Türkei, Kemer
Was tun, wenn der Herbst kommt, die Blätter fallen, draußen ein rauher Wind weht und sonst wo nirgends was los ist außer Allerheiligen, Totensonntag, Buß- und Bettag sowie Volkstrauertag?
Ab in die Ferne? Nein. Nicht so fern. Wir sahen an Allerheiligen an einem Reisebüro in Mainz: Türkei. Türkische Riviera. Kemer. All inclusive. Eine Woche. Fünf Sterne. Und das nur für 599,- DM ab Frankfurt. Also: Am nächsten Tag, dienstags,rein und gebucht. Alexander wollte mit uns, zögerte ein paar Tage, Angebot war dann natürlich weg und bekam dann ein gleich gutes, nur eben 20 km von unserem Hotel entfernt.
Sonntag abend sollte es losgehen. Flug um 22.40 Uhr. Um 19.20 Uhr gingen wir zur S-Bahn, Mainz-Süd. Oh, Rotkäppchen, sieh nur die vielen Leute? Warum nur? Nach und nach sickerte durch das Volksgemurmel: Zwischen Mainz und Frankfurt hätte es Oberleitungsschäden gegeben. Den ganzen Tag schon. Nur den werten Reisenden auf dem kalten Bahnsteig sagte kein Lautsprecher und kein Bahnbediensteter etwas. Die Anzeige sprang von "10 min Verspätung" auf "20 min" und dann auf "30 min). Und siehe da: Kurz vor 20.00 Uhr kam tatsächlich eine S-Bahn. Aber kaum drin, hielt sie schon wieder auf der nächsten Station. Durchsage: "Bitte um Verständnis für längeren Aufenthalt wegen Oberleitungsschadens." Aha!!
Raus aus der Bahn, in eine Gaststätte rein und ein Taxi gerufen. Und da wir nicht die einzigen waren, die auf diese Idee kamen, hatte die Taxi-Innung an diesem Abend einige erkleckliche Einnahmen für mehr als 20 Personen, die schnell mal zum Flughafen wollten. Danke, liebe Deutsche Bahn!
Am Flughafen erwartete uns die zweite Überraschung: Der Flieger wollte nicht um 22.40 weg, sondern erst um 00.00 Uhr. Grund war eine kleine Verspätung in Tel-Aviv, wo es wegen der Sicherheitsprüfungen etwas Verspätung gegeben hätte.
Fluggesellschaft war Air Alfa. Nicht zu empfehlen. Arg enge Sitze, und nichts zu trinken außer Saft, Wasser ohne Kohlensäure, Cola, Fanta. Und das Essen ist auch nicht gerade das Gelbe vom Ei.
Trotz allem: Bei der Ankunft in Antalya klappte alles wie am Schnürchen: Reiseveranstaltervertreter begrüßten uns, zeigten uns den Transfer-Bus, begleiteten uns bis ins Hotel, das Art Corinthia, ein Hotel der Corinthia-Gruppe, Sitz Malta.
Hier sollten wir also bleiben. Erster Eindruck: Top. Das Hotel liegt am Fuß des Taurusgebirges. Gepflegte, elegante Atmosphäre. Hier konnte man sich einmal richtig verwöhnen lassen. Wunderschöner Blick auf die Berge und das Meer.
Es handelte sich um ein 3-stöckiges Hotel im Atriumstil gebaut. Weinstube, mehrere Bars, Pizzeria, Diskothek. Ladenarkaden. Sauna, Türkisches Bad und Massage, Hallenbad und Whirlpool. In der Außenanlage war ein riesengroßer Swimmingpool mit Kinderbecken und Sonnenterrasse.
Die Hotelzimmer waren sehr gut: mit Bad/WC, Bidet, Fön, Radio, Minibar, Safe, Sat-TV, Radio, Klimaanlage, nach außen mit Balkon, zum Atrium ohne Balkon. Strand (Kiesstrand) gut. Unaufdringliche Animation (weil November?). Freundlichster Service. Im Großen und Ganzen: 4-5 Sterne. Diskothek (ohne Lärm, weil im Keller desNebengebäudes!!).
Aber: Das Essen! Trotz der Vielfalt der Buffets (Mittags gab es à la carte) machte sich doch eine gewisse Eintönigkeit breit. Dennoch: mir schmeckte es ziemlich gut, Gudrun überhaupt nicht! Gut, darüber läßt sich streiten.
In der Anlage verstreut befanden sich zahlreiche gepflegte kleine Restaurants, ein wunderschöner großer Pool mit einer tollen Poolbar und am Strand, direktauf dem Wasser, eine kleine Strandbar, unser Lieblingsaufenthalt.
Dort lernten wir Gitta und Else kennen, zwei ganz ganz liebe Damen aus Stuttgart. Der geneigte Leser wird sich vorstellen können, welch Riesenspaß wir vier in dieser Woche hatten: Hier die zwei Schlappmäuler aus Määnz, da die beiden coolen Schwäbinnen aus Schtuerged, beide hatten's faustdick hinter den Ohren.
Selbstverständlich erkundeten wir die nähere Umgebung: Vor dem Hotel rein in den Dolmus und ab nach Kemer, einem netten Hotel- und Touristenstädtchen. Wie aber überall machen sich auch hier die höheren Preise bemerkbar: Tasse Kaffee oder Tee ab 2,- DM aufwärts!
In Kemer trafen wir uns mit Alexander. Er hatte das Hotel Tekirova Corinthia bezogen, 15 km jenseits von Kemer und genauso schön wie unser Hotel. Da es aber dort keine Möglichkeiten zu Tauchen gab, fuhr er mit uns in unser Hotel und besorgte sich dort im Tauchclub die notwendigen Zubehörteile für einen Tauchgang. Es soll toll gewesen sein!
Am ersten Abend im Hotel bemerkten wir die horrenden Hotelpreise für die Getränke: Flasche Wasser 8.- DM, Glas Bier (türkisch) 4,- DM, andere Sorten bis zu 14,- DM. Unbezahlbar. Wenn wir nicht zum Glück ALL INCLUSIVE gebucht hätten! So war es für uns ein leichtes, ständig und fast überall ein gepflegtes Helles oder einen der vielen leckeren türkischen Liköre oder auch Kaffee, Tee, Cola, Fanta usw. usw. bei dieser Hitze in uns hineinrinnen zu lassen. Toll: Klasse! Ohne All Inclusive schätzten wir, daß uns der gleiche Getränkeumsatz um mehr als 500,- DM ärmer gemacht hätte!
Die Woche verging wie im Fluge: Sonnen, schwimmen, lesen, dösen und auch noch zweimal zum Shopping nach Kemer: Gudrun kaufte für sich eine Handtasche: Feilsch, handel, stöhn, ächz, mit Engelszungen reden, nochmal feilschen, nochmal handeln, und schließlich hatte sie ihre Tasche um mehr als die Hälfte des ursprünglichen Preises heruntergedrückt. Gudrun im Himmel.
Leider ist auch ein solch schöner kleiner Urlaub schnell rum: Sonntags um 18 Uhr wurden wir wieder abgeholt. Und nun erst, nach einer Woche strahlender Sonne, Luft um 24°C und gleichfalls 24°C Wassertemperatur sahen wir auf dem Weg zum Flughafen die ersten Regentropfen. Und es sollten auch für die nächsten zwei Wochen die einzigen geblieben sein, wie uns Gitta und Else nachträglich berichteten.
Die Air Alfa brachte uns heim. Müßig zu erwähnen, daß der Rückflug nicht besser war, als der Hinflug. Von Air Alfa ist, vom Preis abgesehen, dringend abzuraten.
Zwei Wochen nach unserer Rückkehr telefonierten wir mit Gitta: Nach unserer Abreise sei montags die Katastrophe eingetreten: Das gesamte Personal sei vom aus Malta angereisten Management abgelöst und ausgewechselt worden: in mürrische und unfreundliche Servicekräfte. Alle Liegen am Strand seien entfernt, die Gäste mit Worten wie: "Sie sind doch nur Billiggäste" tituliert und die Strandbar (aus Renovierungsgründen?) geschlossen und teilweise abgebaut worden. Zudem sei das Frühstücks- und Abendbuffet auf ein Minimum und zudem schlechteste Qualität reduziert worden. Und wir hatten sogar an Ort und Stelle mit dem Gedanken gespielt, eine weitere Woche zu verlängern!
Fazit: ein Urlaub, kurzfristig geplant, im Voraus gebucht und mit viel Glück ein schönes Erlebnis. Das nächste Mal gehts wieder nach Thailand!