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Erfahrung Afrika: Burkina Faso / Niger

Burkina Faso / Niger

Burkina Faso, frei übersetzt "das Land der sauberen Hände", ist das Land in Westafrika, das uns mit Abstand am besten in Westafrika gefällt. Auch wenn die Erfahrung von Kultur, Märkten, Farben und Menschen besser ohne Fahrzeug erfolgen würde, fühlen wir uns wohl und unbeschwert. Aber alle erfreulichen Erlebnisse verblassen angesichts des kargen Umlands. Burkina Faso liegt in der Sahelzone und so bestimmen weitenteils Not und Mangel das Strassenbild ausserhalb der Hauptstadt Ouagadougou. Hilfe tut Not, nur wie? Selten erschien uns die Bevölkerung tatkräftiger im Kampf gegen Armut und Unterversorgung. Diese Tatkraft gilt es zu stärken, damit nicht auch Burkina in den nicht enden wollenden Strudel ausländischer Hilfeleistungen gerissen wird.

Selbst für Afrika leben die Menschen der kleinen Stadt Tenkodogo in bescheidenen Verhältnissen. Auf dem ärmlichen Markt können wir nichts entdecken, was wir gebrauchen könnten. Die Marktstände sind leer und in den dunklen Bretterbuden gibt es nur ein wenig Maismehl, warme Getränke und getrocknete Bohnen.

Die Menschen betteln uns an. Ihren Gesichtern sehen wir an, dass sie nicht nach Geld für eine Cola oder für die Batterien in ihrem Radio betteln. Diese Menschen leiden Not. Wir gehen bedrückt zurück in das Campment. Dort bereiten wir unser eigenes Abendessen am Bungalow. Ein kleines Mädchen, mit einem Tablett Möhren auf dem Kopf, kommt zu uns. Sie bittet uns, doch etwas zu kaufen. "Ich habe heute noch nichts verkauft".

Wir bezahlen das ganze Tablett und schenken ihr einige ihrer Möhren und etwas Brot. Zum Dank lachen uns ihre kleinen, glänzenden Augen an. Sowohl das Brot, als auch die Möhren sind bereits gegessen, als das Mädchen vom Hof wieder verschwindet. Im Laufe des Abends kommen noch einige Kinder, denen wir etwas mitgeben. Sagen müssen sie nichts, wir sehen in ihren Augen, wie mies es ihnen geht. Fremde Hilfe sind die Menschen hier anscheinend nicht gewohnt. Für jedes Stück Brot, für jede Gabe bedanken sie sich. Es schmerzt, Menschen in solcher Not zu sehen. Bisher war es einfach für uns, über Entwicklungshilfe zu schimpfen, wenn die Hilfe offensichtlich missbraucht wird. "Was aber, wenn die Menschen tatsächlich in Not sind?"

Absoluter Höhepunkt des Nachtlebens in "Ouaga" ist für uns jedoch das Restaurant "L´eau vive", dessen Pendatnts in fast allen afrikanischen Metropolen zu finden sind. Sie werden von Ordensschwestern der "heiligen Maria von Lourdes" betrieben und sind in ihrer Ruhe und Perfektion in Afrika ohne gleichen. Die Gerichte sind erstklassig und ungewöhnlich, die Bedienung einzigartig. Wir sitzen in einem Innenhof, auf dem die Tische um einen grossen Springbrunnen kreis-förmig angeordnet sind. Klassische Musik gibt dem Restaurant die angemessene, friedliche Atmosphäre. "Kann es so etwas in Afrika geben?" Um halb zehn endet das Geklapper der Bestecke. Die Nonnen versammeln sich und schmettern gemeinsam ein Ave Maria in die Nacht. Himmlisch.

Ausserhalb des "L´eau vive" ist die Stadt von afrikanischer Musik erfüllt. Aus jedem Hof, aus jedem Haus tönen Trommelschlag oder Gesang. Die Menschen sind fröhlich und tanzen auf der Strasse. Wir lassen uns von ihnen mitreissen. Die Tage verbringen wir auf dem zentralen Markt. Neben einem Gemüse- und Obstmarkt, kann man hier alles Erdenkliche kaufen. Vor allem aber Souvenirs: Batiken, Schnitzereien, Schmuck und Musikinstrumente werden in grossen Mengen angeboten.

Entlang der Strasse östlich von Ouagadougou ist die Landschaft immer wieder von Wasserlöchern und kleinen Stauseen durchsetzt. Ein Entwicklungshilfeprojekt, das hoffentlich Früchte trägt. Die Märkte entlang dieser Strecke lassen uns zumindest hoffen: sie bieten wieder ein reichhaltiges Angebot. Ein abgewirtschaftetes, schmuddeliges Hotel ist an der Grenze unsere einzige Möglichkeit zur Übernachtung.

Normalerweise meiden wir solch schäbige Hotels. Im Schlafraum liegt lediglich eine klebrige Matratze am Boden. Wir räumen sie beiseite und rollen unsere Schlafmatten aus, um uns nicht ungewollt ein paar "Haustiere" zuzulegen. Haben wir Flöhe oder Wanzen erst einmal in unseren Sachen, werden wir sie so schnell nicht mehr los.

Die Menschen in Zinder wirken abstossend auf uns. Noch vor wenigen Jahren war der Ort ein Zentrum für den Umschlag gebrauchter Autos und Waren aus Europa. Nachdem Algerien aufgrund der katas-trophalen Sicherheitslage nicht mehr durchquerbar ist und die Nigerianer nach dem Ende des Ölbooms kein Geld mehr haben, weitere Güter zu kaufen, ist das einst blühende Geschäft zusammengebrochen. Wohlstand und Reichtum sind genau so schnell vergangen, wie sie einst gekommen waren. Die Stadt befindet sich in einem Zustand, der gleich dem Ende eines Goldrausches ist.

Die meisten Geschäfte sind geschlossen, die Hotels sind leer. Fenster sind vernagelt, Tore mit Ketten verschlossen und durch die Gassen treibt der Wind die letzten Wohlstandsabfälle. Die zugezogenen Europäer sind fast ausnahmslos wieder verschwunden. Einige Kinder tauchen auf, rennen hysterisch schreiend hinter unserem Wagen her. Der Ausruf nach "cadeau" schallt durch die Strassen. Nun erwachen auch die verbliebenen Strassenhändler und "Touristenführer".

Wir werden von allen Seiten bestürmt. Eine Aggression, Geld an uns verdienen zu wollen, schlägt uns entgegen, wie wir sie seit Marokko nicht mehr erlebt hatten. Unser Einwand, dass wir nichts zu Tauschen haben und nur "echte" Touristen auf der Durchreise sind und den Wagen nicht verkaufen wollen, geht ungehört im Tumult unter. Jeder, der hier mit dem Auto auftaucht, hat ein Geschäft abzuwickeln. Dass jemand nur zu seiner Freude durch die Landschaft fährt, liegt jenseits der Vorstellungsmöglichkeit dieser Menschen. Es gibt fast eine Prügelei zwischen den "Handelsvermittlern". Jeder hat Angst, wir ziehen weiter und der nächste Konkurrent macht das Geschäft. Selbst im Hotel "Central" haben wir keine Ruhe vor den aufdringlichen Händlern. Der Hotelmanager wittert eine Provision und gewährt ihnen Einlass bis zu unserem Zimmer. Bevor die Stadt erwacht, verschwinden wir leise aus dem Hotel. Wir haben keine Lust, die Hexenjagd vom Vorabend zu wiederholen.

Fotos zum Bericht finden Sie unter der oben genannten URL.



Homepage: http://www.zebrastreifen.com/burkinafaso.htm

 
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Info Reisebericht
Reiseland: Burkina Faso
Datum der Reise: 1999-2000
Dauer der Reise: 2 Jahre
Autor: Joly und Ingo Hoffmann
Aufrufe bisher: 1186

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Reiseberichte Burkina Faso
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