Erfahrung Afrika: Elfenbeinküste / Ivory Coast / Ghana - Reisebericht und Reiseplanung - Private Reiseberichte und Reiselinks aus aller Welt - Eric Gessmann - Hünxe 
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Erfahrung Afrika: Elfenbeinküste / Ivory Coast / Ghana

Ivory Coast / Ghana

Obwohl Kernländer Westafrikas, stehen die Elfenbeinküste und auch Ghana im Begriff, Afrika zu verlassen und sich Europa zuzuwenden. Natürlich nicht geographisch, wohl aber kulturell. Afrikanische Lebensweisheiten werden überholt und durch marktwirtschaftliche Zwänge ersetzt. Die Lehmhütten weichen Wellblechbauten, Maggi verdrängt das eigenproduzierte Piment und Bier berauscht anstatt des traditionellen Palmweins die Gemüter. Die Hast nach den Fetischen der Konsumgesellschaft zwingt die Menschen, ihren angestammten Lebensraum zu verlassen und ihr Glück in den Städten zu suchen. Hier endet ihre Suche dann zumeist in der Ausweglosigkeit der Bidonvilles, der Slums aller afrikanischen Grossstädte. Ausserhalb der Städte aber bieten insbesondere die Strände noch heute erstklassige Reiseziele.

Die Elfenbeinküste erscheint uns schon an der Grenze wie ein "neues Afrika".

Die Zollgebäude sind in tadellosem Zustand, die Abfertigung erfolgt europäisch korrekt. Die Zöllner wollen noch nicht einmal in unseren Wagen schauen. Hinter der Grenze wartet eine erstklassig asphaltierte, breite Fernstrasse auf uns. Das vergangene Rumpeln und Knacken der Karosse betäubt noch einige Zeit unsere Ohren, obwohl wir nun nahezu geräuschlos nach Osten schweben. Ohne die Fahrgeräusche der Naturpiste herrscht eine gespenstische Stille im Wagen, bis uns einfällt, den Kassettenrecorder anzuwerfen. Eilig befreien wir das Gerät vom alles umgebenden roten Strassenstaub und führen knirschend die Kassette ein, die uns Freunde per Post nach Dakar geschickt hatten. Paul Simons "Rhythm of the saints" wird zu unserer Hymne, mit der wir Afrika durchqueren. In der Aufregung der Vorbereitung hatten wir zu Hause doch glatt vergessen, Kassetten einzupacken. Nun strapazieren wir diese eine Kassette, bis Sand und Hitze ihr die letzten Erinnerungen an die grandiose Musik geraubt haben.

Wir versuchen, den richtigen Reiserhythmus zu finden. Wir sind noch immer viel zu schnell und gehetzt, nehmen uns zu wenig Zeit, das freie Leben zu geniessen. Auf der Suche nach dem richtigen Verhältnis zur Zeit ohne Uhr wandern wir den Strand entlang. Wenige Kilometer vom Camp entfernt liegt das Dorf Niega traumhaft an einer Lagune. Das Leben in diesem Dorf wird noch traditionell durch Fischfang bestritten. Aber auch hier sehen wir niemanden mehr, der noch afrikanisch gekleidet ist. Vor allem die Männer tragen westliche Bekleidung. Jeans, T-Shirt und wenn sie Geld haben, Turnschuhe. Die Menschen verlieren - ebenso wie wir - ihre Fähigkeit, autark zu leben. Das sehen wir auch an dem Verlust der Kenntnis, selbst Piment herzustellen, seitdem es auch im abgelegensten Dorf Maggi Würfel zu kaufen gibt. Palmwein und Wasser werden von Bier und Coca Cola verdrängt. Stück für Stück verlieren die Menschen ihre Wurzeln.

Zum Abendessen bestellen wir wieder Fisch bei Robert. Die Mahlzeit ist ganz passabel, aber auf Dauer Fisch mit Reis oder Reis mit Fisch zu essen, ist uns zu eintönig, und wir steigen bald wieder auf unsere eigene Küche um. Sicher gibt es auch noch andere einheimische Gerichte (z.B. Fufu, das ist Maismehl und Sosse oder Sosse mit Maismehl), aber Fleischgerichte scheiden für uns aus, nachdem uns an der Strasse gegrillte Buschratten angeboten worden waren. Diese hasengrossen Nagetiere werden plattgeklopft und mit allen vier Beinen in eine andere Richtung ausgestreckt und gegrillt. Die völlig verkohlten Fleischstücke werden dann von den Verkäufern wie Zeittafeln auf einer Rennstrecke den vorbeikommenden Automobilisten auf die Fahrbahn gehalten. Das auswärtige Essen bietet aber die Möglichkeit, einen Spaziergang anstatt des Abwaschgangs einzulegen. Bei Nacht hat dieser Strand am Golf von Guinea seine eigene Magie. Im Schein des Vollmonds beginnt die Bucht zu leuchten. Die angespülten Wellen hinterlassen dünne Lichtstreifen auf dem Strand. Fluoreszierende, mikrobisch kleine Krebstiere sind die Ursache für dieses Phänomen, welches die ganze Bucht verzaubert.

Die Skyline von Abidjan ist beeindruckend. Eine Reihe modernster Hochhäuser ragt aus dem Stadtzentrum in den Himmel. Die Millionenstadt beginnt aber schon dreissig Kilometer ausserhalb des Zentrums. Die vom Land geflüchtete Bevölkerung hat auch um diese Stadt herum ihre wilden Siedlungen errichtet. Die Bidonvilles: "Städte aus Dosen". Behausungen aus Wellblech, Brettern oder Pappe. Wer hier wohnt, liegt ganz unten. Die Chance, ohne Ausbildung eine Arbeit in der Stadt zu finden, ist gering. Die Hoffnung auf europäisch geprägten Wohlstand wird hier von der Realität eingeholt. Das Leben für diese Menschen hat sich drastisch geändert. Gestern waren sie zumindest in der Lage, sich durch Feldarbeit selber zu ernähren. In der Stadt sind sie nun darauf angewiesen, Geld zu erlangen, um sich Nahrungsmittel kaufen zu können. Da sie ohne Arbeit auf ehrbarem Weg kein Geld erlangen können, rutschen in der Folge gerade junge Männer in die Kriminalität ab.

An der Strasse nach Grand Bassam, östlich von Abidjan, liegen reihenweise Souvenirstände, die unsere Abreise aus der Stadt erheblich verzögern. Erst gegen Mittag erreichen wir Aboisso, wo wir auf eine kleine Piste nach Norden abbiegen.

Die Tour weiter nach Westen fortzuführen, macht wenig Sinn. In Benin werden Wahlen abgehalten, die problema-tisch werden dürften, da vor wenigen Tagen der Oppositions-führer entführt wurde. Demokratie auf afrikanisch. Aus diesem Grund ist auch die Grenze nach Nigeria geschlossen. Nicht, dass es dort demokratischer zugehen würde, aber das Militärregime hat Angst, aufkeimende Unruhen könnten auch auf ihr Land übergreifen. Wir müssen zurück nach Norden und Benin umfahren. Der Regenwald entlang der kleinen Lehmpiste erfreut uns. In der grellen Mittagssonne sticht der rote Boden der Fahrbahn aus dem dichtbewachsenen, dunkelgrünen Umland hervor. Endlich wieder auf der Piste, wenn dann noch die Landschaft schön ist, "was sollte es besseres geben?" Die nächste Polizeikontrolle. Der Beamte versucht uns weis zu machen, dass unsere Haftpflichtver-sicherung in seinem Land nicht gültig ist. Wir verteidigen wacker unseren Standpunkt, bis der Polizist unvermittelt das Thema wechselt und uns ziehen lässt. Ein Minibus hat uns erlöst.

Auf der weiteren Fahrt nach Norden müssen wir erneut Geld wechseln. Wir wollen noch tanken, bevor es nach Burkina geht. Der Diesel ist in Ghana gut 40% billiger als in den umliegenden Ländern. Aber es ist schwer, Geld zu tauschen. Eine Bank können wir nicht ausfindig machen und die meisten Geschäfte haben so wenig Bargeld in der Kasse, dass ein Umtausch für sie nicht in Frage kommt. Als Reisende fallen wir bei der Suche überall auf, erregen Aufsehen und werden von allen Seiten angebettelt. Dabei ist das rüde "give me money" bei weitem nicht so poetisch, wie das französische "donne moi un cadeau". Wir ergreifen die Flucht. Auch mein Fell wird immer dünner und ich reagiere zunehmend gereizt, permanent als wandelnde Brieftasche angerufen zu werden.

Fotos zum Bericht finden Sie unter der oben genannten URL.



Homepage: http://www.zebrastreifen.com/elfenbeinkueste.htm

 
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Info Reisebericht
Reiseland: Elfenbeinküste
Datum der Reise: 1999-2000
Dauer der Reise: 2 Jahre
Autor: Joly und Ingo Hoffmann
Aufrufe bisher: 1668

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Links zum Artikel
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Reiseberichte Elfenbeinküste
· Erfahrung Afrika: Elfenbeinküste / Ivory Coast / Ghana

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