
Villa La Collina: Adenauers Kanzleramt am Comer SeeVon Sven Sevens
Como. "13.30 Uhr: Frühstück für Bundesminister Dr. Krone und Bundestagsabgeordneten Rasner, gegeben von dem Bundeskanzler. 15.30 Uhr: Ende des Frühstücks." So lautet ein Eintrag vom 6. April 1963 im Terminkalender des ersten deutschen Bundeskanzlers Konrad Adenauer. An jenem Tag machte der Bundeskanzler, wie insgesamt zwölfmal während seiner von 1949 bis zum 15. Oktober 1963 dauernden Amtszeit Urlaub in der Villa "La Collina" am Comer See.

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 Adenauers Boccia-Bahn am Comer See.
Foto: Sven Sevens
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Heute ist die Villa im Eigentum der Konrad-Adenauer-Stiftung. In ihr und einer hinzugebauten Tagungsstätte finden Konferenzen und Klausuren statt. Nach Voranmeldung sind aber auch Besichtigungen möglich, Rundgänge auf den Spuren des "Alten", wie Adenauer zu seiner Zeit respektvoll genannt wurde. Azaleen, Rhododendren, Camelien, Kiefern, Kastanien stehen in dem großen Park, dessen schmale Kieswege die "Collina", den "Hügel", hinauf zur Villa führen. Vor dem Gebäude selber kann ein imposanter Affenschwanzbaum bewundert werden. In der Eingangshalle schaut eine Büste, die den "Alten" zeigt, zur Pforte. Daneben führt die Treppe hinauf in die Gästezimmer. Gemütlich machen kann es sich der Besucher hier im Kaminzimmer in dem abgewetzte Eichensessel und ein alter Flügel stehen. Bilder hängen hier, die Adenauer zeigen, wie er italienischen Kindern die Hände schüttelt.
Dass hier Tagungen zur politischen Bildung stattfinden, sieht man an der Bibliothek, in der viele Bücher zur CDU-Geschichte, natürlich Adenauers "Erinnerungen" aber auch Titel wie "Wer regiert Nicaragua?" stehen. Im Büro hängt ein großes gerahmtes Bild, versehen mit Widmungen von Alt-Kanzler Helmut Kohl und dessen Finanzminister Theo Waigel. Im "Bundesratskeller", einer Art Pergola, hängen die Bilder der amtierenden deutschen Ministerpräsidenten. Gestresste Tagungsteilnehmer können sich hier bei einem Bier oder Wein ausruhen. Entspannung verspricht auch der nierenförmige Pool, in dem man mit Blick auf den Comer See und die gegenüberliegende Villa der Rockefeller-Stiftung planschen kann.

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 Die Villa La Collina.
Foto: Sven Sevens
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Konrad Adenauer jedenfalls hat seine Besuche in Cadenabbia, zu diesem Ort gehört die "Villa Hügel", stets genossen. Gerne setzte er hier sein legendäres Pepita-Hütchen auf und spielte auf der hauseigenen Anlage eine Partie Boccia. Hier konnte der weit über 80 Jahre alte Bundeskanzler auch bei Spaziergängen neue Kraft und frische Luft tanken. Eine "Passeggiata Adenauer", "Spaziergang Adenauers", genannte Straße in Cadenabbia erinnert an seine Wanderungen. Aber keineswegs nur zur Entspannung und Selbstreflexion besuchte Adenauer den Comer See.
Von hier aus gestaltete der Alte auch Deutsche Politik. In der Villa "La Collina" empfing er Bosch-Geschäftsführer Dr. Hans L Merkle, die Minister Richard Stücklen, Heinrich von Brentano, Theodor Blank, Franz Josef Strauß, die italienischen Ministerpräsidenten Amintore Fanfani und Antonio Segni, den Erzbischof von Mailand, seinen Staatssekretär Hans Globke, Mc George Bundy, den Sicherheitsberater Kennedys, die beiden späteren Bundespräsidenten Carl Carstens und Walter Scheel, die beiden späteren Bundeskanzler Ludwig Erhard und Willy Brandt und viele andere. So wurde die Villa zu einer Art "Ersatzkanzleramt" - regiert wurde per Telefon und Telex.
Die wohl bekannteste Entscheidung, die Adenauer hier in der Ruhe hoch über dem Comer See traf ist das Zurückziehen seiner Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten im Frühjahr 1959. Von hier aus bedankte er sich beim US-Präsidenten John F. Kennedy, nachdem dieser Drohungen des Sowjet-Führers Nikita Chruschtschow bezüglich West-Berlins pariert hatte.
Hier hatte der 87jährige Adenauer aber auch die Muße, den Maler Graham Sutherland zu empfangen und bei zehn Sitzungen still zu halten, bis der Künstler alle Skizzen für sein berühmtes Adenauer-Porträt fertig hatte. Der 90jährige Konrad Adenauer traf hier den deutschen Historiker Golo Mann, der dem alternden Patriarchen ein trauriges Statement entlockte: "Gärtner, das ist ein schöner Beruf. Die Bäume und Blumen danken es einem doch wenigstens, was man für sie tut." - "Worin wohl lag, dass gewisse andere Lebewesen weniger dankbar seien", fügt Golo Mann seiner Erinnerung an das Treffen hinzu.
Quelle: pairola-media