größte und wichtigste Stadt Boliviens und zugleich Regierungssitz. Ca. 1,3 Millionen Menschen wohnen hier. La Paz liegt in einem windgeschützten Talkessel, der tiefste Punkt liegt bei 3100 m, der höchste bei 4100 m. Mehrere 5000er und 6000er rahmen die Stadt ein.
Per Taxi zum Hotel und dort erst mal ausgiebigst geduscht, dann los, über den Markt geschlendert bis zur Sagarnaga, der Einkaufsstraße von La Paz. Dort gibt es wirklich alles, Pullover, Taschen, T-Shirts... Wir schlugen hemmungslos zu, entgegen meinen Vorsätzen, bis jetzt hatte ich mich ja sehr zurückgehalten. Die Fleecejacke sollte mir jedoch später noch gute Dienste erweisen. Dann Stadtrundgang anhand des Reiseführers. La Paz gefiel mir wirklich gut, viel besser als Mexiko-Stadt oder gar Lima. Die San Francisco-Kirche war auch innen wunderschön. Wir kamen auch über den Hexenmarkt, wo es alles mögliche gegen böse Geister, Krankheiten, für Glück und ein langes Leben zu kaufen gibt, u.a. auch mumifizierte Lamaföten. Ich hatte wirklich Mühe, mein Essen bei mir zu behalten, so eklig fand ich das. Naja, jedenfalls sollen die wohl Glück bringen, wenn man sie in die 4 Ecken eines Hauses einmauert. Dann buchten wir uns eine Tour in die Yungas, denn Paulino hatte gesagt, dass wir das auf keinen Fall alleine machen sollen, weil es zu gefährlich sei. Wie sich im Nachhinein herausstellte, hätte man das aber durchaus alleine machen können. Vermutlich hätten wir dann aber kein Coca-Feld betreten können. Dann endlich konnte ich wieder ins Internetcafé. In Uyuni waren zwar 3 gewesen, aber die hatten entweder zu, oder es war grad kein Netz da. Als wir raus kamen, goß es in Strömen, und wir fuhren per Taxi was essen. Wir besorgten uns noch Singani und Wein, tranken noch ein bisschen was und legten uns 23:00 hin.

23.10.
8:00 aufgestanden, bei der Post Briefmarken besorgt und die schmutzigen Sachen zur Wäscherei gebracht. Dann Ceviche frühstücken gegangen, das ist ja ein typisch peruanisches Gericht, und das Restaurant war offenbar auch von Peruanern geführt, denn an der Wand hing eine große Peru-Karte. Dann ins Coca-Museum, wo es sogar eine deutsche Beschreibung gab, es war total interessant, und wir erfuhren viel Neues, z. B. dass Kokain in einigen Betäubungsmitteln drin ist, wie sie z. B. beim Zahnarzt eingesetzt werden, und dass das völlig legal ist. Leider machte das Museum 13:00 zu, wir wären gern noch länger geblieben. Dann per Bus ins Mondtal und nach Mallasa direkt vor La Paz gelegen. Das Mondtal war wirklich bizarr, aber Mallasa eher enttäuschend, nur noch was essen gegangen und dann nach La Paz zurück. Wir fuhren dann zum Aussichtspunkt nach Monticulo, wo wir einen schönen Blick in den Talkessel von La Paz hatten. Dann noch zur Calle Murillo, von wo man auch eine schöne Aussicht hatte, zu Fuß zur Sagarnaga und San Francisco, dann per Bus nach El Alto der schönen Aussicht wegen und dann zum Zentrum zurück, noch herum geschlendert. Ich ging dann von 19:15-20:15 ins Internetcafé, und Hala und Micha waren in der Zeit einkaufen. Dann wollten wir was essen gehen, was sich um diese Zeit schon schwierig gestaltete. Als wir die x-te Gaststätte gerade frustriert verlassen wollten, sprach uns einer der Gäste an und lud uns ein, an seinem Piccado Macho teilzuhaben, das ist Geschnetzeltes, etwas scharf und sehr zu empfehlen. Er war mit seiner Frau und deren Freundin da, und es wurde ein lustiger feucht-fröhlicher Abend. 22:30 dann aber los, noch schnell was an einem Straßenstand gegessen und Sachen gepackt für die Yungas und unsere saubere Wäsche auseinander sortiert. 0:00 ins Bett.

24.10.
6:45 schon aufgestanden, Joghurt und Saltenas besorgt, das sind gefüllte Teigtaschen, ich fand das sehr lecker, das schnell gegessen, 7:30 war der Guide schon da, 7:50 dann los, die Sachen, die wir nicht brauchten, konnten wir wieder im Hotel abstellen, per Taxi zur Bushaltestelle, wo die Busse nach Coroico abfahren und mit einem öffentlichen Bus los. Zuerst ging es nur aufwärts bis zum La Cumbre-Paß (4650 m hoch). Hier war es eiskalt, aber die Straße war noch asphaltiert. Ab jetzt ging es nur noch bergab, und bald war die Straße nur noch so breit, dass ein Fahrzeug darauf Platz hatte und auch nicht mehr asphaltiert. Ich empfand das trotzdem als nicht so schlimm, obwohl viele Kreuze am Rand standen und die Straße auch Straße des Todes genannt wird. Ich saß allerdings neben dem Fahrer und konnte so den Abgrund nicht sehen. Auf der Rückfahrt sollte ich es schon noch mit der Angst bekommen. Jedenfalls war die Fahrt spektakulär, wir durchquerten fast alle Klima- und Vegetationszonen Südamerikas. 12:00 erreichten wir Coroico (1750 m hoch). Hier war es sonnig, deutlich wärmer und sehr angenehm. Wir fuhren zum Hotel, machten uns frisch und aßen zu Mittag. Bis 16:00 lagen wir am hoteleigenen Pool und gingen auch schwimmen. Dann los zum Stadtrundgang und einigen Aussichtspunkten. Coroico ist ein ganz netter Ort, wir gingen noch was trinken in einer Bar, es war grad Happy Hour. Dann zurück zum Hotel, entspannt und 21:00 Abendbrot. Das Essen war hier wirklich gut und reichlich. Da gab es nichts zu meckern. Das Hotel wurde von einem Luxemburger geführt. Dann noch mit Carlos, unserem Guide, bis 23:00 in der Lobby des Hotels gesessen und Wein und Singani getrunken.

25.10.
7:00 aufgestanden, 8:00 Frühstück und 9:00 los, um mal ein Coca-Feld aus nächster Nähe zu sehen, die 7 km lange Wanderung führte die ganze Zeit bergab bis zum Fluß, den wir gestern überquert hatten, das waren 500 Höhenmeter, und es war eine schöne Strecke durch üppig wuchernde Vegetation, wir besichtigten eine Farm mit Bananen, Kaffe und eben Coca, es war weniger spektakulär, als wir dachten, aber schon ein lustiges Gefühl, mitten in einem Coca-Feld zu sitzen! Unten tranken wir noch ein Bier und schnappten uns dann einen Kleinbus zurück nach Coroico, dort noch mal zum Aussichtspunkt und so ein wenig herumgeschlendert, 14:00 dann Mittagessen und dann noch am Pool gelegen, gebadet und die angenehmen Temperaturen genossen, 16:30 dann zum Bus, Carlos war mittlerweile ziemlich angetrunken und alle im Bus nahmen das auch erheitert zur Kenntnis. Nun saß ich auf der Seite zur Straße hin, und mir wurde schon teilweise etwas mulmig, wenn ich in den Abgrund sah. Es war auch mehr Verkehr, als gestern, und so mußten die LKW dauernd rangieren bei Gegenverkehr. Es wurde langsam dämmerig, und ich hoffte nur, daß wir noch vor Einbruch der Dunkelheit den Paß erreichen würden. Wir schafften es knapp! Dann gleich per Taxi zum Hotel, wo wir einen Deutschen trafen, der seit 16 Jahren in der Nähe von Cochabamba lebte und Schweine züchtete. Es war interessant, sich mit ihm zu unterhalten. Dadurch war es nun schon 22:00 geworden und es stellte wieder ein Problem dar, noch was zu essen aufzutreiben, und so gingen wir zum Chinesen, der als einziger noch geöffnet hatte. Es war aber lecker und reichlich. Und die Leuten waren dermaßen freundlich, das hab ich selten erlebt. Im Hotel noch ein Gläschen Wein getrunken und 0:00 ins Bett.

26.10.
7:00 aufgestanden, noch zusammen frühstücken gegangen, hier gab es einen super Kiwi-Saft, und es war alles echt reichlich. Nun trennten sich unsere Wege, Hala brach auf nach Cochabamba und wir wollten Tiwanaku besichtigen, eine präkolumbische Ausgrabungsstätte aus der Zeit um 400-1000, ca. 70 km von La Paz entfernt, per Taxi und Kleinbus dauerte die Fahrt ca. 2 Std., dann mußten wir noch 2 km laufen. Leider war die Ausgrabung schlecht erhalten, aber das Museum war ganz interessant. Außerdem schlossen wir uns einer deutschsprachigen Führung an und erhielten so noch einige Hintergrundinfos. Dann noch kurz das Dorf Tiwanaku angeschaut und 15:30 zurück nach La Paz, wo wir 17:00 ankamen. Wir besorgten uns gleich noch Bustickets nach Copacabana am Titicacasee. Dann noch zum Markt, um Filme nachzukaufen. Dort war ein unheimliches Gedränge, und mir war das total unangenehm, man mußte alle seine Sachen ganz fest halten, denn hier wimmelt es von Dieben, hatten wir gehört. An einem Straßenstand aßen wir noch Supaipillas und testeten Api, ein warmes rötliches Getränk aus Mais, das aber schlimmer aussah, als es schmeckte, irgendwie schmeckte es ein bißchen wie rote Grütze. Dann ins Internetcafé und shoppen, Micha erstand noch einen Fleecepullover. Am letzten Tag in La Paz wollten wir uns noch mal so richtig was Gutes gönnen und gingen ins Corregidor essen. Es war einfach klasse. Wir hatten gefüllte Palmenherzen mit Champignons gratiniert, Pejerrey (Fisch) mit einer scharfen Sauce und Zunge mit Reis und scharfer Sauce, dazu Limettensaft. Als Krönung trat dann auch noch ein Paar mit Tänzen des Karnevals in Oruro auf, und eine Folkloregruppe spielte. Das war eine wirklich feine Sache! Leider hatte ich meinen Fotoapparat nicht dabei. Dann im Hotel noch Sachen gepackt und 0:30 ins Bett.

27.10.
6:30 aufgestanden, alles fertig gemacht und zur Frühstückskneipe von gestern, weil es da so gut gewesen war. Per Taxi zum Bus, 9:00 pünktlich los. Beim Übersetzen auf die Halbinsel, auf der Copacabana liegt, mußten wir den Bus verlassen und mit einem Boot fahren, der Bus fuhr mit einem anderen Boot! Lustig! 12:30 erreichten wir Copacabana, das dem berühmten Strand in Brasilien den Namen gab. Copacabana hat ca. 20.000 Einwohner und ist ein bedeutender Wallfahrtsort mit 3 großen Wallfahrten im Jahr. Wir suchten uns ein Hotel und schlenderten dann durch die Stadt, es gab hier Kunstgewerbeartikel in Hülle und Fülle, und ich merkte schon, mich hier zu beherrschen, würde schwer werden. Dann Besichtigung der Wallfahrtskirche. Sie war auch von innen wirklich schön. Gegen 17:15 machten wir uns auf, den Kalvarienberg zu erklimmen, um von da den Sonnenuntergang zu beobachten. Es waren noch mal 100 Höhenmeter über dem Titicacasee, der ja auf ca. 3800 m liegt. Dann noch Einkäufe getätigt für unsere morgige Tour zur Sonnen- und Mondinsel und Forelle essen gegangen. Es wurde hier nach Einbruch der Dunkelheit unangenehm kalt, und so gingen wir 21:00 schon in unser Zimmer.

28.10.
7:00 aufgestanden und geduscht, ich erwähne das deshalb, weil es sehr lustig war, denn es gab keine Wasserhähne in der Dusche, man mußte Bescheid sagen und durch Zurufen die Wärme regulieren lassen. 8:15 dann per Boot los zum Nordende der Sonneninsel. Wir saßen draußen auf dem Boot, und es war richtig schön, wenn auch kalt. 10:30 erreichten wir die Sonneninsel. Sie gilt der Legende nach als Geburtsort des Schöpfergottes Wiracocha und wurde damit für die Menschen dort heilig, ebenso wie der gesamte Titicacasee. Sie ist die Keimzelle des Inka-Imperiums. Wir besichtigten das Museum mit Funden des versunkenen Ruinenkomplexes. Es war auch gleich ein Guide zur Stelle, der uns auf dem Weg zum heiligen Stein und dem Inka-Palast begleitete und viel erzählte, aber mir schien es zu weit hergeholt und erinnerte mich an die Theorien von Däniken. Die Ruinen waren schlecht erhalten, aber die Wanderung war schön und bot viele tolle Ausblicke, es ging immer bergauf. 13:00 weiter zur Mondinsel, die wir 14:00 erreichten. Die Ausgrabung hier war restauriert und so natürlich viel schöner als die auf der Sonneninsel. Außerdem war sie in einem Stil gebaut, der an den maurischen erinnert, den man in Spanien findet. 15:00 dann zurück zum Südende der Sonneninsel. Wir hatten eine Std. Zeit und stiegen die steile Inka-Treppe hinauf. Es war unbeschreiblich schön, dort zwischen den Terrassen entlang hinauf zu steigen. 16:30 dann weiter, wir hielten noch mal an einer weiteren Ausgrabung, die sehr interessant war wegen ihres falschen Gewölbes. Dann zurück nach Copacabana, und es wurde schon wieder böse kalt auf Deck, aber wir harrten aus der schönen Aussicht wegen. Tagsüber war es jedoch ziemlich heiß. 18:00 Ankunft in Copacabana, dick vermummt und den Sonnenuntergang beobachtet, der viel schöner als gestern war. Da es uns so gut gefallen hatte und wir noch Zeit hatten, entschlossen wir uns, morgen noch einmal zur Sonneninsel zu fahren und von Norden nach Süden zu wandern, langsam rückte ja auch die geplante Bergbesteigung immer näher, und so dachten wir, eine Wanderung kann nicht schaden. Wir besorgten uns also Fahrkarten und Proviant und gingen noch Forelle essen, die im Titicacasee gefangen wird. Es lief im Fernsehen in synchronisierter Fassung "Abenteuer Airport" mit Felmy, Glatzeder und Sodann. Das war irgendwie eigenartig, hier so was zu sehen! Dann ins Hotel und schon 22:00 ins Bett.

29.10.
5:45 war die Nacht dank eines Hahnes vorbei, 7:00 dann aufgestanden, 8:15 dann per Boot los zum Nordende der Sonneninsel, 10:30 da. Heute war starker Wind und Wellengang im Gegensatz zu gestern. Es war daher kälter. Wir machten den gleichen Aufstieg wie gestern und wanderten dann einen Kammweg entlang Richtung Süden. Es war eine sehr schöne Wanderung, in der Ferne sahen wir die schneebedeckten 6000er der Cordillera Real. 14:30 erreichten wir ein Dorf, aßen was und unterhielten uns mit Einheimischen, die sich interessiert meinen Reiseführer anschauten. Das Zurückspulen des Films im Fotoapparat erheiterte sie sehr. 15:30 gingen wir dann los, runter zum Boot, das 16:00 ablegte, und erreichten 17:30 Copacabana. Heute war es nicht so kalt wie gestern, im Gegenteil, es war richtig angenehm. Ich setzte mich noch an die Mole und schaute in der Abendsonne auf den See, dann schlenderten wir noch herum und beobachteten dann noch den Sonnenuntergang. Zu Abend aßen wir heute Pejerrey am Kaminfeuer.

30.10.
7:30 aufgestanden, zum Horca del Inca aufgestiegen. Das soll früher mal ein Observatorium gewesen sein, man konnte aber nichts erkennen, dafür war der Blick über Copacabana sehr schön. Dann zurück zum Hotel, Sachen gepackt und abgestellt und noch ein paar Sachen besorgt, wie Filme und was zu essen. Am Ufer des Titicacasees Forelle essen gegangen. 13:30 dann per Bus nach Puno in Peru. Die Einreiseformalitäten liefen reibungslos. 16:00 Ortszeit erreichten wir Puno, es war 1 Std. Zeitverschiebung zu Bolivien, da war es jetzt schon 17:00. Wir erkundigten uns am Bahnhof, ob heute nacht ein Zug fahren würde, leider war es nicht an dem, und so besorgten wir uns Bustickets. Das Gepäck konnten wir in dem Reisebüro abstellen und gingen noch mal zum Ufer des Titicacasees und was essen. Am Schluß gingen wir noch mal zur Plaza und durch die Fußgängerzone. 19:50 fuhr der Bus dann los. Es war ein ziemlich unangenehmer Geruch, weswegen ich immer das Fenster öffnen wollte, was auf keine Gegenliebe stieß und zu einem Wortwechsel führte. Der Mann hinter uns (ein Dienstreisender aus Lima) teilte meine Meinung und gab uns so was wie Kölnisch Wasser zum unter die Nase reiben. Wir boten ihm von unserem Wein an, und in der nächsten Pause kaufte er Anisschnaps, der seine Wirkung nicht verfehlte! So konnten wir dann ganz gut schlafen.

31.10.
6:30 erreichten wir Arequipa. Mir hatte die Stadt schon letztes Jahr am besten gefallen, besser noch als Cusco, und ich freute mich, wieder hier zu sein! Arequipa liegt nur noch 2325 m hoch und ist mit ca. 700.000 Einwohnern Perus drittgrößte Stadt.
Per Taxi zum Hotel, wo wir schon letztes Jahr übernachtet hatten und man uns auch wiedererkannte. Wir legten uns erst noch mal hin, denn die Nachtfahrt war ja nicht gerade entspannend gewesen, 9:30 standen wir wieder auf und gingen in die Stadt, um erst mal unsere Bergbesteigung zu organisieren. Wir waren uns ja immer noch nicht einig, ob wir lieber den Chachani (6075 m) oder den Misti (5822 m) nehmen sollten. Ich hatte überhaupt keine Erfahrung mit diesen Höhen, Micha hatte wenigstens schon den Kilimanjaro und den Mt. Kenia bestiegen. Und er meinte, die dünne Luft könne einem ganz schön zu schaffen machen, und da für den Chachani Steigeisen und Pickel brauchen würden, sollten wir doch lieber den Misti nehmen, denn der war schneefrei. Die Leute in der Agentur rieten auch zum Misti, da ich halt keinerlei Erfahrung hatte. Wir machten dann alles klar, buchten Flüge zurück nach Lima und gingen dann erst mal was essen. Wir gönnten uns was richtig Gutes auf einer Dachterrasse mit Blick auf den Misti und den Chachani. Ich testete das erste Mal Coca Sour an und war so begeistert, daß ich mir gleich noch einen hinterher bestellte, der mir dann gleich ziemlich zu Kopf stieg, hossa! Dann in der Stadt herumgeschlendert, zum Frisör und ins Internetcafé und dann zum Mexikaner essen gegangen. Wer mich kennt, weiß, dass das mein Lieblingsessen ist. Dann noch auf einen Pisco Sour ins Casa de Klaus, der uns gleich fragte, ob wir nun nicht doch in Peru bleiben wollten, weil wir schon wieder da waren, wie schnell doch ein Jahr vergeht... Es war jedenfalls viel los, denn es war Hexennacht. Morgen sollte noch mehr die Post abgehen zum Tag der Toten. Wir gingen aber bald ins Hotel, denn der Misti wartete auf uns. Mir war mulmig bei dem Gedanken, aber nun war alles gebucht und es gab kein Zurück mehr. Wir hatten ja diese Tabletten gegen die Höhenkrankheit gekauft und Powerriegel in großer Menge. Außerdem futterte ich schon seit Tagen Eisentabletten, keine Ahnung, ob das hilft, aber der Glaube versetzt ja bekanntlich Berge. Wir packten das zusammen, was wir meinten, für den Aufstieg zu brauchen, tranken noch ein bisschen Wein (wir hatten hier welchen gekauft, aber dieser peruanische Wein war wieder der pure Sud, kein Vergleich zum bolivianischen!) und legten uns reichlich nervös gegen Mitternacht hin.

1.11.
7:30 aufgestanden, 8:30 pünktlich los und erst mal Lebensmittel besorgt, erst über Straßen, dann über Buckelpisten gefahren, bis es nicht mehr weiter ging. Hier waren wir nun auf 3000 m Höhe, und der Aufstieg sollte beginnen. Wir hatten noch einen Guide und einen Träger dabei. Zelte, Matten und Treckingstöcke hatten wir uns ausgeliehen. Unser Guide war schon x-mal oben gewesen. Er war Archäologiestudent und hatte bei der Bergung der Mumien geholfen, die man im Krater des Misti gefunden hatte, erzählte er. Wir gingen fast nur durch Lavaasche, das heißt, man macht 3 Schritte vor und rutscht 2 zurück. Wir gingen langsam, machten genug Pausen und erreichten ca. 16:00 das Base Camp auf 4700 m. Bis jetzt fühlte ich mich top, ich wunderte mich selber. Irgendwie hatte ich mir das alles viel anstrengender und schlimmer vorgestellt und war heilfroh, dass es so gut lief. Unter uns lag Arequipa, beeindruckend! Der Sonnenuntergang (ca. 17:30) war phantastisch, wir sahen ein Flugzeug, das noch unter uns flog, irgendwie unglaublich! Als die Sonne dann weg war, war es auch wirklich böse kalt. 18:00 gab es Abendbrot, nachdem erst der Kocher 30 min nicht in Gang zu setzen gewesen war. Es gab Fadennudelsuppe, Spaghetti mit Tomatensauce und Coca-Tee. Mir froren trotz Handschuhen fast die Finger ab, und so krochen wir 19:30 ins Zelt. So lange hatte sich das Abendbrot hingezogen. Meine Daune enttäuschte mich aber nicht, und ich wärmte mich schnell auf. Wir waren übrigens nicht die einzigen im Camp. Ein Franzose und ein Schweizer mit Guide und Träger waren noch da. Wir erfuhren später, dass der Guide über 80 Jahre ist und die Juanita mitentdeckt hat. Das ist diese berühmte Mumie, die 1995 im Eis des Ampato gefunden wurde, super gut erhalten ist und von der es jede Menge Postkarten (!) gibt. Herr Zarate hat auch eine Agentur und scheint in Arequipa eine ziemliche Berühmtheit zu sein.

2.11.
5:00 weckte uns der Guide, das war sicher nicht so geplant, er hatte wohl verschlafen, und auch wir hatten hervorragend geschlafen, und ich fühlte mich fit für den Aufstieg. 5:15 dann los mit einem Coca-Tee und einem Powerriegel im Magen. Diesmal legte unser Guide ein schnelleres Tempo vor, ich mußte dem Guide dauernd explizit sagen, daß er warten soll. Irgendwie fand ich das gar nicht in Ordnung, denn dadurch sahen wir manchmal den Weg nicht (Wir liefen auch gegen die Sonne) und kraxelten an der völlig falschen Stelle hoch, was unnötig an den Kräften zehrte. Trotzdem steckte ich auch diesen Aufstieg viel besser weg, als ich es erwartet hatte. Das allerletzte Stück war noch mal ein unheimlicher Kraftakt. Es war noch mal richtig steil und ziemlich windig. Aber 9:55 erreichten wir dann den Gipfel. Ich war super glücklich, dass ich das gemacht hatte. Es war schon ein tolles Gefühl, hier in 5822 m Höhe zu stehen. Wir hatten gute Sicht, und an windgeschützten Stellen war es richtig angenehm, sonnig und der Höhe angemessen warm. 11:30 machten wir uns an den Abstieg, und was nun folgte, war sehr unerfreulich. Der Guide hatte sein Handy dabei und telefonierte auf dem Gipfel und erzählte was von 15:00 in Arequipa sein. Offenbar wollte er das bis dahin schaffen und ein dementsprechendes Tempo legte er auch vor. Micha hatte aber Probleme mit dem Knie und konnte nicht so schnell, und ich passte mich seinem Tempo an, den Guide interessierte das überhaupt nicht. Er rannte vorneweg, und auf einmal war er weg. Er hatte es offenbar eilig, wie ja dem Telefonat zu entnehmen gewesen war. Auf jeden Fall bekam ich es nun gewaltig mit der Angst zu tun, denn der Guide hatte beim Aufstieg erzählt, daß es immer wieder zu Überfällen gekommen war. Wir kannten den Weg nicht, denn runter geht man anders als hoch. Wir kraxelten über Gesteinsbrocken, an der völlig verkehrten Stelle, ich fiel mehrmals hin und war fertig mit den Nerven. Tief unter uns sahen wir dann ein Camp liegen und gingen drauf zu, und es war unser Base Camp. Ich war völlig fertig, der Träger war auch schon weg, und wir mußten ja noch unser Zeug zusammen räumen. Herr Zarate bot mir dann an, mich mit runter zu nehmen, da noch 1 Platz im Auto frei sei. Micha kam 1 Std. später mit dem Guide hinterher. Trotzdem war die Misti-Besteigung natürlich ein tolles Erlebnis und hat Lust auf mehr gemacht. Am liebsten wär ich gleich noch auf den Chachani, aber wir mußten ja gleich am nächsten Tag zurück fliegen.
16:30 war ich zurück in Arequipa und kümmerte mich gleich um unser Zimmer. Wir hatten zwar die Sachen abstellen können und ein Zimmer reserviert, jedoch wollten sie es nicht länger als bis 17:00 frei halten. Es war also höchste Zeit. 17:30 kam auch Micha, und nachdem wir uns gesäubert hatten, gingen wir 19:00 zum Italiener essen (wir hatten bisher nur 3 Powerriegel gegessen gehabt, sonst nichts) und danach zu Klaus, wo wir unseren Erfolg feierten.

3.11.
8:00 aufgestanden, in die Stadt frühstücken gegangen, 11:00 zurück, Sachen gepackt und abgestellt, 12:30 los zum Markt, noch mal frisch gepressten Saft trinken und in einen Park. Wir kauften noch einige Kunstgewerbeartikel und T-Shirts und gingen 15:00 noch mal auf der Dachterrasse vom ersten Tag essen. Wir ließen es uns richtig gut gehen und nahmen Anticucho vom Herz, gefüllte Pfefferschoten und eine Fleischplatte. Dann noch mal zum Markt, um den definitiv letzten Saft zu trinken und 16:45 per Taxi zum Flughafen. Wir konnten den Misti und den Chachani noch mal schön sehen. Bemerkenswert fand ich noch folgendes: In Arequipa scheint man ziemlich stolz zu sein auf Juanita. Eine nachgebaute Puppe sitzt im Flughafen im imaginären Gletscher. Sieht genauso aus, wie auf den Postkarten, die es ja überall gibt. (Im Museum waren wir nicht. Ich finde das zwar alles irre spannend, aber angucken kann ich mir Mumien nicht unbedingt.) Und ein Foto hängt auch da, wo sie noch wirklich im Gletscher war, wahrscheinlich kurz nach dem Fund.
Wir beobachteten noch den Sonnenuntergang und starteten 18:50 (statt 18:10). 20:00 erreichten wir Lima und beschlossen, nicht erst noch ein Hotel zu suchen, sondern auf dem Flughafen zu bleiben. Leider gab es keine Lounge, wo man die Nacht über hätte bleiben können, und so gaben wir unsere Sachen in der Gepäckaufbewahrung ab und gingen in eine Kneipe in Flughafennähe und tranken ein paar Bier. Auf einen früheren Flug konnten wir auch nicht mehr umbuchen, c'est la vie. Im Warteraum legten wir uns auf den Stühlen ab und schliefen sogar ein bisschen bis ca. 3:45.

4.11.
Bereits 4:00 holten wir unser Gepäck und checkten ein, das hatte natürlich den gewaltigen Vorteil, dass wir die besten Plätze bekamen, auch für den Flug von Miami nach London. 8:00 dann Start, 13:00 Ankunft in Miami, reibungslose Einreise. Dann per Stadtbus mit 1x umsteigen zum Oceandrive. Wir gingen durch den Art Deco District und dann noch mal im Meer baden. Es war herrliches Wetter, warm und sonnig. Dann zurück zum Flughafen, die Fahrt dauerte jeweils eine Std. 19:00 startete die Maschine. Es gab 3 Filme ("Der Sturm", "Der Patriot" und ?) Das Essen war lecker und die Crew sehr freundlich.

5.11.
8:00 Ortszeit Landung in London (in Miami war es da 3:00 nachts), 10:30 weiter, 13:00 Ortszeit Ankunft in Düsseldorf, in London war es da 12:00. Mein Rucksack war weg, aber er tauchte zum Glück noch bis zum Abend auf und wurde mir nach Hause gebracht, auch nicht schlecht, denn wir fuhren mit der S-Bahn, und so musste ich ihn nicht schleppen ;-)

Tja, leider waren die 4 Wochen mal wieder viel zu schnell vorbei, und es gibt noch jede Menge, was man sich in diesem Teil der Welt anschauen könnte, z.B Tupiza, Tarija oder Rurrenabaque. Der Traum vom 6000er ist auch noch nicht ausgeträumt, und der Chachani reizt mich mehr denn je.
Aber es war ein toller Urlaub, alles klappte wieder super, und sicher kehre ich eines Tages zurück.


 
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Info Reisebericht
Reiseland: Bolivien
Datum der Reise: Okt 2000
Dauer der Reise: 4 Wochen
Autor: Kristina
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Links zum Artikel
· Bolivien Wikipedia
· http://adventure.clubplanet.de/Peru_Bolivien

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