
Kalben - das Ende eines GletschersEs herrscht dichtes Schneetreiben. Nicht lange, und der Boden ist mit einer dicken Schicht aus Schnee bedeckt. Schneelage lagert sich auf Schneelage. Anfangs liegt der Schnee noch pulvrig auf dem Boden. Aber mit der schwerer werdenden Last, presse sich die unteren Schichten immer mehr zusammen. Der hohe Luftanteil im Pulverschnee reduziert sich auf 50 % im Altschnee. Die zarten Eiskristalle haben sich in eine körnige Masse verwandelt.

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 Gletscher-Eis wurde an Bord gehievt.
Foto: Mike Dojel
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Nach Tagen ununterbrochenen Schneiens, kommt endlich auch einmal die Sonne durch. Sie bringt die oberste Schicht des Altschnees zum Schmelzen. Tagsüber ist es recht mild, aber in der Nacht sorgen die niedrigen Temperaturen dafür, dass der Schnee wieder gefriert. Dieses Auf und Ab von Tauen und Wiedergefrieren, verursacht eine weitere Verdichtung des Schnees. Es entsteht das Firneis, aus dem sich schließlich das Gletschereis bildet. Das Eis ist jetzt so kompakt, dass es lufttundurchlässig ist und die eingeschlossenen Luftbläschen nicht mehr entweichen können.
Der folgende Sommer ist nass und kalt. Die Sonne hat nicht genug Kraft, die sich im Winter gebildete Eismasse zu tauen. Und der Winter setzt früh ein. So beginnt ein neuer Zyklus von Schneefall, Antauen und Gefrieren. Jahr für Jahr wird die Schicht mächtiger, bedeckt eine immer größere Fläche.
Inlandgletscher schmelzen an den sonnenbeschienen Hängen, und ihr Schmelzwasser ist häufig der Anfang eines Flusses. Im Gegensatz dazu, schieben sich die Küstengletscher langsam, manchmal nur wenige Zentimeter im Jahr, dem Meer entgegen. Irgendwann hat die blauschimmernde Eiswand den Küstensaum erreicht.

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 Der Amaliengletscher in Chile.
Foto: Mike Dojel
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Ständig brandet das Meer gegen diese gefrorene Mauer. Mit jedem Wellenschlag wird die Basis ausgehöhlt. Schon lange hängt der äußerste Rand des Gletschers frei über dem Wasser. Ebbe und Flut, Wind und Wellen zerren am Eis. Dann ist es so weit. Der freihängende Teil des Gletschers bricht mit Getöse ins Meer.
Hoch aufspritzende Fontänen begleiten den Vorgang. Je nach Größe des abgebrochenen Teils, gerät die ganze Bucht in Bewegung. Eisschollen, die eben noch still im Wasser lagen, vollführen heftige Sprünge, stellen sich steil auf. Kleinere, abgeschmolzene Eisberge hüpfen auf und ab. Noch in ziemlicher Entfernung merkt man ? der Gletscher kalbt.
Quelle: pairola-media (Mike Dojel)