
Sankt Gallen - aufgestiegene StadtWer durch die Altstadt von Sankt Gallen schlendert, dürfte sich über die unbekümmert schiefen Riegel und Fenster der Fachwerkhäuser wundern, die Wände mit mutiger Schräglage.

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 Altstadtansicht in Sankt Gallen.
Foto: Swiss-Image
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Daran ist nicht eine besomders legere Bauweise Schuld, sondern der sumpfige Untergrund, der besonders die Gebäude der Kugelgasse, Manighalde oder Schwertgasse etwas von der Senkrechten abgebracht hat. Weil der nasse Boden oft auch den Bau von Kellern verhindert hat, stiegen etlich Häuser um eine Etage auf: Das Erdgeschoss wurde als Vorrats- und Lagerraum genutzt, und Wohnräume, Lokale und Geschäfte wanderten einen Stock nach oben.
Dem Charme der Altstadt mit ihren teilweise bunt bemalten Bürgerhäusern aus dem sechzehnten bis achtzehnten Jahrhundert ist diese Eigenheit allerdings nur noch zuträglich und passt irgendwie gut zu der Tatsache, dass die zahlreichen schmucken Erker im autofreien Zentrum mit eignem Namen angeredet werden können. So heißt der Vorbau in Kugelgasse Nummer acht "Kugel", der Erker ders Hauses Zollibolli "Scheggen", und in der Spisergasse sind Kamel- und Bären-Erker zu Hause.

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 Die imposante Kathedrale.
Foto: Swiss-Image
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Wahrzeichen von Sankt Gallen ist die Kathedrale aus dem Spätbarock, die in dezenten Farben gehalten ist und deshalb trotzdem keine Überlastung der Netzhaut bedeutet. Im innern kann man die Stiftsbibliothek begutachten, in der wertvolle, zum Teil handgeschriebene Dokumente mit einem Alter von über 1000 Jahren, aufbewahrt werden. Den pompösen Rokoko-Saal darf man nur auf leisen Sohlen überdimensionaler Pantoffeln betreten, die an die Besucher zum Schutz der wertvollen Gemächer ausgegeben werden. Vielleicht soll aber auch die ewige Ruhe der ägyptischen Mumie im Lesesaal nicht gestört werden, die immerhin schon gute 2700 Jahre dauert. Der gesamte Stiftsbezirk wurde 1983 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. An vergangene Blütezeiten der ehemaligen Stickerei-Stadt erinnert das Trextilmuseum, das historische Stickereien ab dem vierzehnten, Spitzen aus bedeutenden europäischen Spitzenzentren ab dem fünfzehnten Jahrhundert und sogar ägyptische textile Grabfunde der Kopten-Zeit zwischen dem vierten und zwölften Jahrhundert zeigt. Abwechslungsreich ist auch die Gastronomie der Stadt. Sie variiert vom traditionellen Erststockrestaurant bis zum gemütlichen Straßencafé und lädt zum Verweilen und zum Geniessen lokaler wie internationaler Spezialitäten ein. Und so fragt man sich als Tourist, wie die Gegend um Sankt Gallen in snobistischen Kreisen zu ihrem Ruf als Bratwurstecke der Schweiz kommt.
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