Sizilien, Palermo, Cefalu, Oliveri, Liparische Inseln
Mein runder Geburtstag kam bedrohlich nahe. Wo feiern? Selbstverständlich nicht zuhause, sondern in einer Traumumgebung. Mallorca? Sardinien? Sizilien? Kalabrien? Rom? DomRep? Thailand? Nach langer, schwerer Geburt entschieden wir uns für Sizilien und Lipari, um auch unsere Kenntnisse und Erlebnisse etwas zu vertiefen. Außerdem war gerade noch noch (!) Vorsaison. Gesagt, getan: Reisebüro, Flug nach Palermo. Ab gings.
Wunderbarer Flug mit Aero Lloyd. Sehr, sehr freundlicher Service, nagelneuer Airbus, kurzum: Höchst empfehlenswert! Ankunft in Palermo Aeroporto um 17.00 Uhr: Eigentlich wollten wir zuerst nach Terrasini, dem nächsten Badeort vom Flughafen aus. Aber: Verbindung für die 5 Kilometer nur über Palermo (Bus) und dann wieder zurück (Zug), der Halsabschneider von Taxifahrer wollte 60 DM für die 5 km!
Daher schwenkten wir um: Wir wollen erst mal in Palermo bleiben. Also einsteigen in den Bus: Aha, nur 6,50 DM pro Person für die 25 km. Das ist doch was anderes! Palermo: Stadtplan raus und an der Piazza Castelnuovo raus. Um die Ecke gegangen, rein ins Hotel Elite, einfaches, preiswertes, ruhiges, kleines Hotel mit TV und Aria Condizionata für 110,- DM das Doppelzimmer/Nacht. Nette Besitzerfamilie. Übrigens: Im gleichen Haus und auch nebenan sind noch weitere fünf Hotels.
An diesem Abend unternahmen wir zuerst mal einen Stadtbummel durch Palermo: Von der Piazza Castelnuovo über die Via Roma, durch die Altstadt, die Via Maqueda, Quattro Canti und wieder zur Piazza Castelnuovo. Eindruck von Palermo: Fasziniert von der Stadt: Bunt, Trubel, Elend, elegante Geschäfte, verfallene Viertel, prachtvolle Theater, Paläste, Ruinen, pralles Leben, daneben verwaiste Straßen, ein Durcheinander von Farben und Gerüchen, eben Palermo, die Hauptstadt Siziliens!
Nach dem Abendessen in einer kleinen Trattoria gings ab in die Falle. Am nächsten Morgen spazierten wir zuerst zum Bahnhof Notarbartolo, quer durch die Neustadt über die Viale Libertà. Fuhren von dort mit dem Zug Richtung Westen: Durch Cinisi/Terrasini, Trapetto, Balestrate nach Castellammare del Golfo, einer Kleinstadt am gleichnamigen Golf. Hier ist der Tourismus (noch und nur) ein Zusatzgeschäft: Alles ist ruhig und noch ursprünglich.
Nachmittags fuhren wir ein Stück zurück nach Trapetto, einem freundlichen Dorf mit kleinem Strand. an Wochenenden soll hier der Bär los sein, aber während der Woche ist es wie ausgestorben. Zurück nach Palermo, Bummeln durch die Stadt: Gudrun sah Schuhe für mich und sich: Die mußte sie haben! Morgen früh, wenn wir weiterziehen! Aber: am nächsten Tag bekam sie nur ihre (elegant und butterweich, Zitat Gudrun), für mich gabs die gewünschten nicht in in meiner Motorbootgröße! Nicht so schlimm: mit dem Bus zur Stazione Centrale und los gings Richtung Osten, immer am Meer entlang. Viele bekannte (Bade-)Orte: Termini Immerese, Cefalù, Santo Stefano di Camastra, Capo d'Orlando, Marina di Patti, Oliveri.
Hier stiegen wir aus, hier wollten wir bleiben. In der Ortsmitte ließen wir uns in einer Bar nieder: Noch keine zehn Minuten später wußten wir schon alles über die Unterkünfte, den Strand, die Besitzerfamilie und den Rest der Ortschaft: Es war halt noch nicht Hauptsaison! Leider war das von uns auserwählte Hotel z.Zt. wegen eines Krankheitsfalles geschlossen, daher entschieden wir uns für die Bungalows auf dem Campingplatz: Gut eingerichtet, ca. 70,- DM die Nacht.
Und nun kam der 22. Juni, mein &%. Geburtstag. Mein Tag. Selbstverständlich: Auf nach Lipari, meinem Traum. Und so geschah es auch: Nach fünf Übernachtungen im hübschen Bungalow reisten wir ab, fuhren mit der Bahn nach Milazzo, erklommen die Fähre zu den Aeolischen Inseln und kamen gegen 11 Uhr im Hafen von Lipari an!
Am Hafen sahen wir sie schon stehen: Rosa Lauricella, unsere Zimmerwirtin vom letzten Jahr. Ich sprach sie an: "Buon giorno, Signora Lauricella!". Sie war verblüfft. Woher kennen die mich? Ich: "È libera la nostra camera?". Die Verblüffung wuchs. Aber nach dem Hinweis auf unseren Vorjahresaufenthalt in ihrem hübschen Haus klärte sich alles auf. Unser geliebtes Zimmer mit unserer Terrasse war noch frei (Juni!).
Gesagt, gebucht. Sie lud unser Gepäck ein und fuhr uns die paar Meter zur Villa Rosa. Wir begrüßten ihre Tochter Isabella und ihren Sohn Fausto (Zwillinge) und bezogen unsere Prachtsuite. Kleiner Wermutstropfen: 10 DM mehr als im Vorjahr. Und dennoch sind die 70 DM für solch eine Unterkunft sehr, sehr preiswert. Wer sie sich betrachten will: Im Internet sind zwei Seiten, gestaltet von Ihrem Sohn Fausto: Webseite 1 oder Webseite 2. Auch Fausto (Büro Fausto Merlino) findet man als Link auf diesen Seiten.
Diesmal wollten wir uns Lipari genauer betrachten. Wir mieteten nebenan einen Roller (35,- DM/Tag, die Busse von Urso fahren zwar auch fast überall rum, aber man ist doch etwas ungebundener) und erkundeten zwei Tage die Insel. Porto delle Genti, Canneto, Aquacalda, Spiaggia Bianca, Campo Bianco, Quattrocchi, San Calogero, Quattropani, Chiesa Vecchia. Badestrände (Kies oder Lavasand) und Ortschaften. Freundlichste Menschen. Liebenswerte Landschaft.
Ausflug nach Filicudi: Mit dem Schiff an Salina vorbei zu der kleinen Insel. Im Hafen: Erst mal was trinken, Leute fragen, Panorama genießen. Aha: Was zu essen gäbe es im Ristorante La Canna, aber wir müssten die Treppen hoch, es seien nur 20 Minuten Aufstieg. Oh oh! Wir versuchten es über die Fahrstraße, doch in dieser Gluthitze machte das Wandern nicht so sehr Spaß. Etwa an der Kurve zum Villaggio Preistorico gaben wir auf und spazierten zurück zum Hafen. Auf dem Bild sieht man den Höhenunterschied zwischen Hafen und Ortschaft. Zwanzig Minuten Treppensteigen? Ich bin doch kein Muli!
Haben also gefragt im Hotel Phenicusa direkt neben dem Hafen: Mi dispiace, aber im Moment haben wir leider nur Mittagessen für Pensionsgäste, und die sind heute unterwegs! Macht nix, dann setzen wir uns hin und trinken was. Und wer sagts denn: keine zehn Minuten später kommt ein Ehepaar (die einzigen Hotelbewohner) hereinspaziert, bestellt das Mittagessen und schon fragt uns der Ober, ob wir nun auch was wollten. Selbstverständlich! Es gab Fisch! Natürlich mit Vorspeise, Pasta und Nachtisch! Lecker!
Rundum satt und glücklich verließen wir nach rund drei Stunden (Fährenfahrplan!) die Insel und tuckerten zurück.
Ausflug nach Panarea und Stromboli: Diese beiden Inseln sahen wir im letzten Jahr nur im Vorbeifahren mit der Fähre Richtung Neapel. Deswegen buchten wir eine Pauschalreise von Lipari aus einen ganzen Tag Panarea und Stromboli by night. Von 9 Uhr morgens bis 23 Uhr nachts. Na gut. Wir sahen schon beim Frühstück unser Schiffchen vor unserer Villa am Tankanleger. Ich fragte die Besatzung, ob sie uns mitnehmen würden zum Marina Corta, von wo die Abfahrt sein sollte. Aber leider ging das nicht, weil das Schiff noch mit kräftigem Wasserstrahl abgespritzt wurde. Innen und außen. Na gut. Wir wackelten los Richtung Aliscafihafen.
Die Fahrt nach Panarea war angenehm. Etwa an drei bis vier Stellen hielt das Schiff an, um den Passagieren (das Schiff war mit rund hundert Personen ziemlich gut besetzt) jeweils eine gute halbe Stunde Gelegenheit zum Baden zu geben. Und das alles an den schönsten Badestellen rund um Panarea. Gegen Mittag zwei Stunden Landgang auf der Insel der Reichen und Schönen. Man merkt schon, daß man hier etwas mehr Kleingeld benötigt! Die Insel bzw. genauer gesagt die Häuser sind ja auch eine Wucht: Strahlend weiße Gebäude, idyllische Gärten, Hotels mit ihren versteckten Pools und elegante Boutiquen. Es war halt schon immer etwas teurer, einen besonderen Geschmack zu haben.
Etwa um drei Uhr gings weiter Richtung Stromboli. Und nun war der Himmel plötzlich bedeckt. Wo den ganzen Tag eine strahlende Sonne vom Himmel lachte, war auf einmal der Himmel eine einzige graue Decke. Aber es regnete nicht! Kein Tropfen. Nur der Wind wurde etwas rauher.
In Stromboli angekommen trafen wir oben am Kirchplatz alte Bekannte: Ein australisches Paar, zwei nette Leute, die in der Villa Rosa neben uns wohnten. Machen neun Wochen Italien. Schon zum zweiten Mal. An diesem Tag wollten sie von Stromboli aus mit der Fähre über nacht weiter nach Neapel und dann nach Rom, wie wir im letzten Jahr. Und weil es uns so gut gefallen hatte, empfahlen wir ihnen die Übernachtung in Frascati, entweder im Panorama oder im Pinocchio.
Stromboli gefiel uns. Etwa wie Panarea, nur viel ursprünglicher und natürlicher, auch die kleinen Gäßchen und alles ohne Autoverkehr. In der Bar Ingrid (nach Ingrid Bergmann) am Kirchplatz gabs was zu essen. Einschließlich einer tollen Aussicht. Nur der Gipfel des Stromboli war total verhangen. Man sah nichts! Und trotzdem ging noch in dieser Suppe eine Gruppe Gipfelbesteiger los, um in der späten Nacht am Gipfel die Ausbrüche hautnah zu erleben.
Als das Schiff gegen 20 Uhr zu seiner Rundfahrt ablegte, war die Entäuschung groß: Gerade der wichtigste Grund für unsere Fahrt war weg, der freie Blick auf den Gipfel des Stromboli mit seinen ständigen Eruptionen und den bis ins Meer rollenden Lavabrocken. Schade. Das Wetter spielte nicht mit. Dafür hatten wir auf der Heimfahrt nach Lipari mit ziemlich starkem Wind und entsprechenden Wellen zu kämpfen: Uns machte es nichts aus, aber einige Passagiere ließen sich das Abendessen noch einmal "durch den Kopf gehen".
Auf unserer Rundreise Italien mit dem Roller auf Lipari besuchten wir selbstverständlich auch unsere Bekanntschaften vom letzten Jahr: In der Trattoria "Bar Bartolina" die gleichnamige Wirtin Bartolina Castelli. Das war eine Wiedersehensfreude! Und zugleich unmöglich, die Rechnung zu bezahlen, weil sie uns einschließlich Mittagessen alles umsonst aufdröängen wollte. Diese Gastfreundlichkeit war uns entwöhnten Mitteleuropäern fast schon peinlich. Und alles nur, weil wir ihr ein Foto vom letzten Jahr mitbrachten, als wir uns bei ihr so wohlgefühlt hatten.
Das Gleiche galt für den Südseestrand neben den weißen Bimssteinhängen am Campo Bianco: Bartolinas Tochter, Nunziata, betreibt dort am Strand ihren Getränkewagen. Selbstverständlich mußte es wieder der gute hausgemachte Malvasia sein, den sie uns kredenzte. Der Tag war ausgefüllt mit Baden, sonnen und faulenzen.
Egal, wer nach Lipari kommt: Nehmt euch den Bus, ein Auto, einen Roller, ein Fahrrad (Mountainbike) oder ein Boot und schaut euch die Insel genauer an: Chiesa Vecchia in Quattropani, eine alte Kirche von 1646 mit herrlichem Blick nach Salina, den Panoramablick "Belvedere Quattrocchi" (=vier Augen müsste man haben, um diese Schönheiten noch besser aufnehmen zu können), die einsame und verlassene Thermenbadeanstalt San Calogero, nahe bei der Steilküste, die Serpentinen hinauf nach Pomiciazzo und Lami, und vor allem das herrliche Badestädtchen Canneto, das sich seit dem letzten Jahr wunderprächtig herausgeputzt hat, mit völlig neuer Uferpromenade. Übrigens: Von der Villa Rosa aus ist es nach Canneto zu Fuß nur eine halbe Stunde.
Nach sieben Übernachtungen zogen wir weiter. Mit der ersten Fähre ging es frühmorgens hinüber nach Milazzo und weiter mit dem Zug nach Cefalú. Weil wir so viel in Katalogen davon gelesen hatten (Neckermann, Kreutzer), wollten wir es uns mal ansehen. Der erste Eindruck war enorm: Der riesige Felsen über der Stadt und darunter der Normannendom! Als Unterkunft fanden wir das Hotel Belvedere, nicht weit vom Bahnhof, aber steil bergauf! Nun ja, es war Ende Juni und die Preise (erst recht in der Touristenhochburg Cefalú) zogen an. Mit Air Condition kostete das Zimmer 145,- DM, aber dafür war das Hotel und auch der Swimmingpool noch recht leer. Die Altstadt von Cefalú begeisterte uns: Typisch Sizilien! Einfach ganz große Klasse! Unbeschreiblich hübsch und heimelig.
Leider hatten wir nur einen Tag und eine Nacht Zeit, dieses Kleinod zu bewundern. Aber ich kann allen empfehlen, in dieser Stadt Urlaub zu machen, nicht nur wegen des schönen Sandstrandes (dem fast einzigen an der gesamten Nordküste Siziliens).
Der Rest ist schnell erzählt: Am nächsten Morgen mit dem Zug nach Palermo, mit dem Bus zum Flughafen und mit der Aero Lloyd (nochmals: freundlich und gut!) nach Zwischenstop in Lamezia Terme nach Frankfurt. Mit der letzten S-Bahn nach Mainz und um 1 Uhr nachts am 1. Juli 1999 waren wir wieder in unserem Kuschelbett.
Buchtips:
Ganz, ganz gutes Taschenbuch, nur Liparische Inseln:
DUMONT-Reisetaschenbücher: Liparische Inseln (Eva Gründel/Heinz Tomek),
ISBN 3-7701-3083-9, DM 19,80.
Sehr guter Reiseführer, nach dem wir uns gerichtet haben:
Michael Müller Verlag: Sizilien (Thomas Schröder),
ISNB 3-923278-74-8, DM 39,80
Unbedingt kaufen, lohnt sich, sind jede Menge Tips drin (ganz Sizilien, einschließlich alle Inseln)
Fazit: ein Urlaub, nicht geplant, nichts im voraus gebucht und deswegen ein Traumerlebnis. NACHMACHEN!