Italien, Pontinische Inseln, Formia, Gaeta
Die Katastrophenreise!
Die Juni-Reise nach Lipari war schon weit in der Vergangenheit verblasst, doch Rom und Italien lockten immer noch. Und weil Gudrun sich an Ponza festgebissen hatte (ihr waren noch die herrlichen Plakate und Poster am Hafen von Formia vom letzten Jahr in Erinnerung), wollten also nun mal die Pontinischen Inseln vor der Küste Italiens zwischen Rom und Neapel erkunden. Gesagt, getan: rein ins LTUR-Reisebüro und nach Lufthansa-Restflug nach Rom, 333,- DM, gefragt. Natürlich war noch einer da: In vier Tagen sollte es losgehen, Ankunft in Rom um 21.50 Uhr. Na, was soll's. Kenne mich ja aus. War ja schon über 30 mal dort. Und bis jetzt ging ja noch alles gut, oder?
Ankunft in Rom nach einem sanften, ruhigen Flug um 22.10 Uhr. Bis jetzt ging also noch alles gut.
Wir wurden selbstverständlich von "freundlichen" Taxifahrern angehauen, die uns für nur 80,- DM in die Stadt fahren wollten. Außerdem wurden uns noch preiswerte Hotels für nur 200,- DM und mehr in Flughafennähe angepriesen, aber ha! Wir kennen uns doch aus! Was soll ich mit einem teuren Hotel, wenn wir viele viele andere kennen, die erfahrungsgemäß max. 150,- DM das Zimmer kosten! Und außerdem ging ja bisher immer alles gut!
Und unser Glück hatte uns nicht verlassen. Wir erreichten die letzte(!) S-Bahn vom Flughafen in die Stadt. Zwar nicht in die Innenstadt, sondern nur bis zur Porta Ostiense. Was solls. Es fahren ja noch Busse und U-Bahn. Die ganze Nacht. Und außerdem geht ja immer alles gut aus. Oder?
An der Porta Ostiense angekommen war es mittlerweile nach 23.30 Uhr. Selbstverständlich hielten die Busse nicht mehr vor dem S-Bahnhof sondern vor der Metro-Station, die erstens um diese Zeit nicht mehr fuhr (!) und zweitens einige hundert Meter entfernt war. Na ja, was solls. Und dass der Bus in die Stadt gerade weg war und dass der nächste Nachtbus erst in einer Stunde kam, ist ja alles nicht so schlimm. Was solls.
Na gut. Mit dem Bus also in die Stadt und ob der späten Zeit (nach ein Uhr!) gleich ins Bahnhofsviertel rund um die Stazione Termini, wo sich mindestens 50(!) Hotels tummeln. Ha! Typischer Fall von Denkste!
Hotel Nummer 1: voll belegt!
Hotel Nummer 2: voll belegt!
Hotel Nummer 3: voll belegt!
Hotel Nummer 4: voll belegt!
Hotel Nummer 5: voll belegt!
Hotel Nummer 6: voll belegt!
Hotel Nummer 7: voll belegt!
Hotel Nummer 8: voll belegt!
Hotel Nummer 9: voll belegt!
Hotel Nummer 10: voll belegt!
Hotel Nummer 11: voll belegt!
Hotel Nummer 12: voll belegt!
Hotel Nummer 13: voll belegt!
Hotel Nummer 14: voll belegt!
usw. usw.usw.usw. .....................
Originalzitat aus amerikanischen Filmen:"Oh mein Gott!"
Ins Taxi rein und ab Richtung Campo dei Fiori. Dort das gleiche Spiel! Alles, alles, alles belegt. Ein freundlicher Herr an der Rezeption des Albergo Campo dei Fiori telefonierte für uns: Erst in der nächsten Umgebung, dann in der weiteren Umgebung, dann in der ganzen Stadt: Nichts! Nichts! Nichts!
Jetzt war es drei Uhr. Wir (beide mit Rucksack) zogen wieder ab Richtung Termini. Entweder finden wir zu Fuß unterwegs noch ein Hotel oder wir fahren mit der Bahn gleich weiter Richtung Formia.
Ha! Und nochmals: Ha! Ein einziges Hotel fanden wir, das noch ein Zimmer frei gehabt hätte: Angesichts der Uhrzeit (halb 4 !) verzichteten wir auf den äußerst günstigen Preis von 450,- DM für das Zimmer und den Rest der Nacht. Und was uns auch nicht mehr überraschte: Zwischen 24.00 Uhr und 6 .00 Uhr morgens ist auch der Hauptbahnhof der Italienischen Hauptstadt Rom mit ihren 4 Millionen Einwohnern verriegelt und verrammelt. Es fährt kein Zug. Langer Blick auf die Anzeigetafel: Nächster Zug nach Formia um 7 Uhr 30.
Was nun? Na gut, nochmals los Richtung Santa Maria Maggiore. Und dort fanden wir auf den Stufen der Rückseite ein karges Nachtlager, sitzend und stumm. Zwei Stunden.
Gottseidank war's nicht kalt, etwa 20 Grad. Etwas steif gingen wir um 6 Uhr wieder zum Termini. Endlich war wieder eine Bar geöffnet und wir konnten ein Frühstück verputzen. Und um 7.30 Uhr gings ab nach Formia. Klasse Zugfahrt, aber mit kleinen Ausfallerscheinungen (die Augenrolläden fielen manchmal runter). In Formia sofort aus dem Bahnhof raus, Richtung Hafen und rein ins erste beste Hotel (Ariston). Die nette Dame an der Rezeption sah unsere Schlafzimmeraugen und gab uns gleich ein solches. Etwa um 10 Uhr schliefen wir endlich ein.
Gegen 18.00 Uhr waren wir wieder wach, sahen uns in Formia etwas um und fanden ein wunderhübsches Restaurant direkt am Hafenkai. Dort schmausten wir wohlverdient und ausgiebig und hervorragend. Und da uns die römischen Wanderungen der vergangenen Nacht noch in den Knochen steckten, fielen wir um 22.00 Uhr wieder in die Falle. Na ja, wenigstens hatten wir in Rom die Kosten für die Übernachtung gespart.
Den nächsten Morgen ging's also zur Fähre, ab nach Ventotene. Überfahrt etwa eine Stunde.
Am Hafen in Ventotene standen schon einige Unterkunftsanbieter bereit: Der Preis war o.k., wir wurden aber ans äußerste Ende der Insel gefahren, weit weg von der Ortsmitte, zu Fuß vielleicht doch ein wenig weit? Zudem waren wir die einzigen Bewohner der 10-Zimmer-Pension. Auf weiteres Nachfragen: Ja, wir haben auch noch ein Zimmer mitten in der Altstadt. Angeguckt. Klein, sauber, hübsch, 100,- DM. Geht. Genommen. Raus in die "Stadt".
Aha! Nach drei Stunden Rundgang einschließlich Mittagessen waren wir an jedem Haus von Ventotene 4 mal vorbeigekommen. Was soll man auch anderes erwarten, bei 300 Einwohnern und 1000 Tauchtouristen. Nach einem ausgiebigen, reichlichen, guten Insel-Aperitivo-Vino-Rosso-Antipasti-Pasta-Fisch-Fleisch-Vino-Bianco-Nachtisch-Lemoncello-Cappuccino-Abendessen überlegten wir: Bleiben oder weiter? Kein Strand, die Insel im Umfang 7 km, weiteste Distanz auf der Insel 2,5 km. Treppensteigen ohne Ende. Preise allgemein ziemlich happig. Leicht diesiges und regnerisches Wetter.Was tun? Wir entschieden uns fürs weiterfahren. Morgen.
Nach dem Frühstück räumten wir unser Zimmer und schlenderten zum Hafen, nicht ohne vorher wieder die gesamte Stadt zum 5 mal besichtigt zu haben. Und weil (selbstvertändlich) die Fähre nach Ponza schon in aller Herrgottsfühe gefahren war, warteten wir eben auf das nächste Aliscafo um 12.00 Uhr. Nach einer halben Stunde Überfahrt sahen wir Ponza! Gudruns Trauminsel!
Nach einigem Umhergucken und -fragen bequemten wir uns ins Hotel Capitano. Ganz ordentlich. Aber es regnete. Und es wurde kühler. Und die Stadt bestand aus 500 Häusern und 50000 Treppenstufen.
Und die Preise: Am Abend suchten wir selbstverständlich eine Trattoria. Es gibt viele, viele, doch die Preise erschienen uns (obwohl Italienkenner) doch ein wenig übertrieben. Und da sahen wir eine kleine einfache saubere Trattoria, zwar ohne Speisekarte (gibt ja nur zwei Essen), sah aber irgendwie preiswert aus.
Wie man sich doch täuschen kann! Wir zahlten für zwei Teller Pasta mit Scampi, eine Flasche Rotwein und zwei Lemoncello sage und schreibe rund 90,- DM!!!!! Auf Nachfragen: Ja,ja, ein Teller Pasta zu 33,- DM. Sowas ist Nepp. Ponza fing ja schon gut an.
Und das waren keine Ausländerpreise, sondern zwei italienische Damen mit Kindern am Nachbartisch schienen beim Zahlen auch etwas überrascht zu sein. Beide trafen wir im Hotel wieder. Beim nächsten Frühstück sprach ich sie an: Sie begannen sofort zu schimpfen: Über den gestrigen Abend im besonderen und über die Inselpreise im allgemeinen! Aha! Nicht so gut.
Was soll's. Zwei Nächte blieben wir im Hotel, betrachteten uns ganz Ponza ausführlich und kamen zu dem Schluß, daß es eine schöne Insel ist, aber daß die Einwohner sich selbst das Geschäft versauen.
Wir fuhren also wieder mit der Fähre nach Formia und gleich mit dem Bus weiter nach Gaeta. Unterkunft: Hotel Serapo! Direkt am Meer, auf der "Strand"-Seite von Gaeta, nicht verwechseln mit der "Hafen"-Seite.
Und jetzt kamen die drei einzigen etwas schöneren Tage dieser Reise: Ausflug mit Linienbus nach Terracina: Sehr schöne Strand-Touristen-Stadt! Traumhaftes Ufer zwischen Gaeta und Terracina!
Ausflug, ebenfalls mit dem Linienbus nach Monte Cassino: Abruzzen! Klasse!
Eingehendes Besichtigen von Gaeta: Einfach toll! Eigentlich könnte man hier den Rest des Lebens bleiben: quirlige typisch italienische Stadt. Hafen, Burg, Dom, Berge, Meer, Strand, Fisch, großer Food- und Non-Food-Markt, gute und (vor allem einigermaßen) preiswerte Restaurants.
Kleiner Wermutstropfen: Gudrun (keine Hörnchenesserin) freute sich wahnsinnig aufs Frühstücksbuffet im Hotel. Frage beim Einchecken: Frühstück? Antwort des dienstbaren Engels an der Rezeption: Ja, Buffet, mit ALLEM!
Ha! Drei Sorten Marmelade, vier Sorten Hörnchen, Weißbrot Zwieback. Es stimmte wörtlich: Das war ALLES! Und mein Schatz hatte sich schon so auf ihr Frühstücksei und etwas Schinken und Wurst gefreut. Na ja, Warum sollte es uns hier besser gehen als im Hotel in Ponza!
Der Rest ist schnell erzählt: Gaeta (und auch Formia) ist absolut zu empfehlen. Evtl. mit einem Tagesausflug nach Ponza. Nun denn, wir fuhren mit der Bahn zurück nach Rom und, weil wir bis zum abendlichen Abflug noch Zeit hatten, zog es uns nochmal nach Frascati: Mittagessen in der Cantina Pergolata. Kurzer Besuch bei Santino: hatte noch geschlossen! Bei Lella, der Königin der Porchetta auf dem Marktplatz: War gerade nicht da. Gut. Wäre ja auch eine Überraschung gewesen, wenn was geklappt höätte!
Na gut, also ab in den Flieger und heim. Soll ich noch erwähnen, daß wir mit Mühe und Not die letzte S-Bahn nach Mainz erreichten?
Fazit: ein Urlaub, nichts geplant, nichts im voraus gebucht und deswegen teilweise ein Albtraumerlebnis. BESSERMACHEN!