Sizilien, Liparische Inseln, Frascati
Als wir beide freitags vor Pfingsten uns bei L-TUR nach einem Restplatzflug für 344,- DM nach Rom erkundigen wollten, fiel meinem Schatz ein Angebot an der Wand auf: "Catania 179,- DM (nur Flug) 15 Tage". Sie sieht mich an, ich sehe sie an..... Ist das wirklich wahr? Ja, sagt der dienstbare Geist hinter dem Tresen, es sind nur noch 2 Plätze frei. Geld raus, bezahlt! Abflug am Mittwoch. Solch ein Schnäppchen darf man sich nicht entgehen lassen! Die nächsten drei Tage verbrachten wir mit dem Wälzen von Reisekatalogen, um uns in etwa über das Unterkunftsangebot auf Sizilien kundig zu machen.
Mazzaro zwischen Taormina und Letojanni
Ab gings. Flug mit Aero-Lloyd von Frankfurt nach Catania, 2 Stunden ruhiger Flug, 11 Uhr dort. Der Ankunftsbereich in Catania-Aeroporto, klein, schnuckelig, laut, sizilianisch, Mamma wartet auf Pappa, Bambinis plärren, Hitze, Hupen, Geschnatter, Handy-Gepiepe: alles klar, wir waren da. Also, Bus in Stadtmitte gesucht, gefunden, Tickets in der Abflughalle geholt, in die Stadt gefahren und gleich in Bahnhofsnähe ein Hotel für den Abend vor dem Rückflug gebucht.
Im Bahnhof nahmen wir dann den Zug nach Letojanni, einem kleinen Städtchen neben Taormina, dem mondänen Badeort im Nordosten Siziliens. Dort blieben wir für zwei Tage im schnuckeligen Hotel "Peppe", dessen Besitzer gleichzeitig noch Bildhauer, Maler und Kunstschmied ist: jede Menge Gemälde, Statuen und Kunstgegenstände von ihm zieren das Hotel, den hübschen Innenhof (gleichzeitig Freiluftrestaurant) und alle Zimmer.
Am Donnerstag machten wir eine Rundreise um den Ätna mit der Ferrovia Circumetnea, der Schmalspur-Ätnaringbahn. Ein Erlebnis! Lavafelder ohne Ende, Rauchfahnen aus dem Krater, hunderttausende blühende Riesenkakteen, Agaven, Zitronenbäume, ein Blütenmeer!
Endstation der Tour war Catania, und von dort gings dann eben wieder zurück nach Letojanni.
Am Freitag gings mit dem Zug weiter nach Milazzo, dem Hauptfährhafen für die Liparischen Inseln. Übrigens.. Italien ist, wie viele andere europäische Länder, ein preiswertes Eisenbahnland: im Frühsommer 1998 kostete der Bahnkilometer nur 8 Pfennig, vergleichen sie das mal mit der Bundesbahn!!! (Ende 98 etwas aufgeschlagen auf 9,5 Pfennig). Von Milazzo also mit dem Aliscafo, dem Tragflügelboot, nach Lipari. Wir hatten uns schon vorher etwas ausgeguckt: entweder privat "Villa Rosa" oder ein bestimmtes preiswertes Hotel. Beim Aussteigen an der Mole zupft mich eine Frau am Ärmel: "Signore, vuole vedere la mia pensione 'Villa Rosa'? Questa è la loro camera!". Natürlich wollten wir das Zimmer sehen, zumal der von ihr angesagte Betrag pro Nacht uns sehr preiswert schien. Sie fuhr uns nur wenige Minuten vom Hafen zu ihrer Villa Rosa:
Da wir auch mal eine Hochseereise machen wollten (Hallo, Titanic!) erkundigten wir uns am nächsten Tag nach der Fähre nach Neapel: Weil die nur dreimal die Woche fährt, buchten wir für den nächsten Freitag, sonst hätten wir zu früh dieses Paradies verlassen müssen.
Die nächsten Tage waren ausgefüllt mit gucken, staunen, freuen, schwitzen, genießen, baden, essen, trinken, faulenzen und vor allem: die wunderbare und liebe Gastfreundschaft der Liparoten zu erleben! Nur ein paar Hinweise für Neugierige: Unbedingt anzusehen (und auszuprobieren!) sind die heißen Schwefelbäder auf Vulcano (man riecht die Insel, bevor man sie sieht), den Traumblick von Quattrocchi, den leckeren Malvasia-Wein, die Meeresfrüchte (als Antipasto genauso wie als Hauptgericht), die quirlige Altstadt von Lipari,
die ruhige Kaperninsel Salina, die Einöd-Eilande Filicudi und Alicudi und die Rauchfahne sowie die glühenden, kullernden Lavaströme des Stromboli! Alle Ziele sind bequem mit den öffentlichen Minibussen oder den Fähren zu erreichen.
Schade, daß es am Freitag aufs Schiff ging: keine Fähre sondern fast schon ein Ozeandampfer mit über hundert Zweierbettkajüten. Abfahrt 17 Uhr, langsam gings aus dem Hafen, ein letzter Blick auf die Traumkulisse von Lipari, Delphine spielten im Wasser (hatte ich noch nie gesehen!) ein Zwischenstopp auf Salina, dann noch einer auf Panarea, der Insel der Reichen und Schönen, und noch zwei auf Stromboli, dabei auch im Hafen Ginostro, dem kleinsten Hafen der Welt (tatsächlich! Wers nicht glaubt, soll selber hin und gucken!). Und weil es jetzt schon 22 Uhr war, konnte man im Dunkeln vom Deck aus die regelmäßigen Eruptionen des Stromboli, des Leuchtturms des Mittelmeeres, sowie die herabfließenden Lavaströme bestaunen!
Am nächsten Morgen nach einem Schaukelschlaf, der Steward des Traumschiffes weckte um 6 Uhr, bestiegen wir wieder das Festland in Neapel, nachdem Capri und Ischia im Vorbeifahren in der Morgensonne grüßten. Ein Frühstück in der Hafenbar, Straßenbahnfahrt durchs lebhafte Neapel zum Hauptbahnhof und weiter gings nach Rom. Meinem Schatz hatte ich dort eine Überraschung versprochen: Nicht Rom, wo ich schon 30 mal war, sondern Frascati, die kleine Weinstadt an den Hängen der Albaner Berge, mit einer Aussicht auf Rom,
die ihresgleichen sucht. Und nicht zu vergessen: der herrliche Frascatiwein in den Cantine, den kleinen Weinstuben, besonders bei Santino (herzliche Grüße von uns an ihn, falls jemand dorthinkommt. Wie man ihn findet? Jeder kennt die Adresse!) und in der Cantina Pergolata. Zu essen gabs Porchetta, Spanferkel, an allen Ständen auf dem Markt, ganz besonders gut bei Lella, der Königin der Porchetta. Unbedingt probieren, con crosta! Meraviglioso!
Dieser restliche Samstag, der Sonntag, der Montag und der halbe Dienstag waren ausgefüllt mit kleineren Ausflügen (geht alles mit Linienbussen oder S-Bahn) in die Umgebung, nach Albano, Castelgandolfo, selbstverständlich Rom und abends in eine Cantina in Frascati. Achtung, liebe Frascatitrinker: Der Wein ist sehr billig und die Gässchen sind sehr steil und das Pflaster ist sehr glatt und das Gleichgewichtsorgan ist sehr gestört und die Flecken in der Kleidung gehen anschließend sehr schwer wieder raus!
Nun gut: Am Dienstag fuhren wir wieder von Roma Termini mit dem Zug nach Catania, 9 Stunden, aber traumhaft, die ganze Küste von Rom über die Campania rund um Neapel, ganz Kalabrien und die sizilianische Ostküste wurde an uns wie auf einem Tablett vorbeigetragen! Nicht zu vergessen: Der Zug fuhr in Reggio komplett mit seinen 15 Wagen auf die Eisenbahnfähre über die Meerenge von Messina hinüber nach Sizilien! Und weil wir schon unser Hotel gebucht hatten (s.o.), konnten wir diesen letzten Abend noch ruhig in Catania am Fuße des Ätna verbringen, bevor wir am nächsten Tag vom dortigen Flughafen aus den Heimflug antraten.
Fazit: ein Urlaub, nicht geplant, nichts im voraus gebucht und deswegen ein Traumerlebnis. NACHMACHEN!