Rügen - Tipps für die ganze Insel
Mein Freund und ich waren im September 1998 eine Woche und im September 1999 zwei Wochen auf Rügen. Wir sind beide etwa Mitte dreißig, kommen aus Hessen und haben weder Kinder noch Tiere. Auf Rügen haben wir uns vor allem erholt. Dank des damals sehr warmen Spätsommerwetters haben wir sowohl Strandurlaub als auch Ausflüge gemacht.
1. Anreise
1.1. Zeitplanung
In Mecklenburg-Vorpommern gibt es bekanntlich nur wenige Autobahnen, östlich von Rostock überhaupt keine. Dementsprechend wälzt sich der gesamte Verkehr über Bundes- und Landesstraßen. Hinzu kommt, daß Mecklenburg-Vorpommern zwar dünn besiedelt ist, die Häuser in den Ortschaften aber meist auf ziemlich großen Grundstücken stehen. Außerdem gibt es dort in der Regel keine "Haufendörfer", sondern "Straßendörfer", d.h. alle Häuser eines Ortes reihen sich entlang der Hauptstraße. Selbst Orte mit nur 500 Einwohnern haben deshalb oft eine 2 km lange Ortsdurchfahrt - und das bedeutet Tempo 50 km/h, auch wenn es sich bei der Hauptstraße um eine Bundesstraße handelt. Radarfallen beachten! Östlich von Rostock schafft man daher im Schnitt allenfalls 50±10 km pro Stunde. Dies ist kein Witz und sollte bei der Zeitplanung berücksichtigt werden.
1.2. Straßenbeschaffenheit
Entgegen weitverbreiteter Wessi-Vorurteile sind Autobahnen und Bundesstraßen auch im Osten der Republik inzwischen auf Westniveau. Dennoch Vorsicht: Die Beschleunigungs- und Verzögerungsstreifen sind meist sehr kurz, deshalb muß man vor dem Abfahren oft schon auf der Autobahn und nicht erst auf dem Verzögerungsstreifen bremsen. Im Bereich der Auffahrten muß auf der rechten Spur mit Autos gerechnet werden, die erst 50-60 km/h fahren, da sie auf dem kurzen Beschleunigungsstreifen noch nicht sehr schnell geworden sind. Wie im Westen gibt es mindestens alle 30 km eine Tank- und Raststelle. Das Niveau ist eher höher als im Westen, da keine dieser Anlagen älter als zehn Jahre ist.
Bundesstraßen müssen innerhalb von Ortschaften aber bekanntlich von der jeweiligen Gemeinde instand gehalten werden. Kleine Gemeinden mit hoher Arbeitslosigkeit der Bevölkerung und langer Ortsdurchfahrt haben oft kein Geld für Reparaturen. Innerorts sind Schlaglöcher und andere schadhafte Stellen die Regel, was sich auch auf den Zeitfaktor niederschlägt.
1.3. Radarfallen
In den neuen Bundesländern gibt es wesentlich mehr Geschwindigkeitsbeschränkungen und vor allem Radarfallen als im Westen. Wer es nicht glaubt, muß in aller Regel sehr bald finanziell bluten. Oft sieht man auf gut ausgebauten und hervorragend einsehbaren Bundesstraßen außerhalb geschlossener Ortschaften Geschwindigkeitsbeschränkungen von 70 km/h. Das ist für keinen normalen Menschen verständlich, doch wer nur wenig zu schnell fährt, findet bald nach der Heimreise Post aus Flensburg im Briefkasten. Häufig steht die Polizei auch gleich gut versteckt am Wegesrand und kassiert an Ort und Stelle ab.
Wie gesagt: Radarfallen sind viel häufiger und meist noch besser versteckt als im Westen. Das gilt nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern, sondern in allen fünf neuen Bundesländern.
1.4. Strelasund und Rügendamm
Der Rügendamm ist die einzige Möglichkeit, den Strelasund zu überqueren und von Stralsund nach Rügen zu gelangen. In vielen Reiseführern steht, der Rügendamm werde tagsüber regelmäßig gesperrt, damit Schiffe den Strelasund passieren können. Wir haben davon nie etwas gemerkt, vielleicht, weil wir immer in der Nachsaison auf Rügen waren. Es war nie ein Problem, auf die Insel zu gelangen. Es ist eher schwierig, Rügen wieder zu verlassen. Oft staut sich der Verkehr auf der B 96 von Rügen in Richtung Stralsund bis nach Rambin auf Rügen. Grund ist die miserable Ampelschaltung in Stralsund. An jeder Milchkanne steht eine Ampel, die oft nur zwei bis drei Autos durchläßt. 200m weiter kommt schon wieder eine rote Ampel. Wir haben in der Nachsaison schon zwei bis drei Stunden von Sagard bei Sassnitz bis zum Ortsausgang von Stralsund gebraucht.
1.5. Touristische Informationen
- Man beachte: "Rüganer" sind Menschen, die auf Rügen geboren sind und deren Eltern ebenfalls auf der Insel das Licht der Welt erblickt haben. "Rügener" sind Leute, deren Familie nicht von der Insel Rügen stammt.
- "Der Rüganer": wöchentliches Mitteilungsblatt mit Veranstaltungskalender, gibt es kostenlos in vielen Geschäften und Restaurants
- Wetter- und Verkehrsvorhersage: NDR, www.ndr.de, www.kreidefelsen.de
- Informationen über Schiffsverbindungen:
Fischereihafen Sassnitz, an der Strandpromenade
Seebrücke Ostseebad Binz, an der Strandpromenade gegenüber dem Kurhaus
Reederei Ostsee-Tours, Hafen von Schaprode
2. Unterkunft
2.1. Touristik-Service Rügen in Altefähr
Wer nach Rügen fährt, kommt zwangsläufig über die B 96 von Stralsund aus auf die Insel. Die B 96 führt von Stralsund über Bergen nach Sassnitz.
Auf Rügen führt gleich die erste Abzweigung der B 96 nach links (wenige Kilometer hinter dem Rügendamm) in das winzige Dorf Altefähr. An der Hauptstraße befindet sich ein Büro des Touristik-Serice Rügen, das Unterkünfte aller Art auf der gesamten Insel vermittelt.
Adresse:
Touristik-Service Rügen
Hauptstraße
18573 Altefähr
Tel.: (03 83 06) 61 60
Fax: (03 83 06) 6 16 66
Dort gibt es ebenfalls Infos zu Sportmöglichkeiten und Uralub mit Kindern.
2.2. Hotel und Ferienwohnung Sagard
Wir haben 1998 und 1999 in Sagard auf der Halbinsel Jasmund gewohnt. Wer viel auf ganz Rügen herumreisen will, wohnt auf dem Jasmund sehr verkehrsgünstig, da alle Teile der Insel relativ nahe sind.
Sagard ist ein kleiner Ort und liegt ca. 8 km westlich von Sassnitz. Abends werden dort buchstäblich die Bürgersteige hochgeklappt, dafür hat man keinen Discothekenlärm oder Ähnliches zu befürchten. Wer abends etwas unternehmen will, hat es nicht weit nach Sassnitz, Bergen oder Binz.
Wir haben in beiden Jahren bei Familie Sebök gewohnt und können die Unterkunft nur wärmstens weiterempfehlen. Die Familie hat ein Hotel mit angeschlossenem ungarischem Restaurant; beides wurde 1995 renoviert. Die Zimmer sind sehr hübsch, haben alle Kabel-TV und super Bäder. Eine Übernachtung mit Frühstück (üppiges Buffet!) kostete 1998 und 1999 für zwei Personen zusammen von Juni bis August 130,- DM, von September bis Mai 100,- DM. Tiere dürfen nicht mitgebracht werden.
Adresse:
Hotel am Markt
Ungarisches Restaurant Puszta
Familie Sebök
August-Bebel-Str. 14
18551 Sagard
Tel.: (03 83 02) 37 16 oder 3718
Fax: (03 83 02) 37 21
E-Mail:puszta@kreidefelsen.de
Web: www.kreidefelsen.de/puszta
In Sagard befindet sich übrigens das einzige deutsche Boxsport-Museum, es ist auch in der August-Bebel-Straße.
3. Allgemeines
3.1. Landschaften auf Rügen
Rügen ist eigentlich eine Ansammlung von Halbinseln, die durch schmale Landstege miteinander verbunden sind. Der Westen und der Norden Rügens sind relativ flach und erinnern an Niedersachsen und Schleswig-Holstein, Zentral- und Ostrügen sind dagegen hügelig wie Mittelgebirge und sehr waldreich.
- Westrügen: ziemlich flach, ähnelt ein wenig der Landschaft an der Nordseeküste, aber doch nicht ganz so eben; viel Landwirtschaft, kaum Tourismus
- Zentralrügen: Je weiter man nach Osten kommt, desto hügeliger und waldreicher wird Zentralrügen. Beginn bzw. "Hauptteil" der wunderschönen Alleenstraßen, wenig Tourismus außer Tagesausflüglern, viel Landwirtschaft, Wirtschafts- und Verwaltungszentrum Rügens, nördliches Zentralrügen ist wieder flacher, weniger Wald
- Südrügen: bei Garz noch etwas hügelig, zwischen Putbus und Garz viel Wald, Richtung Zudar wie in Nordniedersachsen, wenig Tourismus, viel Landwirtschaft
- Binz und Prorer Wiek: leicht hügelig, sehr waldreich, eines der touristischen Zentren von Rügen, flache Küste
- Südostrügen (Halbinsel Mönchgut): Sellin, Baabe und Göhren liegen in hügeliger Umgebung, weiter südlich wird's flach, viel Wald, viel Tourismus
- Nordostrügen (Halbinsel Jasmund): berühmte Kreideküste, Steilküste!, Mittelgebirgslandschaft, viel Wald und Landwirtschaft, in Ostseenähe viel Tourismus; Stubnitz = Stubbenkammer = Kreideküste
- Nordrügen (Halbinsel Wittow): Wittow wird von den Rüganern zu Recht "Windland" genannt, interessante "Windflüchter", d.h. Bäume, deren Krone fast waagrecht steht. Landschaft ähnlich Nordseeküste, weniger Wald, relativ flach, um Kap Arkona Steilküste, entlang der Tromper Wiek Badestrände
3.2. Strände und Bodden
- Baden in den Bodden ist verboten (Vogelbrutgebiete, Fischzucht, keine Badewasserqualität)
- Badewasserqualität an den Ostseestränden gut, Wasser aber ziemlich kühl (selten über 18°C)
- Alle Badestrände liegen im Ostteil der Insel.
- Kurtaxe mußten wir nie zahlen, jedenfalls nicht, wenn wir nur zum Schwimmen und Sonnen an den Strand gegangen sind.
- schönster Bade- und Liegestrand: unterhalb der Strandpromenade von Binz, auch in Vor- und Nachsaison nicht so windig wie anderswo und relativ viele Sonnenstunden pro Tag, Cafés von Binz sind nur wenige Meter entfernt, in Hauptsaison ziemlich voll
- Prorer Wiek zwischen Binz und Mukran: kilometerweit breiter, feiner Sandstrand, viele Sonnenstunden pro Tag, etwas mehr dem Seewind ausgesetzt als der Strand von Binz, aber für Rügener Verhältnisse noch ziemlich windarm, schön als Liegestrand, nicht so überlaufen, Strand ist durch schmalen Waldstreifen von der Ferienanlage Prora getrennt; Nachteil: weit ab vom Schuß, Ambiente längst nicht so schön wie Binz, einige Cafés in der kilometerlangen, ehemaligen KdF-Anlage vorhanden, aber miefiger DDR-Charme
- Sellin: größtenteils Steilküste, nur kurzer Abschnitt mit flachem Zugang zum Wasser, durch Nord-Süd-Ausrichtung wird es am Selliner Badestrand morgens erst spät warm und nachmittags schon früh wieder kühl
- zwischen Baabe und Göhren: kilometerlanger, feiner Sandstrand, hinter dem Strand Wald und Schrebergärten, beide Orte haben Cafés, Baabe ist allerdings ziemlich öde, Göhren dagegen schön, Strand vermutlich windiger als in Binz oder Prora, aber nicht so windig wie auf Wittow
- rund um den Thiessower Haken: schöne, kilometerlange Sandstrände, nachmittags wird es früher kühl als in Binz, einige FKK-Zonen, hinter dem Strand in der Regel Wald, Cafés
- zwischen Glowe und Juliusruh: kilometerweiter, feiner Sandstrand, nicht so voll wie im Südosten der Insel, aber viel windiger: wenn man in Binz noch angenehm am Strand liegen kann, ist es an der Schaabe durch den Wind oft schon empfindlich kühl, viel Wald in Strandnähe, schöne Cafés, einige FKK-Zonen
- einer der schönsten Strände: Ostseeseite zwischen Vitte und Kloster auf Hiddensee, sehr ruhig und malerisch, zum Teil FKK, keine Cafés in der Nähe (evtl. Proviant mitnehmen)
3.3. Verkehr
Zumindest in der Nebensaison gibt es auf Rügen relativ wenige Staus, da die Insel ziemlich groß ist und sich vieles verläuft. Stockungen gibt es höchstens kurz vor Binz oder dem Kap Arkona.
Auf Rügen sollte man auch tagsüber mit Licht fahren, zumindest auf den Alleen, da sie viel Licht schlucken. Nachts ist auf den Alleen wesentlich dunkler als auf anderen Straßen, da Sträucher die Reflektion der Leitpfosten einschränken und die Baumkronen Mondlicht schlucken. In kleineren Orten ist die Straßenbeleuchtung oft nur spärlich und wird auch relativ früh ausgeschaltet. Eine Taschenlampe ist nachts in kleinen Orten nicht lebensnotwendig, aber sinnvoll.
Das Busnetz ist relativ gut, so daß man vielerorts das Auto abstellen, eine Strecke wandern und mit dem Bus zurückfahren kann. Infos zu Busplänen gibt es in vielen Hotels und in den Tourismusbüros der Insel.
Radwege existieren praktisch nicht, obwohl auf Rügen viel geradelt wird.
Das Tankstellennetz ist sehr dicht; außerdem hat praktisch jeder Autohersteller eine oder mehrere Werkstätten auf Rügen.
3.4. Banken
Filialen der Sparkasse Rügen gibt es in vielen Orten, auf jeden Fall in Sagard, Sassnitz, Bergen, Binz, Sellin und Göhren, vermutlich auch in Putbus, Garz, Gingst und Altenkirchen. Volksbankfilialen sind auch ziemlich zahlreich. Deutsche Bank, Dresdner- und Commerzbank, Citibank, BfG und Hypovereinsbank haben auf jeden Fall Filialen in Binz. Ob sie auch in anderen Orten Filialen haben, wissen wir nicht.
3.5. Fischrestaurants
Nach unserer Ansicht "bestes Fischrestaurant wo gibt":
Restaurant "Gastmahl des Meeres"
Strandpromenade 2
Am Fischereihafen
18546 Sassnitz
Tel.: (03 83 92) 517-0
(03 83 92) 517-34 (Hotel)
Das "Gastmahl des Meeres" besitzt auch ein Hotel. Es ist ziemlich luxuriös; alle Zimmer sind mit allem Komfort ausgestattet und haben direkten Blick auf die ca. 100 m entfernte Ostsee. Entsprechend teuer ist es.
Das Restaurant hat sehr moderate Preise (ca. 12-20,- DM für ein üppiges Hauptgericht). Wir haben etwa zwei Drittel aller Abende dort verbracht und uns durch die Karte geschlemmt. Es hat alles super geschmeckt, egal, ob wir "noblere" Gerichte wie "Zander in der Sauerkraut-Gurkenkruste" oder einen der verschiedenen Heringsteller bestellt haben. Die nur scheinbar so simplen Heringsgerichte sollte man probieren, besonders den Brathering mit Hausmacher Bratkartoffeln sowie den "Heringsteller Käpt'n Brass". Das "Gastmahl des Meeres" serviert auch Gerichte für Nicht-Fischesser.
In der Saison unbedingt reservieren!
Total urig ist "Uns Fischerhus" in Sellin. Auch dort werden Speisen für Nicht-Fischesser angeboten. Mit langen Wartezeiten muß gerechnet werden (die Wartezeit lohnt!), Reservierung ist dringendst anzuraten, da es bei Einheimischen und Touristen total beliebt ist. Dabei ist es spottbillig, selbst für Edelfische (Seezunge, Lachs, Wolfsbarsch, Seeteufel) zahlt man noch unter 20,- DM, und die Portionen sind mehr als üppig.
Adresse:
Uns Fischerhus
Waldstr. 4
18586 Ostseebad Sellin
Tel.: (03 83 03) 9 07 48
Anfahrt: Von Lancken-Granitz kommend, führt die B 196 rechts an Sellin vorbei. Auf der B 196 bleiben, bis ein Hinweisschild nach links Richtung Zentrum führt. Geradeaus bis zum griechischen Restaurant "Olymp" fahren, vor dem "Olymp" links abbiegen. Die nächste Querstraße links ist die Waldstraße.
Außerdem kann man in den Fischerkaten in Vitt in der Nähe des Kap Arkona gut und preiswert Fisch essen.
3.6. Andere Restaurants, Cafés
Restaurants gibt es viele auf Rügen, nicht nur deutsche und Fischküche, sondern international. Wir haben allerdings immer Fisch gegessen. Binz ist grundsätzlich teurer als alle anderen Orte.
Eisdielen gibt es natürlich auch überall.
In vielen Cafés gibt es zur Kaffeezeit feste Kaffeegedecke, bestehend aus einem großen Pott Kaffee, Tee oder Kakao und einem Stück Blechkuchen. Man kann in der Regel zwischen zwei bis drei Sorten Blechkuchen wählen (z. B. Streusel-, Apfel-, Kirsch- oder Käsekuchen). Ein Kaffeegedeck kostete 1999 überall auf der Insel zwischen 5,50 und 6,- DM, selbst in Binz. Daneben gibt es natürlich auch die Möglichkeit, Kuchen und Torte "à la carte" zu essen. Die Preise sind - mit Ausnahme von Binz - niedriger als in den alten Bundesländern. Binz ist etwa so teuer wie Frankfurt am Main, wobei die Etablissements an der Strandpromenade etwas teurer sind als die in Nebenstraßen.
Das "Gastmahl des Meeres" in Sassnitz bietet auch Kaffee und Kuchen an, beides empfehlenswert. Rechts neben dem "Gastmahl des Meeres" befindet sich das Café Korn. Wir haben einmal dort Kaffee getrunken und waren nicht überzeugt. Links neben unserem Lieblingsrestaurant steht das "Gasthaus zur Mole". Laut einigen Reiseführern soll es gut sein. Wir haben oft erlebt, daß das "Gastmahl des Meeres" brechend voll war, "Café Korn" und "Gasthaus zur Mole" jedoch ziemlich leer.
3.7. Radtouren
Radwege sind quasi unbekannt. Es gibt aber viele Radfahrer auf Rügen, was sich landschaftlich ja auch anbietet. Räder kann man vielerorts mieten. Infos gibt es in den meisten Hotels und den Tourismusbüros der Insel.
4. Ostrügen: Nationalpark Jasmund und Kreidefelsen
4.1. Sassnitz
In der Tourismuswerbung immer wieder gern zitiert: Theodor Fontane ließ Baron von Instetten zu seiner Effi Briest sagen: "Nach Rügen reisen heißt nach Sassnitz reisen." Badereisen und Sommerfrischen auf Rügen begannen Anfang des 19. Jahrhunderts in Sassnitz. Heute haben die Ostseebäder im Südosten der Insel Sassnitz längst den Rang abgelaufen, vor allem, weil Sassnitz mit Steilküste und felsigem Strand nicht gerade ideal für Badegäste ist und man einen Badesteg anstelle eines Sandstrandes vorfindet.. Im zweiten Weltkrieg wurde Sassnitz außerdem heftig bombardiert. Trotzdem kann man auch heute noch beeindruckende Zeugnisse der Bäderarchitektur bewundern. Sassnitz schmiegt sich an das steile Südende der Stubbenkammer und hat dadurch einen besonderen Reiz. Im Vergleich zu Binz, Sellin und Göhren wirkt es wie eine ältliche, leicht angestaubte Tante. Angestaubt heißt hier aber nicht schmuddelig! Im Westen und Norden von Sassnitz findet man - wie in den touristisch weniger erschlossenen Gegenden Rügens - noch zahlreiche DDR-Plattenbauten. Klingt möglicherweise nicht so positiv. Dennoch, ich kann mir nicht helfen: Ich mag Sassnitz. Gerade der Kontrast aus DDR-Überresten und fein hergerichteten Stellen macht für mich den Reiz aus, und der Blick vom Hafen aus zur Stubbenkammer nach Norden, zur Prorer Wiek nach Süden und nach Osten aufs offene Meer ist immer wieder ein Genuß.
Sassnitz hat ein sehr interessantes Museum für Unterwasserarchäologie am Südende des Fischereihafens.
Ansonsten gibt es dort angeblich viele gute Fischrestaurants, wobei wir dem "Gastmahl des Meeres" treu ergeben sind. Das Rügen-Hotel im gehobenen DDR-Stil und die "Villa Aegir" sollen ebenfalls sehr gute Küche zu vernünftigen Preisen bieten, und die "Störtebeker Bierkneipe" muß total urig sein.
4.2. Kreideküste
Was soll man dazu sagen? Rügen ohne Kreideküste ist wie Köln ohne Dom.
Möglichkeiten, diese grandiose Landschaft zu genießen:
- für Faule: Auto auf dem Parkplatz bei Hagen abstellen, zu Fuß den kurzen Weg zum Königsstuhl und zur Viktoriasicht laufen
- mit dem Schiff; siehe unter Schiffstouren
- für Fleißige: Auto in Lohme abstellen, zu Fuß den Waldweg an der Steilküste hoch über den Kreideklippen laufen, über Königsstuhl, Viktoria-Sicht, Ernst-Moritz-Arndt-Sicht und Wissower Klinken bis nach Sassnitz laufen. Dauer: ca. 5 Stunden für 15 km. Am besten gegen 10.00 Uhr morgens loslaufen, denn zwischen 11.00 Uhr und 14.00 Uhr ist das Licht auf den Felsen am schönsten. Sehr anstrengend, denn der Waldweg führt über Stock und Stein, steil bergauf und bergab. Abstieg zum Ufer nur an wenigen Stellen möglich; die grob in Waldboden und Felsen gehauenen Stufen zum Ufer sind ziemlich steil und glitschig. Strandwanderungen sind in diesem Bereich sehr mühselig. Wer will, kann in der "Gaststätte Waldhalle" in der Nähe der Wissower Klinken Rast machen. Ansonsten ist man pünktlich zur Kaffeezeit in Sassnitz. Rückfahrt nach Lohme mit dem Bus ab Sassnitz; Abfahrt ist gegenüber der "Stubnitz-Buchhandlung" in der Hauptstraße.
Diese Wanderung ist, wie gesagt, ziemlich anstrengend, aber absolut lohnend!
4.3. Schloß Spyker
Viele Reiseführer empfehlen die Besichtigung von Schloß Spyker. Es liegt zwischen Sagard und Glowe. Schloß Spyker wurde vor kurzem aufwendig renoviert und ist jetzt ein absolutes Luxushotel mit entsprechendem Restaurant. Wer dort nicht wohnen oder essen will, sieht allerdings nichts außer einer schönen Außenfassade. Hinfahren lohnt also nicht.
5. Nordrügen: Wittow und die Schaabe
5.1. Kap Arkona
Die Gegend um das Kap Arkona ist autofreie Zone. Anfahrt: B 96 Richtung Sassnitz bis nach Sagard, dort links abbiegen nach Glowe, weiter über Breege nach Altenkirchen, wo es rechts nach Putgarten geht. Am Ortseingang von Putgarten befindet sich ein großer, bewachter Parkplatz. Weiter geht es nur zu Fuß, mit dem Rad oder dem Pferdewagen. Nach etwa 2 km erreicht man das Kap Arkona mit seinen beiden dicht nebeneinander stehenden Leuchttürmen. Der kleinere von beiden, ein 19 m hoher Backsteinturm, wurde von Karl Friedrich Schinkel erbaut und beherbergt eine Ausstellung zur Geschichte der Seenotrettung. Der Schinkelturm wird heute nicht mehr für die Schiffahrt genutzt. Unter seiner Glaskuppel befindet sich jedoch ein Standesamt. Der Andrang ist groß, wer dort getraut werden möchte, muß sich sehr lange vorher anmelden. Wenn Trauungen stattfinden, kann der Turm nicht besichtigt werden. Die Zeremonie dauert aber in der Regel nicht länger als eine halbe Stunde.
Direkt neben dem Schinkelturm steht der 36 m hohe, heute noch für die Schiffahrt genutzte Leuchtturm. Wer ihn besteigt, hat von oben einen wunderbaren Rundblick über Nordrügen; bei gutem Wetter kann man im Norden sogar die dänische Insel Møn sehen.
Folgt man dann dem Trampelpfad nach rechts, gelangt man bald zu den Überresten der Grundmauern der Jaromarsburg. Sie wurde von den Ranen erbaut, einem nordwestslawischen Volksstamm, der Rügen ab 800 n. Chr. besiedelte. Die heidnischen Ranen huldigten dem Gott Svantevit. Svantevit-Heiligtümer findet man vor allem auf Nordrügen sehr häufig.
In der Nähe der Jaromarsburg befindet sich ein meteorologischer Turm. Er wird noch für die Wetterbeobachtung genutzt, dient jedoch gleichzeitig als Raum für kleine Kunstausstellungen genutzt. Gleich hinter diesem Turm führt der Trampelpfad über die Klippen zum Fischerdorf Vitt.
5.2. Fischerdorf Vitt
Das Fischerdorf Vitt (gesprochen: Witt) wurde vor wenigen Jahren von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Vitt besteht aus vierzehn reetgedeckten Fischerkaten und liegt eng gedrängt in einem kleinen Einschnitt der Steilküste südlich des Kap Arkona. Ein Museum oder etwas Ähnliches gibt es nicht, das Dorf selbst ist das Ausstellungsstück. In fast jeder Kate in Ufernähe kann man sehr gut Fisch essen. Kuchen gibt es auch. Hoch über dem Dorf thront die kreisrunde Kirche.
Vitt ist wie das Kap Arkona autofrei. Man kann von Putgarten aus nach Vitt laufen, sich im Pferdewagen kutschieren lassen oder vom Kap Arkona aus dorthin gelangen - entweder oben auf den Klippen der Steilküste oder unten direkt am Ufer entlang. Wetterfeste Kleidung und gutes Schuhwerk sollte man mitnehmen, übermäßig gefährlich ist der Weg vom Kap Arkona aus aber nicht.
5.3. Zwischen Glowe und Juliusruh
Die Schaabe ist ein schmaler, gebogener Landstreifen, der die Halbinseln Jasmund und Wittow miteinander verbindet. Glowe liegt am Südende, Juliusruh am Nordende der Schaabe. Die Schaabe ist total flach und sehr waldreich. Glowe und Juliusruh sind relativ klein. Vor allem in Juliusruh gibt es sehr viel Bäderarchitektur. Im Gegensatz zu Binz hat man den Eindruck, hier hätten sich vor hundert Jahren "zurückgezogene Reiche" niedergelassen, die Ruhe statt Trubel suchen. Juliusruh ist keineswegs öde; es gibt einige Freizeitveranstaltungen für Einheimische und Touristen und auch hier nette bis luxuriöse Hotels und Restaurants. Die Gegend ist etwas für Leute, die ruhige, gepflegte und (leicht) gehobene Erholung suchen. Der Ostseestrand der Schaabe ist wunderschön, kilometerlang feiner Sand, und nicht so voll wie im Süden Rügens. Allerdings kann es dort bei Wind schnell empfindlich kühl werden, Sand weht dann den Badegästen entgegen, so daß Sonnen und Schwimmen nicht mehr angenehm sind. Bei Windstille und sehr warmem Wetter jedoch in der Mittagszeit zu empfehlen.
5.4. Altenkirchen, Wiek und Dranske
Die drei Städtchen sind recht hübsch, aber keine absoluten Höhepunkte Rügens. Wer viel Zeit hat und mehr von Wittow sehen viel, macht bestimmt keinen Fehler, wenn er sich diese Orte einmal ansieht. Wie gesagt: Es sind keine absoluten Anziehungspunkte, aber ich finde diese drei Städtchen schöner als die in vielen Reiseführern empfohlenen Besichtigungsstationen Putbus, Lauterbach, Schloß Spyker und Baabe. Wiek hat eine schöne Kirche, außerdem hat man vom Hafen aus einen schönen Blick auf den Bug, eine Halbinsel im Südwesten von Wittow. Der Bug darf nicht betreten werden, da er Vogelschutzgebiet ist.
6. Binz und Prorer Wiek
6.1. Prora
Prora liegt zwischen Neu-Mukran und Binz an der Prorer Wiek. Das Dorf an sich ist nicht sehenswert. Interessant ist der kilometerlange Baukomplex im Norden des heutigen Prora. Die nationalsozialistische Organisation KdF (Kraft durch Freude) wollte hier eine insgesamt 6 km lange Ferienanlage für Tausende Feriengäste bauen, auch "Hitlers Bad der Zwanzigtausend" genannt. Insgesamt acht je 500m lange und nur 7 m breite Gebäude wurden fertiggestellt und reihen sich nahtlos aneinander. Der Nordteil der geplanten Anlage wurde nie gebaut, denn der zweite Weltkrieg stoppte die Bautätigkeit. Nach dem Krieg versuchten die Russen, den halbfertigen Mittelteil des Komplexes abzureißen oder zu sprengen. Das Bauwerk ließ sich aber nicht zerstören, und die Ruinen existieren immer noch. Die Gegend um den schon vor dem Krieg vollendeten, 4 km langen Südteil wurde von der DDR zunächst zum militärischen Sperrgebiet erklärt und als NVA-Kaserne genutzt. In späterer DDR-Zeit wurde ein Teil des Komplexes zur "Ferienanlage Walter Ulbricht" umgebaut, der andere Teil blieb Kaserne.
Heute scheint man noch nicht recht zu wissen, was aus der ehemaligen KdF-Anlge letztendlich werden soll. Momentan werden einzelne Abschnitte als Jugendherberge oder Pension genutzt, im untersten Stockwerk dieser Gebäudeteile befinden sich einige Cafés und Restaurants, die noch original aus DDR-Zeiten stammen könnten. Die übrigen Gebäudeteile beherbergen ein NVA-Museum, ein Meeresmuseum, ein Eisenbahn- und Technikmuseum und die Galerie Prora mit einer Dokumentation zur Geschichte des KdF-Seebades und wechselnden Ausstellungen zeitgenössischer Künstler. Nicht zu vergessen ist die Diskothek "Miami" am Nordende des Komplexes, gleich neben der Ruine der ehemaligen KdF-Sporthalle. Die Diskothek scheint weithin sehr beliebt zu sein, denn am Wochenende parken dort nicht nur Autos mit Rügener Kennzeichen, sondern auch sehr viele aus Stralsund, Greifswald und sogar Rostock und Schwerin. Im "Miami" werden auch Misswahlen abgehalten, ab und zu gibt es zudem Live-Musik.
Das KdF-Bad ist durch einen schmalen, parkartigen Waldstreifen von einem der schönsten Strände Rügens getrennt. Die Anlage selbst atmet den Mief aus NS- und DDR-Zeit aus: triste, eintönige Gebäude mit abbröckelndem gelbbraunen Putz, Etablissements mit DDR-Ambiente und Gehwege mit brüchigen Betonplatten. Nein, schön ist Prora wirklich nicht. Dennoch lohnt ein Besuch, wenn die absoluten Highlights der Insel, wie die Kreideküste, Binz, das Kap Arkona und Hiddensee schon abgeklappert wurden und noch etwas Zeit zur Verfügung steht.
Auf den noch intakten Teil der Anlage wird auf der Straße von Sassnitz nach Binz hingewiesen, das Schild ist aber ziemlich klein. Die nördlich davon gelegene, sprengungsresistente Ruine muß man schon ein wenig suchen. Die Rüganer möchten sie wohl nicht so gerne zeigen.
6.2. Ostseebad Binz
Ein absolutes Muß für jeden, der nach Rügen kommt. Binz war schon zu Kaisers Zeiten ein mondänes Seebad und ist auf dem besten Weg, es wieder zu werden. Allerdings ist es noch nicht so teuer wie Sylt, obwohl Wohneigentum dort extrem teuer ist. Binz ist mit Abstand der teuerste Ort auf Rügen, für Tagestouristen jedoch erschwinglich. Wohnen sollte man aber besser anderswo. Die Bäderarchitektur in Binz ist beeindruckend, die Landschaft schön und abwechslungsreich. Im Süden beginnt die Granitz, im Osten lockt einer der schönsten Strände, im Westen der Schmachter See und im Norden die Ausläufer der Prorer Wiek. Binz ist schick, quirlig, umtriebig und dennoch gemütlich. Es gibt teure und edle Hotels und Restaurants ebenso wie solche mit eher familiärer oder rustikaler Atmosphäre, Strand- und Nachtleben, den IFA-Ferienpark (besonders für Familien mit Kindern), Luxusläden (Jil Sander, Armani & Co.) neben typischen Touristenfallen, andererseits aber auch schöne Einkaufpassagen mit Kunstgewerbeläden und Boutiquen mit gehobenem, aber nicht unerschwinglichem Preisniveau.
7. Südostrügen: Halbinsel Mönchgut
7.1. Sellin
Das Ostseebad Sellin gehört zu Rügens Highlights. Wie in Binz, Baabe und Göhren beeindruckt die Bäderarchitektur. Im Gegensatz zum flachen Binz liegt Sellin auf einem Steilhang, der einen schönen Blick über die Ostsee ermöglicht. Sellin ist ruhiger als das quirlige und umtriebige Binz, aber eben nicht tot wie Baabe. Berühmt ist Sellin natürlich für seine Seebrücke. Auf der Seebrücke gibt es drei schöne Restaurants, die etwas teurer sind als auf Rügen üblich, aber erschwinglich. Schön: Im Herbst in einem dieser Restaurants einen leicht diesigen Sonnenuntergang anschauen.
Rügen-Reiseführer empfehlen oft das Cliff-Hotel in Sellin. Es ist ein renovierter, pompöser DDR-Monumentalbau auf dem höchsten Felsen von Sellin. Soll total luxuriös sein, mit Möglichkeit, edel zu kuren, ein Wellness-Beauty-Programm mitzumachen oder zu schlemmen. Von außen finden wir es scheußlich.
Sellin hat nur ein kurzes Stück Sandstrand, das durch die Nord-Süd-Ausrichtung nur für wenige Stunden Temperaturen und Windstärken bietet, die sich zum Sonnenbaden eignen.
Super: Das Restaurant "Uns Fischerhus".
7.2. Baabe
Viele Reiseführer beschreiben Baabe als "das stillste und beschaulichste der Ostseebäder". Wir fanden es einfach nur öde. Der Strand ist ganz hübsch, ansonsten gibt es nichts, was man sehen müßte.
7.3. Göhren
Wer mehr als ein paar Tage Zeit hat, sollte sich das Ostseebad Göhren ruhig einmal anschauen. Auch dort ist die Bäderarchitektur beeindruckend.- Göhren ist wie Sellin ziemlich hügelig und liegt in reizvoller Umgebung am Übergang zwischen Granitz und Mönchgut. Es hat im Norden einen flachen langen Sandstrand, an dem entlang man bis nach Baabe laufen kann. Im Süden befindet sich eine Steilküste. Göhren ist nicht so schick wie Binz und nicht so gepflegt-ruhig wie Sellin, sondern liegt von der Atmosphäre her angenehm dazwischen. Auch hier gibt es viele Hotels und Restaurants, die wir jedoch mit Ausnahme des schönen Strandcafés nicht ausprobiert haben. Hinzu kommen - neben den üblichen Touristenläden - auch ein paar wirklich schöne Kunstgewerbeläden. Man muß ja nichts kaufen, gucken macht auch Spaß.
Göhren beherbergt ebenfalls Teile der Mönchguter Museen, nämlich das Lotsenhaus und den Museumshof. Der Besuch lohnt sich.
7.4. Jagdschloß Granitz
Das Jagdschloß Granitz stammt, wie so vieles im südlichen Rügen, vom Fürsten Wilhelm Malte zu Putbus. Er ließ es als repräsentatives Gästehaus für seine Jagdgäste errichten. Die Möbel im Schloß sind derartig kitschig-jagdlich, daß man sie einfach gesehen haben muß. Am bemerkenswertesten ist jedoch der runde Turm, den Karl Friedrich Schinkel im Innenhof des Schlosses baute. Der Turm hat eine wunderschöne, aber ziemlich schmale gußeiserne Wendeltreppe. Diese Treppe ist für Leute mit Höhenangst eigentlich völlig ungeeignet, doch ich mußte trotzdem auf den Turm. Bei guter Sicht hat man von oben einen tollen Blick über die Granitz. Ansehen!
Wie kommt man hin? Von Sassnitz über Prora nach Binz, dort immer auf der Hauptstraße bleiben; in der Nähe des Ortsausgangs ist das Jagdschloß ausgeschildert.
Außerdem hält der "Rasende Roland" am Fuß des Schlosses.
7.5. Rasender Roland
Der "Rasende Roland" ist eine Schmalspurbahn mit Dampflok. Der Zug fährt von Putbus über Binz, das Jagdschloß Granitz, Sellin und Baabe nach Göhren und zurück. Leider haben wir immer versäumt, einmal mitzufahren, da er in der Nebensaison nur alle zwei Stunden in jede Richtung fährt. Ich stelle es mir aber schön vor, gemütlich mit der Dampflok durch die Granitz zu tuckern. Man kann übrigens auch Teilstrecken fahren, muß also nicht von Putbus bis nach Göhren durchhalten.
7.6. Middelhagen
Middelhagen ist ein putziges, sehr kleines Dorf auf der Halbinsel Mönchgut. An sich ist dort nicht viel los, wenn es nicht das Schulmuseum gäbe. Es gehört zu den "Mönchguter Museen", die über die ganze Halbinsel verteilt sind. Das heutige Museum war früher wirklich Schule und beherbergte sowohl den Klassenraum als auch die Lehrerwohnung. Alles ist liebevoll erhalten, und die Besucher können an einer originalgetreuen Schulstunde wie vor hundert Jahren teilnehmen. Sollte man machen.
Anfahrt: B 196 von Bergen in Richtung Göhren, kurz vor Göhren rechts abbiegen nach Middelhagen.
7.7. Groß Zicker
Groß Zicker scheint am Ende der Welt zu liegen, aber an einem schönen Ende. Das Dorf besteht aus einer langen Reihe von Häusern, die beiderseits eines besseren Feldweges aufgereiht stehen. Ansehen kann man dort das sogenannte "Pfarrwitwenhaus". Es gehört auch zu den Mönchguter Museen und diente früher als Wohnsitz für die Witwe des jeweiligen Mönchguter Pfarrers.
Anfahrt: Von Middelhagen Richtung Thiessow fahren. Ein paar Kilometer nach Lobbe geht rechts ein geteerter Feldweg nach Groß Zicker und Gager ab. Dieser Feldweg teilt sich später; links geht's nach Groß Zicker.
7.8. Thiessow
Thiessow befindet sich an der Südspitze der Halbinsel Mönchgut. Auf den ersten Blick und für Tagestouristen scheint es ziemlich langweilig. Im Sommer soll es dort jedoch einige sehr stimmungsvolle Feste für Einheimische und Touristen geben. Ich habe den Eindruck, daß viele der Thiessower Gäste seit Jahren immer wieder dorthin fahren und schon eine Art "einheimische Touristen" sind. Zwischen Lobbe und Thiessow liegen u.a. mehrere Campingplätze und FKK-Strände.- Die Halbinsel Mönchgut macht bei Thiessow einen hakenförmigen Bogen nach Nordwesten. Die Gegend ist folgerichtig auf ganz Rügen als "Thiessower Haken" bekannt. Der Strand um den Thiessower Haken ist feinsandig, weitläufig und liegt hinter einem schmalen Waldstreifen. Schwimmen und Sonnen ist dort bestimmt schön, bei Wind könnte es jedoch schnell kühl werden.
8. Zentral- und Westrügen
8.1. Bergen
Die Inselhauptstadt Bergen scheint von vielen Touristen links liegengelassen zu werden - zu Unrecht, wie wir meinen. Bergen hat eine hübsche, schon zu großen Teilen renovierte Altstadt mit schönen Geschäften. Das Café am Markt können wir guten Gewissens weiterempfehlen. Die Marienkirche in der Nähe des Marktes sollte man sich auf jeden Fall ansehen, wenn man in Bergen ist. Ich habe selten eine Kirche gesehen, die eine derart heiter-beschwingte Atmosphäre ausstrahlt.
Außerdem gibt es noch den Ernst-Moritz-Arndt-Turm zu besichtigen. Bei schönem Wetter und klarer Sicht hat man einen herrlichen Rundblick über große Teile Rügens und kann im günstigsten Fall sogar bis nach Greifswald gucken.
8.2. Ralswiek
Ralswiek liegt am Großen Jasmunder Bodden; man erreicht es über die B 96 (Bergen - Sassnitz), wenn man kurz vor dem Bodden links abbiegt. Das malerische Dorf besteht aus lauter reetgedeckten Häusern und hat eine Freilichtbühne, auf der jedes Jahr im Sommer die Störtebeker-Festspiele aufgeführt werden. Auf dem Berg über dem Freilichttheater befindet sich das malerische Schloß Ralswiek in einem wunderschönen Park. Der Park ist frei zugänglich, das Schloß dient allerdings als Alten- und Pflegeheim und kann nicht besichtigt werden.
8.3. Gingst
Gingst gehört sicher nicht zu den touristischen Hauptattraktionen Rügens, ist aber ein ganz nettes Städtchen. Sehenswert ist auf jeden Fall das Handwerksmuseum. In zwei Häusern sind Wohn- und Arbeitsräume verschiedener Handwerkszünfte ausgestellt. Viele Handwerker und ihre Familien haben früher gemeinsam und auf engstem Raum in diesen zwei Häusern gelebt. Alles ist sehr liebevoll restauriert, und wenn gerade nicht viele Besucher da sind, erzählt die Museumswärterin gern Schwänke und Geschichten in norddeutscher Mundart.
8.4. Trent und Schaprode
Diese beiden Orte haben nicht viel zu bieten, man muß sie nicht gesehen haben. Schaprode hat die besten und häufigsten Fährverbindungen nach Hiddensee. Mehr gibt es über diesen Ort nicht zu sagen.
8.5. Ummanz
Ummanz liegt vor Westrügen und ist über eine Stahlbrücke mit Rügen verbunden. Wir wollten unbedingt wissen, wie es dort aussieht, und sind hingefahren. Man erreicht Ummanz über Gingst und Varbelvitz. Fazit: Es lohnt sich nicht. Die Insel ist total flach, eine einzige Straße (oder besser: ein mangelhaft geteerter Feldweg) führt im Kreis durch die drei kleinen Orte, man sieht Äcker, Kühe, Bäume, das war's.
8.6. Güttin
In Güttin befindet sich ein Flugplatz. Man kann von Stralsund aus nach Rügen fliegen oder in Güttin verschiedene Rundflüge über Rügen buchen.
9. Südrügen
9.1. Putbus
Alle uns bekannten Reiseführer über Rügen empfehlen einen Besuch von Putbus. Wir sehen das anders. Fürst Wilhelm Malte zu Putbus ließ dort den "Circus runde" anlegen, einen kreisrunden, tortenförmigen Platz. Um den Platz herum stehen einige klassizistische Gebäude, die man aber nicht besichtigen kann. Na ja. Der Schloßpark ist ganz schön, es lohnt aber nicht, nur deshalb hinzufahren. Früher muß es ein Schloß und eine Orangerie gegeben haben, beides ist aber vor längerer Zeit abgebrannt. Ansonsten gibt es noch ein Theater (im Sommer viele Aufführungen) und ganz viel tote Hose.
9.2. Lauterbach
Lauterbach liegt ca. 4 km östlich von Putbus. Fürst Wilhelm Malte ließ dort ein Badehaus für seine reichen Gäste bauen, damit sie sich abseits vom gemeinen Volk vergnügen konnten. Heute ist das "Badehaus in der Goor" längst geschlossen und verfällt. Warum es so viele Reiseführer empfehlen, ist uns ein Rätsel.
9.3. Garz
Garz zählt nicht unbedingt zu den Höhepunkten Rügens, doch die Krimlindenallee von Putbus nach Garz zählt zu Recht zu den schönsten unter den vielen schönen rügischen Alleen.
In Garz wurde Ernst Moritz Arndt (1769-1860) geboren, ein Verfechter der Abschaffung der Leibeigenschaft und der Gründung eines deutschen Nationalstaates und enger Vertrauter des Freiherrn vom Stein. In Garz ist ihm ein Museum gewidmet. Für Geschichtsinteressierte interessant. Garz selbst ist nicht häßlich, wer es nicht sieht, hat aber auch nicht viel versäumt.
9.4. Zudar
Die Halbinsel Zudar im Südwesten Rügens ist ebenso tot wie die Insel Ummanz. Auch hier führt ein einspuriger, schlecht geteerter Feldweg um die Halbinsel herum. Zudar ist flach, hat wenig Bäume, viele Äcker und ein paar einsame Häuser. Muß man nicht gesehen haben.
10. Schiffstouren
10.1. Kreidefelsen und Kap Arkona
Bei schönem Wetter gibt es zahlreiche Schiffstouren von Binz bzw. Sassnitz an der Kreideküste entlang bis zum Kap Arkona. Meist werden die ersten Touristen in Binz an Bord genommen, dann geht es in ca. 45 Minuten nach Sassnitz, um weitere Passagiere aufzunehmen, und schließlich an der Stubbenkammer entlang bis zum Kap Arkona. Die Ausflugsschiffe haben meist ein offenes Promenaden- und darunter ein überdachtes Deck. Wer während der Tour gute Sicht haben will, sollte schon in Binz an Bord gehen, weil die guten Plätze auf dem Promenadendeck meist schon dort voll besetzt werden und die Sassnitzer sich mit dem überdachten Deck begnügen müssen.
Die Schiffe fahren in einigen hundert Metern Abstand zur Küste, da die Ostsee in diesem Bereich sehr flach ist. Eine Schiffahrt entlang der Stubnitz lohnt deshalb nur bei wirklich klarem Wetter. In Vor- und Nachsaison fallen die Touren wegen schlechter Sicht auch manchmal aus. Selbst in der Hochsaison würde ich eine solche Tour nicht morgens oder abends machen. An Land kann zu diesen Zeiten völlig klare Sicht herrschen, auf See ist es dann jedoch noch oder schon wieder ziemlich diesig, so daß man die Kreidefelsen nicht so gut sieht. Also: Mittags aufs Schiff. Winddichte Kleidung und einen warmen Pullover sollte man dennoch dabei haben. Ein Fernglas ist kein Muß, wäre aber auch nicht schlecht.
Die Lichtverhältnisse sind logischerweise von der Tageszeit abhängig. Gerade in den Morgen- und Abendstunden entfaltet die Kreideküste einen ganz besonderen Reiz. Diesen Reiz sollte man besser an Land bei einer Wanderung durch die Stubnitz erleben, weil dann das diesige Licht auf See nicht stört.
Informationen über die Schiffstouren gibt es an der Seebrücke in Binz (gegenüber dem Kurhaus), am Fischereihafen in Sassnitz, im "Rüganer", in den Tourismusbüros und in vielen Hotels.
10.2. Hiddensee
Die Insel Hiddensee ist ein Kleinod. Jeder Rügen-Tourist, der sich Hiddensee entgehen läßt, macht einen großen Fehler.
Auf Hiddensee sind Kraftfahrzeuge verboten. Lediglich der LKW der Rügener Müllabfuhr setzt einmal pro Woche mit der Fähre über. Ansonsten bewegt man sich auf Hiddensee zu Fuß, mit dem Fahrrad oder einem der zahlreichen Pferdewagen.
"Dat söte Länneken" (die freundliche Schöpfung) hat eine Nord-Süd-Ausdehnung von 17 km, die Ost-West-Ausdehnung liegt zwischen 3750m (im Dornbusch, Nordspitze) und 240 m (auf dem Gellen, Südspitze). Auf Hiddensee gibt es die drei Orte Neuendorf-Plogshagen, Vitte (sprich: Fitte) und Kloster mit dem Ortsteil Grieben. Alle drei Orte sind sehr klein.
Baden ist nur auf der Ostseeseite der Insel erlaubt. Die dem Bodden zugewandte Seite ist Naturschutzgebiet, der Uferbereich darf nicht betreten werden. Hier brüten sehr viele Vogelarten; außerdem gibt es seltene Pflanzen. Es gibt auch auf der dem Bodden zugewandten Seite der Insel geteerte Feldwege, so daß man auch die Ostküste Hiddensees sehen kann. Man sollte diesen Weg aber nicht verlassen, um Vögel und Pflanzen nicht zu gefährden. Hiddensee ist sehr flach; lediglich nördlich von Kloster und Grieben gibt es ein paar Erhebungen und Hügeleinchen.
Der mittlere Ort Vitte ist das Verwaltungszentrum. Schön anzusehen sind die liebevoll restaurierten, typisch norddeutschen Bauern- und Fischerhäuser. Besonders erwähnenswert sind in diesem Zusammenhang die "Blaue Scheune", ein Künstleratelier mit wechselnden Ausstellungen, sowie die Häuser von Asta Nielsen und Henny Porten. Die beiden letztgenannten Gebäude können nicht besichtigt werden.
Von Vitte aus führen zwei geteerte Feldwege ins 2 km nördlich gelegene Kloster; einer am Bodden, der andere an der Ostsee entlang. An vielen Stellen ist die Insel hier so schmal, daß man auf die jeweils andere Seite sehen kann. Landschaftlich ist die Strecke sehr reizvoll, und der Strand auf der Ostseeseite zwischen Vitte und Kloster gehört zu den schönsten, die wir gesehen haben.
Kloster (im Norden) ist der größte der Orte auf Hiddensee und kulturelles Zentrum. Der Ort selbst ist sehr hübsch, mit vielen typisch norddeutschen Häusern zwischen großen Baumgrundstücken. Außerdem sollte man sich das Heimatmuseum, die Villa Seedorn (Sommerresidenz von Gerhart Hauptmann) und die Inselkirche nebst dem zugehörigen Friedhof ansehen. Wenn man durch ganz Kloster Richtung Nordwesten geht, erreicht man bald den Ortsteil Grieben. Von dort sieht man schon den Leuchtturm auf dem Dornbusch, eines der beliebtesten Fotomotive der Insel. Von Kloster bis zum Dornbusch sind es ca. 4 km.
Wer Zeit und Lust hat, kann sich auch noch in den kleinsten Ort Neuendorf-Plogshagen im Süden begeben. Wir waren aus Zeitmangel nicht dort. Der 6 km lange Weg führt durch eine Dünenheide. In Neuendorf endet der befestigte Weg, das südlich angrenzende Plogshagen hat überhaupt keine Wege mehr. Neuendorf-Plogshagen ist übrigens komplett denkmalgeschützt wegen seiner Fischerhäuser, die alle nach der Sonne ausgerichtet sind. Südlich von Plogshagen beginnt der Gellen, ein Naturschutzgebiet, das nicht betreten werden darf.
In Vitte und Kloster gibt es zahlreiche gute bis sehr gute Fischrestaurants; Fleischgerichte, Kaffee und Kuchen werden ebenfalls angeboten. In Neuendorf-Plogshagen gibt es angeblich keinerlei Bewirtung.
Wie kommt man nach Hiddensee? Nur mit der Fähre. Fähren fahren von Schaprode, Stralsund, Wiek, Lietzow und Breege. Nach unserer Erfahrung sollte man von Schaprode aus fahren, da es die häufigsten und besten Fährverbindungen bietet. Die Fähren halten abwechselnd entweder in Neuendorf oder in Vitte oder in Kloster, nie in mehreren Hiddenseer Orten nacheinander. Der Bodden zwischen Rügen und Hiddensee ist extrem flach, es sind immer nur sehr schmale Bereiche zwischen den beiden Inseln schiffbar. Wer z.B. von Kloster nach Vitte fahren wollte, müßte auf der Wasserstraße fast bis nach Schaprode fahren. Mit einem Rückfahrticket kann man sich aussuchen, in welcher Stadt Hiddensees man ankommen und von wo man zurückfahren möchte. Wichtig: Rechtzeitig prüfen, von welchem Hiddenseer Ort die Fähre wann nach Schaprode ablegt.
In Kloster und Vitte gibt es einige Fahrradverleihstationen, Fahrräder können aber auch auf der Fähre mitgenommen werden. Übrigens: Gleich am Ortseingang von Schaprode befindet sich ein großer, bewachter Parkplatz für Hiddensee-Fahrer. Parken kostet ein paar Mark. Am Kassenhäuschen des Parkplatzes steht eine kleine Bimmelbahn, mit der man zum Hafen kommt. Diese Bimmelbahn war der einzige Fall von Nepp, den wir auf Rügen erlebt haben: ca. 5,- DM für eine Fahrt von vielleicht 500m. Wie nah der Hafen ist, kann man aber vom Parkplatz aus nicht sehen.
10.3. Ostseebäder
Es werden zahlreiche Schiffstouren entlang der Ostseebäder angeboten. Man kann in allen Orten zu- oder aussteigen. Die Touren gehen von Göhren über Baabe und Sellin bis nach Binz und teilweise bis Sassnitz. Informationen gibt es an den Seebrücken der jeweiligen Städte und am Fischereihafen in Sassnitz.
11. Zusammenfassung Sehenswürdigkeiten
11.1. Auf jeden Fall ansehen
- Nationalpark Jasmund mit Kreideküste
- Kap Arkona und Fischerdorf Vitt
- Ostseebad Binz
- Jagdschloß Granitz
- Seebrücke Sellin
- Insel Hiddensee
- Alleenstraße zwischen Bergen, Putbus, Binz und der Granitz
11.2. Ansehen, wenn Zeit und Lust es erlauben
- Schaabe und Breege / Juliusruh
- Sassnitz und Museum für Unterwasserarchäologie
- Prora und "Hitlers Bad der Zwanzigtausend"
- Ostseebad Göhren mit Mönchguter Heimatmuseum
- Halbinsel Mönchgut mit dem Schulmuseum in Middelhagen und dem Pfarrwitwenhaus in Groß Zicker
- Kleinbahn "Rasender Roland"
- Handwerksmuseum in Gingst
- Ralswiek
- Ernst-Moritz-Arndt-Haus in Garz
- Bergen, vor allem die Marienkirche, evtl. auch Ernst-Moritz-Arndt-Turm
11.3. Muß man nicht gesehen haben
- Schloß Spyker
- Putbus und das Badehaus in der Goor in Lauterbach
- Halbinsel Zudar (Südwestrügen)
- Ostseebad Baabe
- Insel Ummanz
- Cliff-Hotel in Sellin
(c) Kerstin Lischka 2001