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Trekking in Südgrönland

SÜDGRÖNLAND

So stehen wir nun da, bepackt wie die Esel am Bahnhof in Mannheim. Die Warterei auf den Zug vergeht viel zu schnell. Haben wir nicht doch noch etwas äußerst Wichtiges vergessen? Kind hast Du auch alles und komm heil wieder! Thomas Mutter hat uns zum Bahnhof gebracht.
Ich glaub, in solchen Situationen reagieren alle Mütter dieser Welt gleich. Mit einem etwas flauen Gefühl in der Magengegend suchen wir uns einen Platz im Interschitti nach Köln. Dort müßen wir umsteigen in den Zug nach Osnabrück. In Osnabrück wollen Jörn, Günter und Wölle zusteigen. Aber bis dahin vergehen noch einige Stunden.
Jetzt gehts los! Der Zug rumpelte an, Winke-Winke, und weiter gen Norden. Erst mal was Bier trinken, das entspannt. Irgendwann sind wir, Thomas und ich, dann wohl eingeschlafen. In den vergangenen Tage wurde es doch immer ziemlich spät. Ein lautes Getöse reißt uns jäh aus dem Schlummer. Vor dem Fenster fliegen irgendwelche Teile vorbei. Kurz darauf meldet sich eine beruhigende Stimme aus dem Lautsprecher und sagt, es gibt heute keine warmen Speisen und Getränke im Speisewagen, ein Transformator ist ausgefallen. Was waren das noch gleich für Teile, die da am Fenster vorbei flogen? Nein ein Trafo ist viel, viel größer. Thomas hat etwas Flugangst und ist mit mir nun einer Meinung. Bahnfahren ist auch nicht ungefährlich, aber auch nicht uninteressanter.
Das Umsteigen in Köln funktioniert prima, kaum Warterei. In Osnabrück stehen die drei anderen Jungs mit jeder Menge Bier im Gepäck. Bis Hamburg vergeht die Zeit wie im Fluge. Jörn macht sich Gedanken darüber, wer wohl das sexte Bett im Liegewagen nach Kopenhagen bekommt. Die werden doch wohl nicht eine junge Frau zu einer Horde betrunkener Halbwilder legen? Also nein, das geht nicht.
In Hamburg schnell noch was Bier kaufen, dann kommt auch schon der Zug mit dem Liegewagen. Tatsächlich, die sechste Person eine junge hübsche Frau. Aber die Schaffnerin hat es selbst schon eingesehen und einen Platz woanders freigehalten. Das wär auch gar nicht gegangen. Wer die Liegewagen kennt, der weis wie geräumig die sind. Mit fünf Leuten und fünf hausgroßen Rucksäcken, das ist beinahe so als wären da 10 Mann drinn. Von der Verladung auf die Fähre spür ich nichts. Ich penn bis kurz vor Kopenhagen. Jetzt aber raus. Der Bahnhof von Kopenhagen ist sehenswert, interessantes Konstrukt. Dafür haben wir aber wenig Zeit. Frische Brötchen kaufen, die letzten für die nächsten drei Wochen und schauen wo der Bus zum Flughafen Kastrup abfährt. Der Fahrpreis ist annehmbar. Am Flughafen müssen wir noch etwas warten, der Flug geht erst um 11. Gepäck aufgeben. Endlich mal ne genaue Waage. Mein Rucksack bringt 24 kg in die Schale, die anderen sind auch nicht leichter. Das Personal diskutiert hin und her, 20 kg ist Limit. Sie einigen sich dann darauf, daß sie alles zusammen als Gruppengepäck annehmen. Mir ist schleierhaft wie die Rucksäcke dadurch leichter werden. Sie verschwinden im dunklen Tunnel des Förderbands.
Sicherheitskontrolle. Bei mir piepst es, ach ja, am Kompass in meiner Jacken- tasche hängt ein kleines Metallplättchen um die Abweichung einzustellen. Kaum zu glauben, daß das Gerät auf so etwas reagiert.
Der Flug ist ziemlich hektisch. Kaum das wir sitzen, kommen die Stewardessen und verteilen Zeitungen. Als alle Fluggäste bedient sind, kommen sie schon wieder. Getränke, na ja, erst mal was Bier trinken, das entspannt. Jetzt kommen sie schon wieder, Duty Free.
Aber jetzt gibts was zu essen. Danach Kaffee und andere Getränke und schon wird wieder alles abgeräumt.
Zwischenlandung auf Island. Der Himmel draussen ist wolkenverhangen. Dreissig Minuten Aufenthalt, dann gehts weiter. Die Crew hat gewechselt, der Flieger ist der selbe geblieben. Die Ansagen auf grönländisch kann wohl wirklich nur ein Grönländer verstehen. Die sitzen nun vermehrt in den Reihen, Urlaub auf Island.
Wie gehabt, Zeitungen, Getränke, Duty Free, Essen, Getränke und abräumen. Eine 747 ist auch so schon klein genug, aber diese ständige Rennerei im Korridor macht mich ganz vogelig. Ne, gemütlich ist was anderes. Unter uns die Westküste Grönlands. Das Gedränge wird noch schlimmer. Alles stürtzt auf die eine Fensterseite und will rausschauen. Im Nu sind wir drüber, von hier oben schaut alles ziemlich öd aus. Braun, mit weißen Flecken, die sich bis zum Horizont zu einer einzigen weißen Fläche verdichten. Das ist das Inlandeis. Nur hin und wieder durchstechen Berge mit ihren Gipfeln die monotone Fläche. Nunataks nennen sie die Grönländer. Das Inlandeis ist bis zu 3000 Meter mächtig. An den Rändern quillt es wie ein Hirsebrei über die Randgebirge.
Der Landeanflug wird spektakulär. Tief runter, Steilkurve nach links, nochmal runter, Steilkurve nach rechts. Draussen weht wohl ein kräftiger Wind? Aber dann haben wirs doch geschafft. Tosender Beifall für den Piloten. Später erzählt mir ein ehemaliger Pilot der Eiswacht, das auf diesen Strecken nur gediente Piloten der Eiswacht fliegen, die sind das so gewohn von ihren kleinen Jets und machen jedes mal ein solches Theater, sozusagen als Be- grüßung. Die Eiswacht ist eine Organisation, die ständig den Eisgang vor der grönlandischen Küste beobachtet und Warnungen für die Schifffahrt herausgibt. Anfang der sechziger Jahre ist vor Grönland die Hedhoft gesunken, nachdem sie mit einem Eisberg kollidierte. Auch die Titanic hat einen grönlandischen Eisberg gerammt, aber die war etwas größer.
Mit im Flieger waren eine Gruppe Dänen, die haben die ganze Zeit über gesoffen wie die Schweden. Beim Warten aufs Gepäck nimmt einer einen tiefen Schluck aus einer Strohrumflasche. So was hab ich meiner Lebtag noch nicht gesehen. In seinen Augen kann man richtig sehen wie ihm der Alkohol zu Kopf steigt. Etwas später sind aus der Toilette unappetitliche Geräusche zu hören.
Der Flugplatz von Narsarsuaq ist relativ klein. Er wurde während des Zweiten Weltkriegs von den Amerikanern angelegt. Nachdem Deutschland meinte es müsse sein Reich auf Dänemark ausdehnen, waren die Grönländer praktisch abgeschnitten. Wie es so die amerikanische Art ist, haben die sogleich die Versorgung der Bevölkerung übernommen und im Gegenzug das Recht erhalten, dort Stützpunkte zu errichten.
Der größte Stützpunkt auf Grönland ist Thule Airbase, dort stehen die Langstreckenbomber und warten auf den Ernstfall. In den sechzigern ging ihnen mal so ein Teil verloren, das jetzt mit seinen Wasserstoffbomben vor der Küste liegt und vor sich hin rottet.
Narsasuaq wurde von den Amerikanern Blue West I genannt. Während des Koreakrieges sollten dort die Verwundeten rehabilitiert werden. Na, ich würd mich bedanken, müßte ich in so einer abgelegenen Gegend der Welt darauf warten, bis ich wieder halbwegs normal bin.
So richtig wurde die Station aber nie in Betrieb genommen. Man hat sie später wieder abgerissen. Nur der Kamin des Offizierskasinos steht noch und jede Menge Masten der Funkanlage.
Ach da kommt endlich mein geliebter Rucksack, jetzt kann eigentlich nichts mehr schief gehen.



Homepage: http://www.uni-ulm.de/~mburret/Eingemachtes/Trekking/Nordamerika/Groenland/Suedgroenland.html

 
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Info Reisebericht
Reiseland: Dänemark
Datum der Reise: 1991
Dauer der Reise:
Autor: Michael Burret
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