Italien: Ligurische Küste von Genua bis Neapel
Die Kinder hatten ihre Reise schon gebucht: Silke und Alexander wollten nach Griechenland. Deswegen boten sie uns Freitag abends beim einem Abschiedstreff in einem unsrer Kneipchen an, ihren Wagen zu benutzen, da sie ihn 14 Tage lang nicht benötigen würden. Okay! Und was nun? Jetzt, 21 Uhr? Freitag? Ab nach Italien!
Der kleine Peugeot war schnell gepackt (mein Schatz nimmt Sachen mit, die für 10 Wochen vom Polarkreis bis zum Äquator reichen) und um 23 Uhr fuhren wir los: Ganz ganz ruhige und langsame Fahrt mit vielen Pausen, Autobahn Mainz, Darmstadt, Karlsruhe, Freiburg, Basel, Schweiz!, Vierwaldstätter See ("oooooch, das will ich mal im Hellen sehen, ja, Hase?"), Gotthard-Tunnel (mein Lieblingstunnel), Lugano (ausgiebige Rast), Chiasso. Und als es langsam hell wurde, waren wir schon an Mailand vorbei. Obwohl Samstag morgen, waren doch nur wenige Fahrzeuge unterwegs, erst recht auf der neuen Autobahn zwischen Alessandria und Genua. Diese musste ich zwangsläufig nehmen, da ich die direkte Strecke vom Mailänder Ring nach Genua verpaßte und deswegen erst ein Stückchen Richtung Turin fuhr.
Mein Schatz schlief sanft neben mir ein, und als sie wieder aufwachte, waren wir schon auf der Uferstraße hinter Genua in Richtung Süden. Wir hielten in Santa Margherita, einem kleinen mondänen Badeort, genau zwischen Rapallo und Portofino. Oh mein Gott! Ich bin ja von Italien und besonders von Rom das Preisniveau gewöhnt, aber hier ........! Und für einen einzigen Caffè das zu bezahlen, wofür man sonst ein vernünftiges komplettes Frühstück bekommt, das war denn doch zuviel des Guten.Trotzdem bestaunten wir ausgiebig das herrliche Panorama! Kein Wunder, daß die ausgeleierten amerikanischen Filmdiven und ihre älteren weiblichen Fans hier ihr 'Wonderful Europe' finden. Hinfahren, angucken!
Unser Frühstück fanden wir dann in Sestri Levante, die Gegend ist zwar nicht mehr ganz so grandios, aber die Preise sind doch erträglicher. Weiter gings: durch La Spezia (alle Matrosen Italiens bekamen gerade ihren Wochendendausgang, und dementsprechend ging es auch in Schrittgeschwindigkeit durch die Stadt), vorbei an Pisa nach Donoratico (genauer gesagt nach Marina di Castagneto Carducci - Donoratico), einem wunderhübschen, kleinen, verträumten Bade- und Touristendörfchen an der toskanischen Küste. Aber: una camera libera? No, signori, mi dispiace! Nichts zu kriegen. Und das im September!
Wir waren enttäuscht, weil wir doch einige Tage an diesen wunderschönen Strand wollten. Ins Hinterland, natürlich auch schön, wollten wir nicht, weil wir doch so gerne den morgendlichen Ausblick aufs rauschende Meer genießen. Was tun? Auch alle Nachbarorte Richtung Süden waren dicht. Und da erinnerte ich mich an die alte und wichtige Regel in Italien: Nicht dorthin gehen, wo die Touristen sind, sondern wo die Einheimischen wohnen, arbeiten, leben. Und siehe da: In Follonica, wenige Kilometer südlich von Piombino fanden wir kilometerlangen blitzsauberen Strand (leer), eine Menge Hotels aller Preisklassen (leer und preiswert), viele gute Restaurants, Geschäfte und vor allem: liebe, nette, freundliche und nicht durch Touristen genervte Italiener. Und dies galt bis zum Ende dieser Reise!
Hier blieben wir mit Vollpension (Mein Gott, wo haben wir das gute und reichliche Essen nur hingesteckt? Die Badezimmerwaage zu Hause läßt grüßen!) für fünf Tage und Nächte, Samstag nachmittag bis Donnerstag vormittag. Die Stadt ist vom internationalen Tourismus noch völlig unentdeckt (gottseidank) außer natürlich wie überall in Italien im Juli und August von den Italienern selber.
Am Donnerstag hielt es uns nicht mehr, es ging weiter Richtung Süden. In der Nähe von Grosseto entdeckten wir das Hinweisschild: Monte Argentario und Isola del Giglio. Eine Insel? Nichts wie hin! Und als wir vom Fährhafen Santo Stefano mit Auto auf die Fähre geladen wurden, grüßte schon von ferne die Insel Giglio, die Perle der Toscana!
Ein herrliches Fleckchen Erde, ruhig, saubere Strände, kristallklares Wasser, kleine Buchten und wunderschöne Aussichten, besonders von dem Bergstädtchen Giglio Castello aus. Dort blieben wir bis Samstag im Hotel Arenella, und wir fuhren nicht weiter, bevor wir nicht versprochen hatten, irgendwann wieder hierher zurückzukommen.
Unsere nächste Station war Rom, (selbstverständlich!!!!!, ich war ja erst 29 Mal vorher da), und meinem Schatz zeigte ich die Stadt: Kapitol, Forum, Colosseum, Fontana di Trevi, Piazza Navona (mein Lieblingsplatz), Spanische Treppe, Pantheon, Petersdom (mit Kuppelbesteigung), Pyramide, und und und und .... Leider war es relativ heiß und mein Schatz nicht so sehr für Besichtigungsgewalttouren zu haben und so fuhren wir am Montag wieder weiter Richtung Süden: Zuerst gemütlich durch die Albaner Berge vorbei am See (Kennt ihr dort die Stelle, wo die Fahrzeuge durch geheime Erdkräfte bergauf rollen? Müsst ihr mal ausprobieren, ist irre!) über Aprilia und Nettuno, Gaeta und Formia nach Baia Domizia, 50 km vor Neapel, einem reinen Toristenort, aber im September ausgestorben.
Von 40 Restaurants und 20 Hotels waren nur je zwei geöffnet, und somit gehörten wieder mal 10 Kilometer feiner Sandstrand uns beiden alleine. Auch das Personal, die abendliche Hotelbarbesatzung zusammen mit dem Hotelbesitzer, waren nur für uns beide da, Freundschaftschließen und gegenseitige Einladungen eingeschlossen.
Wir blieben an diesem Südseestrand von Montag abend bis Donnerstag, und nach einer ausgiebigen Besichtigung von Vesuv und Neapel, sowie der beiden Hafenstädtchen Formia und Gaeta (fahren wir nochmal hin!), machten wir uns auf die Heimreise. Weil wir ja so tief im Süden waren, sollten noch zwei Zwischenübernachtungen drin sein. Nun denn: Wieder zurück quer übers Land, Richtung Toscana nach Montefiascone (EST! EST! EST!), Montalcino (Brunello) und Montepulciano (Nobile), Weinlagen, die uns das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen! Und in Sambuca (hat leider nur den Namen mit dem schmackhaften Bitter gemeinsam) rasteten wir im Albergho Zucchi, mitten im Chiantigebiet!
O sole und o vino mio! Schweren Herzens stiegen wir am Freitag nachmittag wieder in das Auto und auf der Autobahn zwischen Florenz und Bologna geschah es: Ein herrenloser Metallstab, ca. einen halben Meter lang, wirbelte von der Gegenfahrbahn über den Grünstreifen hinweg auf uns zu und geriet unter den Wagen, etwa bei Tempo 100. Schrecksekunde! Es gab unter dem Fahrzeug ein häßliches Schlaggeräusch und das war es auch schon. Denkste! Einige Fahrer hinter uns hupten wie wild und deuteten auf unser Auto! Da die nächste Ausfahrt, Sasso Marconi, glücklicherweise nur einen Kilometer entfernt war, gings raus und sofort auf einen Parkplatz hinter der Mautstelle.
Und da sahen wir die Bescherung: Öl lief fingerdick aus, Öldruckleuchte ging aber nicht an, aha! Getriebeöl! An eine Weiterfahrt war nicht zu denken. Und nun begann das Wunder: Wir fanden an diesem Freitag eine Peugeot-Werkstatt ganz in der Nähe, wir fanden einen ganz, ganz lieben Werkstattbesitzer, Luciano Baldazzi, einen passionierten und pensionierten Rennfahrer, Formel 2000, der uns das Getriebe zuerst mit dem vom Auto seiner Tochter auswechseln wollte, und weil das nicht klappte, unser defektes Getriebe lötete, klebte, abdichtete. Und weil wir an diesem Freitag in Sasso Marconi kein Hotel fanden (Industriemesse im nahen Bologna), mit uns noch von Hotel zu Hotel fuhr, um uns eine Unterkunft zu besorgen. Und der am Fahrzeug bis um 2 (zwei ! !) Uhr nachts werkelte, bis alles fertig war. Und der dann keinen Pfennig Geld an Ort und Stelle verlangte, sondern sagte, wir sollten es ihm schicken, wenn wir wieder zu Hause seien. Noch Fragen zur Freundlichkeit der Italiener?
Also: Am nächsten Tag ging es nach vielen Umarmungen von Sasso Marconi aus weiter Richtung Como quer übers Land und über Landstraßen. Unterwegs deckten wir uns noch in der herrlichen Emilia Romagna mit Parmesankäse ein, bestaunten Bergamo und Como und fuhren über den Gotthard-Pass und über Rheinweiler am Oberrhein (Übernachtung im wunderschönen alten Gasthof) durch den Elsaß (hoch lebe die elsässische Küche) und die Pfalz nach Hause, nicht ohne vorher noch in einem Weingut in der Nähe von Alsheim-Mettenheim ein kräftiges-deftiges Winzerabendessen zu uns genommen zu haben.
Fazit: ein Urlaub, nichts geplant, nichts im voraus gebucht und deswegen ein Traumerlebnis. NACHMACHEN!
Wer über diese Reise genaueres wissen will, Tips, Adressen u.ä.: bitte anmailen!