Costa Rica - Dschungel, Feuerkegel und Tukane
Costa Rica Dschungel, Feuerkegel und Tukane
Reiseeindrücke Jahreswechsel 2002/2003
Reiseroute
27.12.2002 Berlin - Amsterdam - Miami - San Jose
Nach den Weihnachtsfeiertagen fällt uns das frühe Aufstehen recht schwer, aber der Flieger nach
Amsterdam, der uns der Sonne schon etwas näher bringt, startet bereits um 6:30 h. Der Versuch,
am Amsterdamer Flughafen Colones (Costa Ricas Landeswährung) zu erstehen, scheiterte leider an
der verfügbaren Menge (keine 50 -).
Als wir in den Anschlussflieger von Martinair einsteigen,
haben wir ein ungutes Gefühl - es war uns nicht bewußt, dass für den Flug über den Atlantik auch
eine Zweiturbinenmaschine zulässig ist. Das Gefühl setzt sich angesichts des offensichtlichen
Alters der Maschine im Inneren fort. Über die Service- und Essens-Qualität gibt es ebenfalls
wenig Positives zu berichten, doch die nicht vorhandene Beinfreiheit überbietet alles.
Eine Zumutung! Auch wenn wir dennoch sicher zunächst in Miami und später in San Jose ankommen,
werden wir bei der nächsten Reise eindeutig eine andere Fluggesellschaft wählen. Für den kurzen
Aufenthalt in Miami haben sich die Amerikaner etwas ganz Besonderes zum Zeitvertreib für uns
ausgedacht - es reicht nicht, die eineinhalb Stunden in der Transfer Lounge zu verbringen, an
der wir vorbeigeführt werden, nein wir müssen durch die Immigration. Natürlich sind wir nicht die
Einzigen, so dass uns die ganze Abfertigung locker eine Stunde kostet. Unmittelbar danach drehen
wir wieder um und marschieren in besagte Lounge zurück.
Gegen 18:00 h Ortszeit (7 Stunden Zeitverschiebung) kommen wir in San Jose an. Aufgrund der
Äquator-Nähe (8. - 10. nördlicher Breitengrad) ist es schon dunkel, aber angenehm warm. Geübt im
Schlange stehen meistem wir die Immigration.
Als üblicherweise Individual-Reisende erwarten wir die organisierte TUI-Tour mit zurückhaltender
Spannung. Die Reiseleitung nimmt uns gleich in Empfang und bringt uns zum Transfer-Bus. Angesichts
der Tatsache, dass noch nicht alle Teilnehmer da sind, dürfen wir nach langem Zureden doch noch
einmal unser Glück versuchen, Bargeld zu erstehen. Leider wird uns die Wechselstube verschwiegen.
Wie das Schicksal es will, tauscht die Bank nur US Dollar und der Bankautomat will nicht gehorchen,
so dass wir ohne Erfolg zum Bus zurückkehren. Die Reiseleitung nimmt uns dann auch noch die
letzte Hoffnung, unsere Euros loszuwerden. Entgegen anderslautender Reiseführerinformation ist
der Umtausch von Euros nur an der Zentralbank in San Jose möglich - selbstredend, dass unser
weiterer Reiseplan dies nicht vorsieht. Dabei wollten wir besonders schlau sein und doppelte
Umtauschgebühren (US$ / Colones) vermeiden. Gott sei Dank gelingt es uns am nächsten Morgen in
Hotelnähe, einen Bankautomaten mittels Kreditkarte zu plündern, so dass wir neben den bereits
gebuchten Mahlzeiten auch noch etwas zu trinken werden erwerben dürfen.
Das Hotel Occidental Torremolinos (****) macht einen ganz passablen Eindruck und kommt uns
angesichts der sich nunmehr breit machenden Müdigkeit sehr entgegen. Jetlag-vorbeugend versuchen
wir uns bis 21:00 h wach zu halten und kapitulieren um 20:00 h. Als ab 2:00 h morgens eine
Autoalarmanlage pausenlos lärmt, sind wir froh wenigstens 4 Stunden geschlafen zu haben.
28.12.2002 San Jose - Gandoca
Ein wider Erwarten umfangreiches Frühstück entschädigt uns ein wenig für den fehlenden Schlaf.
Glücklicherweise ist das Hotel mit einem Internet-Anschluss ausgestattet. So können wir auch
ohne funktionierendes D1-Netz ein Lebenszeichen in die Heimat senden. Um 8:00 h holt uns ein in
Korea gebauter Kleinbus zur 270 km langen Fahrt über Guapiles, Siquirres, Puerto Limon nach
Gandoca an der Karibikküste in der Region Limon ab.
Das Wetter ist uns noch nicht wohlgesonnen. Dafür hat die Fahrt durch die Nebelwälder etwas
Faszinierendes. Teilweise befinden wir uns auf Wolkenhöhe oder erhaschen einen Blick in ein
tiefes, sattgrünes Tal und entdecken einige Wasserfälle. Uns fehlt es an geologischem Wissen,
um zu erkennen, wie viele der insgesamt 12 Vegetationszonen in Costa Rica wir durchfahren.
Die Rast, die wir nach zweistündiger Fahrt einlegen, kommt uns angesichts der schlechten Federung
und des eingeschränkten Platzangebotes sehr entgegen.
Langsam nähern wir uns Puerto Limon und damit auch der Küste. Wir fahren vorbei an riesigen
Kaffee-, Bananen- und Ananasplantagen. Die Straßen werden zunehmend schlechter, was nicht nur die
Folgen der Anfang Dezember an der Karibikküste stattgefundenen Überschwemmungen (der Präsident
hatte den Notstand ausgerufen) sind. Noch vor gut 100 Jahren war die gesamte Region von dichtem,
schwer zugänglichem Regenwald bedeckt. Erst mit Beginn der Kaffee-, Kakao- und später Bananenexporte
wurde das Gebiet erschlossen. Mit den Bananenplantagen der United Fruit Company kam auch eine
Eisenbahnlinie in die Region, die den Export erleichterte.
Gegen Mittag erreichen wir unser Ziel für die nächsten zwei Tage - die "Almonds & Corals Lodge" im
Gandoca Manzanillo Wildlife Refuge. Auch hier ist alles gut durchorganisiert. Zunächst
einmal gibt es Lunch. Vertrauend auf die Tagesdosis Perenterol und einen kleinen Whisky vor dem
Essen, wagen wir uns sogar an die frischen Fruchtsäfte heran. Ob die Coca-Cola-Sauce, die es zum
Hühnchen gab, wirklich selbige enthielt, werden wir wohl nie erfahren.
Nach dem Essen beziehen wir unsere Lodge oder besser unser Holzhaus auf Stelzen und sind absolut
positiv überrascht. Mosquito-Netze umspannen die offene Balkenkonstruktion. Ein Schlafzelt
schützt vor ungebetenen Einblicken. Toilette und Warmwasserdusche erleichtern uns
zivilisationsverwöhnten Touristen den Dschungel-Aufenthalt.
Den frei verfügbaren
Nachmittag verbringen wir am Strand. Auch bei grauem, wolkenverhangenen Himmel und tropischen
Wolkengüssen hat dies durchaus seinen Reiz. Erste Affen, Vögel und Krebse begleiten uns.
Jetlag- und vor allem Autosirenen-geschädigt ist der Abend bereits nach dem Abendessen für uns
beendet. Die Geräusche des tropischen Regenwaldes wiegen uns sanft in den Schlaf.
29.12.2002 Gandoca Manzanillo Wildlife Refuge
Der Tag beginnt um 6:00 h mit einer fälschlicherweise als "Nature Walk" bezeichneten Tour.
Auf dem Gelände der Lodge ist eine Art Lehrpfad angelegt. Ein Guide versucht uns anhand von
Schautafeln die Flora und Fauna näherzubringen, was ihm aber -auch aufgrund der unverständlichen
englischen Aussprache- nicht ganz gelingen will. Erwartungsvoll suchen wir die Bäume nach Vögeln
und anderen Urwaldtieren ab. Im Froschgehege wird es interessanter. Wir sehen Froscheier, die von
den Froschweibchen unterhalb großer Blätter abgelegt werden. Einige kleine rote Frösche zeigen
sich uns genauso wie einige Schmetterlinge. Die Tour endet mit einem kleinen Einblick
in das Leben der heute nur noch wenig verbreiteten indianischen Stämme und einer kleinen
Gewürzkunde. 30 US$ hätte diese Aktion kosten sollen, definitiv zu viel.
Angesichts des noch jungen Tages entschließen wir uns, den programmfreien weiteren Vormittag mit
einem kleinen Ausflug ins 10 km entfernte Aussteigerdorf Puerto Viejo zu füllen. Selbst im
Dschungel ist es möglich, hierfür ein Taxi zu rufen. Die schaukelige Fahrt über Schotterpisten
dauert ca. 15 Minuten. Mit dem Fahrer verabreden wir Zeit und Ort für die Rückfahrt und begeben
uns in das morgendliche Treiben - dass Leben scheint hier gerade erst zu erwachen.
Bunte, zum Teil sehr heruntergekommene, Boote säumen den Strand. Auch ausgebrannte Autowracks
scheinen -direkt vor der Gendarmerie- niemanden zu stören. Im Wasser liegt ein verrostetes und
wild bewachsenes Schiffswrack. Faszinierend ist, dass der helle Sandstrand an einer Stelle in
tiefschwarzen Sand übergeht. Das Wolkenband hat sich zwischenzeitlich verzogen, strahlend blauer
Himmel unterstreicht das Karibik-Gefühl.
Wir schlendern durch die kleinen bunten Dorfstraßen. Viele Aussteigertypen laufen uns über den
Weg. Bei einem kalten Getränk beobachten wir das Treiben am Strand - in der Luft liegt ein leicht
süßlicher Hanfgeruch. Viele einheimische Familien genießen den freien Sonntag am Strand.
An der verabredeten Stelle warten wir gerade auf unseren Taxifahrer, als wir von einem Fremden angesprochen werden.
Zunächst lehnen wir jede Kontaktaufnahme ab, bis wir näher hinhören und gefragt werden, ob wir
diejenigen seien, die zur Almonds und Corals Lodge wollen. Wir riskieren einen näheren Blick aufs
Auto, was man als solches kaum mehr bezeichnen kann. Die Beifahrertür lässt sich nicht öffnen,
die fehlenden Scheiben wurden durch Plastikfolie ersetzt und als Türgriff dient eine Zange -womit
die Mängel nur sehr oberflächlich beschrieben sind. Nach einigem Zögern steigen
wir dennoch ein und glauben dem Fahrer, dass sein Freund -inzwischen mit Familie am Strand-
ihn geschickt hat, zumal Uhrzeit und Fahrtziel bekannt sind. Gut durchgeschüttelt werden wir
auch tatsächlich an unserer Lodge abgesetzt.
Nach dem Lunch wartet auf uns eine weitere Attraktion - eine Canopy-Tour. Hinter diesem
Begriff verbirgt sich die eine costaricanische Erfindung, nämlich eine Baumkronen- oder
vielleicht eher -Tarzan--Tour. Hierfür ausgestattet gehen wir zunächst zu einer Teststrecke, wo
eine kleine Einweisung stattfindet. Unterwegs begegnen wir einem Faultier, das offensichtlich
dem wöchentlich stattfindenden Grundbedürfnis auf Nahrungsresteentsorgung folgt. Die Bewegungen
sind derart langsam, dass wir sogar eine Nahaufnahme machen können.
Nun kann die Canopy-Tour starten. Über Holztreppen nähern wir uns den Baumwipfeln und
erreichen die erste Plattform. Per Seil gesichert müssen wir nun eine Hängebrücke überqueren - für
nicht schwindelfreie die erste kleine Herausforderung. Dann wird es ernst. Die Rolle wird auf das
in 30 m Höhe angebrachte Seil gesetzt und selbstverständlich gesichert. Das mulmige Gefühl legt
sich, nachdem wir die erste Teiletappe gemeistert haben und auf der nächsten Plattform vom Guide
in Empfang genommen werden. Etwa zehn Drahtseile sind quer durch den Dschungel gespannt. In 30
bis 40 m Höhe bewegen wir uns von Baumkrone zu Baumkrone. In dieser Höhe zeigen sich uns ein paar
Affen - für Vogelbeobachtungen fehlt die Zeit. Insgesamt war die zweistündige (inkl. Einkleidung
und Teststrecke) Canopy-Tour ein schönes Erlebnis (für 40 US $ auch nicht ganz billig).
Natürlich ist Canopy nicht für jeden das Richtige, so dass Detlef die Zeit lieber am Strand
verbracht hat. Gemeinsam gehen wir nach der Tour am Strand entlang nach Manzanillo. Auch
hier haben sich viele Einheimische zum sonntäglichen Zeitvertreib eingefunden. Wir beobachten
das Treiben -die Strandspiele sind uns aus Europa wohl bekannt- und genießen ein kühles,
eiswürfelfreies "Cerveza".
Auch der heutige Abend endet kurz nach dem Abendessen. Aber die Geräusche beim Einschlafen im
Dschungel, so denn nicht amerikanische Jugendliche alles übertönen, sind schon toll.
30.12.2002 Gandoca - Tortuguero
Heute erwartet uns leider wieder eine Busfahrt. Unterwegs kommen wir an kilometerlangen
Bananenplantagen vorbei. Die Stauden sind in Plastiksäcke gehüllt, die in erster Linie
vor export-disqualifizierenden braunen Flecken schützen sollen, die entstehen können, wenn die
Pflanzen mit Insektenschutzmitteln besprüht werden.
An einer Del Monte-Plantage (Dole und
Chiquita sind in Costa Rica ebenfalls vertreten) legen wir einen kurzen Stopp ein und erfahren,
dass die Wachstumsperiode einer Staude 8 Monate beträgt. Bei der ganzjährigen Ernte sind die
Bananen noch grün. Erntereife Stauden werden mit farbigen Bändern gekennzeichnet. Die
vom "Cutter"
abgetrennten, etwa 25 kg schweren Stauden werden dann von einem Läufer zu einem Schienensystem
gebracht und dort eingehängt. Ein "Carrier" fasst 25 Stauden zusammen und zieht diese an einem
Schienensystem entlang zur Abpackstation. Hier können wir zusehen, wie die Bananen gewaschen,
aussortiert und verpackt werden. Die Rispen werden von den Stauden abgeschnitten und landen in
einem Becken, in dem Arbeiter hüfthoch im Wasser stehen, um minderwertige Bananen auszusortieren
und die übrigen nach Größe zu sortieren. Bananenbäume werden rund 25 Jahre lang genutzt und
benötigen extrem viel Feuchtigkeit. Der Boden benötigt danach ca. 5 - 7 Jahre um sich zu
regenerieren und liegt in dieser Zeit brach.
Nach etlichen Kilometern Schotterpiste kommen wir gut durchgeschüttelt in Cano Blanco an.
Unser Tagesziel, den Tortuguero Nationalpark erreicht man von hier aus nur per Boot.
Die 1 1/2 stündige Fahrt führt über Kanäle, wo wir bereits erste Eindrücke der vielseitigen
Fauna und Flora erhalten. Am Ufer sieht man immer wieder verschiedene Reiher und Seevögel.
In der "Laguna Lodge", einer schönen Anlage mit eigenem Schmetterlingsgarten, die auf einem
schmalen Landstreifen zwischen Kanal und Karibischem Meer liegt, werden wir die nächsten zwei
Nächte verbringen.
Nachmittags geht es per Boot zu dem kleinen Ort Tortuguero, wo ca. 1.200 Ticos, wie die
Einheimischen in Costa Rica genannt werden, vorwiegend vom Tourismus leben. Die Häuser und
Hütten liegen verstreut auf einem sich zwischen dem -großen Kanal- und dem Atlantik erstreckenden
Wiesenplateau, verbunden durch ein Netz von Trampelpfaden.
Unser Guide führt uns durch den Ort und zeigt uns einige Pflanzen und Tiere - u.a. einen jungen
Ameisenbär. Zum Schutz der vom Aussterben bedrohten Schildkröten, die am hiesigen Strand ihre
Eier ablegen, wurde eine Artenschutz-Station (www.cccturtle.org) eingerichtet, die wir ebenfalls
besichtigen und hierbei einen recht interessanten Film über Meeresschildkröten sehen.
Nach dem Abendessen gelingt es uns heute immerhin -vorbereitend auf den morgigen Silvesterabend-
uns bis nach 22:00 h wach zu halten.
31.12.2002 Tortuguero Nationalpark
Bereits um 6:00 h beginnt die erste von zwei Bootstouren in den Nationalpark. Der 19.000 Hektar
große Park umfasst mehrere Sümpfe, die sich 15 Kilometer weit ins Land hinein erstrecken. Erst
1970 wurde das Gebiet zugänglich gemacht, indem ein 113 Kilometer langer, parallel zur Küste
verlaufender Kanal angelegt wurde, der die verschiedenen Lagunen und Flüsse miteinander verbindet.
Auf der gesamten Strecke gibt es keine nennenswerten Siedlungen, auch wenn man gelegentlich an
einer brüchigen Bambushütte vorbeikommt, die zum Schutz vor Überflutung und Schlangen auf
Holzpfählen errichtet wurde.
Wir tuckern mit 3 mph am Ufer entlang und schauen gebannt auf die Bäume. Daniel, unser Guide,
spürt zusammen mit dem Fahrer des Bootes mit Argusaugen eine Vielzahl von Vögeln auf, deren Namen
wir leider nicht alle behalten können. Auch einige Affenarten wie Brüll- und Spinnenaffen zeigen
sich uns. Später gibt es noch Leguane, Schildkröten und Kaimane zu entdecken. Der sonst so
scheue Otter scheint uns zu mögen. Nicht nur, dass er sich in aller Seelenruhe auf einem
Baumstamm den Rücken scheuert, er taucht uns hinterher, um sich uns noch einmal kurz zu zeigen.
Ein besonders intensives Erlebnis haben wir, als wir für einige Minuten die absolute Stille
genießen - mit geschlossenen Augen ein sehr meditatives Erlebnis.
Angesichts des heutigen Silvestertages stoßen wir in Gedanken an alle
Daheimgebliebenen schon um 17:00 h mit Weißwein (mangels Sekt- oder Champagner-Alternativen) auf
das neue Jahr an. Erneute Telefonversuche scheitern, da der elterliche Anrufbeantworter leider
nicht entscheiden kann, ob er das R-Gespräch bezahlen soll oder nicht.
Die später stattfindenden Feierlichkeiten lassen -auch aufgrund der unerträglichen Musikqualität-
zu wünschen übrig. In der Hotelanlage gibt es offensichtlich nur eine Notbesetzung. Das übrige
Personal scheint zu wissen, wo die Party stattfindet. Müde Tanzversuche stellen wir schnell
wieder ein. Mit Mühe gelingt es uns, die Zeit bis Mitternacht rumzukriegen, um auch nach Costa
Rica-Zeit das neue Jahr angemessen zu beginnen. Vom Strand aus beobachten wir noch einmal den
tollen Sternenhimmel, bevor wir todmüde ins Bett fallen.
01.01.2003 Tortuguero - Sarapiqui
Leider müssen wir diese schöne Gegend heute wieder verlassen. Zum letzten Mal genießen wir auf
der 1 1/2 stündigen Bootsfahrt nach Cano Blanco die vielfältige Natur. Mit dem Bus geht es weiter
nach Sarapiqui zur "Quinta de la Sarapiqui Lodge", wo wir eine Zwischenstation einlegen,
bevor es weiter in die Vulkanregion geht. Auch diese Location ist wieder sehr schön angelegt und
bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten, sogar im Fluss können wir -bei relativ starker Strömung-
ein Bad genießen.
Sehr schön ist das Insektenmuseum, in dem neben den Insekten auch eine Vielzahl von
Schmetterlingen aus aller Welt ansprechend ausgestellt sind. Faszinierend ist ferner der
Schmetterlingsgarten. Unter einem hoch angelegten Netz-Zelt flattern an die 100 Schmetterlinge
herum und lassen sich -bis auf den immer aktiven großen Blue Morpho- gut fotografieren. Auf
einigen Blättern ist etwas, was auf den ersten Blick wie Vogelkot aussieht (und angeblich auch so
riechen soll) - die perfekte Tarnung einiger Raupen.
Eine Vielzahl tropischer Vögel -u.a. der Kolibri- sind ebenfalls auf dem Gelände zu entdecken.
02.01.2003 Sarapiqui - La Fortuna
Auf die für 25 US$ am Vormittag angebotene "Hilking-Tour" verzichten wir, nachdem wir herausgefunden
haben, dass es sich eigentlich nur um einen kleinen Vogelspaziergang handelt, genauso wie auf eine Rafting-Tour,
die einige Mitreisende unternehmen. Stattdessen starten wir einen selbstorganisierten -Pineapple Walk-.
Die Lodge ist von Ananasplantagen umgeben, wobei die Früchte ein unterschiedliches Reifestadium
aufweisen. Wir können einigen Arbeitern beim Besprühen der Felder und beim Ernten zusehen.
Nachdem wir noch einige Zeit auf dem schön angelegten Gelände der Lodge verbracht haben, werden
wir zur Weiterfahrt zum 95 km entfernten Ort La Fortuna abgeholt.
Gegen Mittag kommen wir in La Fortuna an und damit auch in der bis zur Grenze nach
Nicaragua reichenden nordöstlichen Provinz des Landes - Guanacaste, benannt nach dem Guanacasta-Baum
(wegen seiner ohrenähnlich geformten Früchte auch Ohrenbaum genannt), dem
Wappenbaum Costa Ricas.
Im Hotel Montana de Fuego beziehen wir unsere Lodge mit Blick auf
den 1643 m hohen, noch aktiven Vulkan Arenal. Am 29. Juli 1968 weckte ein Erdbeben den
schlafenden Riesen auf, dieser brach aus und begrub mit seinen Lavamassen die nahe gelegenen Stadt
Tabacon. Seitdem grummelt er unentwegt vor sich hin und es vergeht fast kein Tag ohne eine
kleinere Eruption.
Leider ist der Arenal an diesem Tag in dichte Wolken gehüllt. Die
Spitze des Vulkans lässt sich nicht einmal erahnen. Dieser Zustand ändert sich auch nicht, als
wir zur nahe gelegenen Aussichtsplattform fahren. Ein Grummeln, bei dem Wasserdampf aus dem
Vulkan ausgestoßen wird, lässt sich jedoch ab und zu hören.
Die meisten Touristen -so auch wir- entschädigen sich mit einem Besuch des Tabacon Resorts,
ein feudales Thermalbad, dass von einem heißen, schwefligen, vom Arenal kommenden Fluss gespeist
wird. Nachdem wir den Massenansturm etwas hinter uns gelassen haben, finden wir noch ein ruhiges
Plätzchen in einem der Becken. An die Temperaturen, die bis zu 40 Grad C erreichen, muss man
sich erst gewöhnen. Das Thermalbad ist sehr schön angelegt. In der aufwändig bepflanzten
Parkanlage erreicht man teilweise über Brücken eine Vielzahl unterschiedlicher Becken mit
künstlich angelegten Wasserfällen. Der richtige Ort für ein entspanntes Bad. Auch nach dem
feucht fröhlichen Zeitvertreib befindet sich der Vulkan leider immer noch in den Wolken, so dass
eine weitere Fahrt zur Aussichtsplattform ausfällt.
03.01.2003 La Fortuna - El Arenal
Der Tag empfängt uns mit noch dichterem Nebel als am Vortag. Als wir morgens die
Vorhänge zurückziehen, können wir kaum 50 m weit gucken - vom Vulkan ist rein gar nichts zu erkennen. Nach dem
Frühstück fahren wir mit einem Taxi zum 5 km entfernt gelegenen Ort La Fortuna. In der -Official
Tourist Information- informieren wir uns über Ausflugsziele und erfahren, dass auch am vorherigen
Abend ein Blick auf den Vulkankegel möglich war, allerdings nur von der anderen Seite des Vulkans
aus. Die von uns angesteuerte Aussichtsplattform bietet nur an wenigen Tagen einen freien Blick
auf den Vulkan, wohingegen die im Nationalpark gelegene gegenüberliegende Seite -aufgrund der
Windbedingungen- fast jeden Tag einen freien Blick bietet. Angesichts des schlechten Wetters und
des damit verbundenen derzeit nicht vorhandenen Vulkanblicks benötigen wir noch etwas
Bedenkzeit, um zu entscheiden, ob wir
noch einmal 20 US$ pro Person aufwenden wollen, um möglicherweise doch keine
Vulkanaktivität zu sehen.
Zunächst einmal steht eine Wanderung zum Wasserfall La Catarata auf unserem Programm. Per
Jeep-Taxi lassen wir uns die 5 km lange Schotterpiste bis zum Wanderweg hochfahren und werden
kurz hinter dem -Pferdeparkplatz- (das Schild -Horse parking- amüsiert uns sehr) abgesetzt. Über
einen schmalen Pfad (mit teilweise sehr glitschigen Stufen) kann man hinab zum Wasserfall
klettern, der mehrere zum Schwimmen geeignete Becken speist. Die 6 US$ Eintritt ist dieser ca. 70 m
hohe Wasserfall sicherlich nicht wert; dennoch eine schöne Wanderung.
Zu Fuß gehen wir zurück nach Fortuna. Leider fängt es an zu regnen. Wir sind schon ziemlich
durchnässt, als wir endlich eine Unterstellmöglichkeit finden - aber bei den sommerlichen
Temperaturen trocknet die Kleidung schnell wieder. An der Hauptstraße angekommen werden wir von
einem Bus in die Stadt mitgenommen. Nachdem wir für unser abendlich geplantes Picknick
eingekauft haben, ringen wir uns doch noch durch und buchen die abendliche Tour zum Vulkan.
Nachmittags müssen wir leider mit ansehen, wie sich der Himmel immer weiter zuzieht, was sich
mit Beginn der Tour leider nicht ändert - der Vulkankegel ist immer noch in Wolken. Als der
Fahrer den gleichen Weg zur Aussichtsplattform wie am Vorabend einschlägt, wächst unser
schlechtes Gefühl weiter an. Einige 100 Meter von der Plattform entfernt beginnt zunächst eine
Wanderung durch den Regenwald des Parque National Arenal. Unser -Think positive, you will
see red lava--Guide führt eine interessante Tour mit vielen Erklärungen durch den Regenwald,
was unsere Stimmung etwas hebt.
Auch nach der einstündigen Tour ist der Vulkan noch in Wolken.
Wir fahren zu einem anderen Aussichtspunkt auf der anderen Vulkanseite und sind erstaunt, dass
die Wolkendecke hier wesentlich dünner ist. Inzwischen ist die Dunkelheit hereingebrochen. Schon
nach wenigen Minuten erleben wir, wie -begleitet von einem starken Grummeln- , feine Lavaströme
den Abhang hinunterfließen. Immer noch verdecken einige Wolken den Kegel.
Der Anblick wird jedoch noch spektakulärer, als der Kegel kurze Zeit später fast wolkenfrei
ist und eine Vielzahl von Lavaströmen die
Silhouette des Kegels in der Dunkelheit nachzeichnen. Von dem kleinen Feuerwerk sind wir ganz
begeistert. Lediglich einige andere Tourteilnehmer nerven uns etwas, weil sie in völliger
Dunkelheit versuchen, den weit entfernten Vulkan mittels Blitzlichtgewitter zu fotografieren.
Auf der Lodge-Veranda genießen wir später dann unser abendliches Picknick. Zwei Frösche haben sich
offensichtlich verirrt und kleben an der Scheibe unserer Veranda. Von unserem Picknickplatz aus
sehen wir den Vulkan wieder in Wolken gehüllt - das soeben gesehene Lava-Schauspiel lässt sich
so nur schwer nachvollziehen.
04.01.2003 La Fortuna - Monteverde
Glücklicherweise haben wir noch einmal den Transfer-Voucher geprüft, denn der beschriebene
Reiseplan weicht davon um 4 Stunden ab. Mit einem völlig überfüllten Bus fahren wir zunächst ein
paar Kilometer zur Laguna de Arenal. Erst 1973 wurde dieser 124 qkm große Stausee,
basierend auf eine Talsenke, angelegt. Dabei überflutete der See mehrere
präkolumbische Stätten sowie die einzige Siedlung des Tals. Die Straßenverbindungen rund um den
Stausee sind sehr schlecht, daher queren wir per Boot den See, um vom anderen Ende
weiter nach Monteverde zu fahren. Vom Boot aus bieten uns einige Sonnenstrahlen schöne Lichtspiele über dem wolkenverhangenen
Vulkan.
Auf der anderen Seeseite angekommen scheint das Chaos auszubrechen. Zwei Boote mit ca. 50
Transfergästen sind zuviel. Die eine Hand weiß nicht, was die andere tut. Wir sollen aus dem Boot
aussteigen, kommen jedoch kaum heraus, da uns andere Reisende den Weg versperren. Einige Jeeps
und Kleinbusse stehen auf der oberen Plattform, aber keiner weiß, wo er einsteigen soll.
Etwas genervt warten wir und begutachten das Geschehen mit etwas Distanz. Die ersten Kleinbusse
sind schon befüllt und abfahrbereit. Da wir nicht angesprochen werden, bemühen wir uns nun selber
um einen Transfer. Ein Jeep-Fahrer ist glücklich, seinen Jeep mit uns zu füllen. Mühsam
verstaut er das Gepäck im Jeep. Zwei Gepäckstücke bleiben über - was nun. Mühsam wuchtet er
einen 30 kg schweren roten Koffer und einen weiteren Rucksack aufs Dach. Nun muss noch ein
Seil her, dass sich nach einigem Suchen im Innenraum findet. Ungeschickt werden die beiden
Gepäckstücke per Seil gesichert - ob das hält-
Wir quetschen uns ins Fahrzeug und los geht die
huckelige Fahrt hinauf nach Monteverde. Bei der ersten Bodenwelle hüpft der Koffer hoch - ein
Check ergibt - alles i.O.; weitere 35 km nervenzerrüttende Schotterstraßen durch die Berge liegen
vor uns. Die Almen, auf denen schwarz-weiße Holsteiner Kühe weiden, leuchten smaragdgrün. Nebel
hüllt die höheren Lagen ein. Auch einige Kaffeeplantagen sind an den Hängen zu
finden. Sehr schön ist ebenfalls der Ausblick auf den Golfo de Nicoya.
Nach eineinhalb Stunden Fahrt erreichen wir den kleinen Ort Santa Elena. Von hier aus sind es
noch weitere 5 km über noch schlechter werdende Straßen -Autovermieter erlauben die
Zufahrt nur mit Geländewagen- zur Trapp Family Lodge, unserer Unterkunft für die nächsten
beiden Nächte.
In Fußnähe liegt das Reserva Biologica del Bosque Nuboso de Monteverde, das
1972 von einer in den 50er Jahren eingewanderten Gruppe nordamerikanischer Quäker gegründet
wurde. Monteverde liegt auf ca. 1.500 m Höhe wie eine grüne Insel in einem durch Rodungen
schon sehr verwüsteten Gebiet.
Den Nachmittag nutzen wir, um eine kleine Wanderung nach Santa Elena zu unternehmen.
Auf dem Weg liegt eine Käsefabrik, die von den Quäkern, die sich 1951 hier niedergelassen hatten,
gegründet wurde. An der Vorderfront ist ein kleiner Laden, in dem man nicht nur die im ganzen
Land begehrten Käsesorten kaufen kann, sondern in dem auch das Postamt untergebracht ist.
Postzustellung gibt es hier nicht, man benötigt ein kleines Fach und muss dort seine Briefe
selber abholen. Ein kleines Fenster im Laden bietet einen allerdings sehr begrenzten Blick auf
die Käseerstellung.
Ein weiterer Halt lohnt sich an der Ecstasy Gallery - auch wenn es dort keine Tabletten
zu kaufen gibt. Der Eigentümer hat sich mit seinem mehrgeschossigen, am Hang gebauten Holzhaus
hier einen Traum verwirklicht. Auf drei Ebenen ist eine Galerie eingerichtet. Es werden
Kunstwerke, vorwiegend Skulpturen, von costaricanischen Künstlern, die teilweise ungewöhnlich
präsentiert werden, zum Verkauf angeboten. Leider ist der Versand der Kunstwerke nach Europa
ziemlich teuer.
Santa Elena als solches hat, abgesehen vielleicht von ein paar witzigen Geschäften mit
ungewöhnlich sortiertem Warenangebot, nicht viel zu bieten.
Von Reis, Bohnen und Hühnchen müde gönnen wir uns abends eine typisch italienische
Pizza bei "de Jonny".
05.01.2003 Monteverde
Heute steht eine geführte Wanderung im Reserva Biologica del Bosque Nuboso de
Monteverde auf dem Programm. Wieder einmal erleben wir ein tolles Naturerlebnis. Der Führer
erspäht mit Argusaugen eine Vielzahl von Vögeln, die versteckt im Blattwerk sitzen und fokussiert
diese mit einem Fernrohr - ohne Hilfe hätten wir rein gar nichts gesehen. Sogar den äußerst
seltenen Quetzal bekommen wir zu sehen und erfahren viel über den Nebelwald. Die ganze Zeit
nieselt es ein wenig. Die Tropfen sind jedoch so fein, dass man nicht wirklich nass wird.
Viel Vergnügen haben wir auch im Kolibri-Garten. Hier werden mittels Zuckerwassers Kolibris
angelockt und verweilen einige Sekunden in der Luft, während Sie die Flüssigkeit einsaugen.
Selbst aus nächster Nähe ist es dennoch schwierig, die quirligen Vögel zu fotografieren.
Auch ein kleiner Waschbär findet Geschmack an der süßen Flüssigkeit und macht sich kurzerhand an
der Vogeltränke zu schaffen.
Für nachmittags steht ein -Skywalk- im Reserva Bosque Nuboso Santa Elena auf dem
Programm. Die Baumwipfeltour führt über Hängebrücken durch das Reservat. Die sechste Brücke
wurde erst vor einem Jahr -nach knapp 3 Jahren Bauzeit- fertiggestellt. Es ist die längste
(300 m) und höchste (55 m hoch) und so breit, dass sogar Rollstuhlfahrer sie überqueren
können.
Viele Tiere sehen wir auf dieser Tour zwar nicht, dafür ist das Naturerlebnis und der
Blick auf die grüne Vegetation von oben sehr schön. Wir werden auch über den Irrtum aufgeklärt,
dass es sich bei den angeblichen -Lianen-, die Tarzan als Fortbewegungshilfe benutzt hat,
eigentlich um Wurzeln handelt. Die großen Bäume bilden hölzerne Luftwurzeln, um Nährstoffe und
Feuchtigkeit aus der Luft zu ziehen, die später den Boden erreichen und der Stabilisierung des
Baumes dienen. Diese Wurzeln sind im Gegensatz zu Lianen so stabil, dass man sich daran
entlanghangeln kann - wir haben es aber dennoch nicht selbst versucht.
06.01.2003 Monteverde - Manuel Antonio
Der Nebelwald hängt in den Wolken. Es regnet leider pausenlos. Daher sind wir froh, als unser
Transfer an die Pazifikküste in die Region Puntarenas gegen Mittag endlich losgeht. Die
vierstündige Fahrt (190 km) ist allerdings eine Tortur. Zunächst erwarten uns wieder 35 km
Schotterpiste, bis wir die Interamericana erreichen. Dann geht es glücklicherweise auf
gepflasterten Straßen weiter. Unser Fahrer scheint es besonders eilig zu haben, was ihm leider
ein 5.000 Colones-Ticket wegen Geschwindigkeitsüberschreitung einbringt. Nachmittags kommen wir
-im wahrsten Sinne des Wortes gerädert- in Manuel Antonio an. Die nächsten drei Nächte werden wir
im Hotel Casitas Eclipse verbringen, eine sehr schöne Hotelanlage. Eine Vielzahl von
Treppenstufen müssen wir meistern, bevor wir unseren Bungalow erreichen.
Den Abend lassen wir in einem witzigen Lokal -El Avion- -vis à vis vom Hotel- ausklingen.
Ein Amerikaner hat ein altes US-Militär-Transportflugzeug, dass bereits jahrelang auf dem
Flughafengelände in San Jose vor sich hin rottete, für 3.000 US$ gekauft und als
Bar-Restaurant-Disco auf dem Hügel ausgebaut.
07.01.2003 Parque Nacional Manuel Antonio
An das warme Klima der Pazifikküste müssen wir uns nach dem kühleren Nebelwald in
Monteverde erst gewöhnen. Zu Fuß gehen wir die abschüssige Strecke zum Nationalpark Manuel Antonio.
Die 8 US$ Eintritt bleiben uns heute erspart - die Tickets sind ausgegangen und wir erhalten
lediglich einen Stempel. Der 682 Hektar große Park dehnt sich auf einer Halbinsel am Fuß
bewaldeter Hügel aus und ist auf drei Seiten vom Pazifik umschlossen. Die Halbinsel besteht aus
einer lang gezogenen Sandbank, die eine ehemalige Insel, die Punta Catedral, mit dem Festland
verbindet. Im Park gibt es eine Vielzahl von kleinen Wanderwegen.
Über einen steilen Pfad gelangt
man zur Spitze der Halbinsel hinauf, die sich am Ende der Playa Espadilla Sur erhebt. Schweißgebadet
müssen wir häufig stehen bleiben und sind beruhigt, dass es allen Wanderern so geht. Mit schönen
Ausblicken werden wir belohnt.
Weitere Wege führen zu abgelegenen, einsamen -aber nicht ganz so einladenden- Stränden. Unterwegs
begegnen wir quirligen Weißschulterkapuzineraffen, die sich lustig von Baum zu Baum hangeln.
Am weißen Sandstrand Manuel Antonio ruhen wir uns bei einem Sonnenbad -allerdings unter
schattenspendenden Bäumen- aus. Das Wasser des Pazifiks ist beinahe zu warm, um wirklich zu
erfrischen. Trotzdem genießen wir das glasklare Wasser.
Am Strand liegend werden wir von einem kleinen Leguan besucht. Die Tiere sind hier inzwischen so
zahm geworden, dass Sie auch vor sonnenbadenden Touristen nicht zurückschrecken.
Von der Sonne schon ganz matt fahren wir am Nachmittag mit dem Shuttle-Bus in den 6,5 km
entfernten Ort Quepos,
um uns den kleinen Küstenort anzusehen. In den 30er Jahren war der Ort ein wichtiger Hafen für
die Bananenexporte. Nachdem die Standard Fruit Company die Bananenplantagen aufgegeben hat, ist
heute der Tourismus die Haupteinnahmequelle der Stadt. In vielen Shops werden Souvenirs
angeboten, die handwerklich zum Teil sehr schön sind. Wir laufen noch etwas durch die bunten
Straßen, bevor wir mit dem Bus zurück ins Hotel fahren.
Ein vielversprechender Sonnenuntergang lädt zu einem Cocktail im -El Avion- ein. Der Himmel ist
beinahe wolkenfrei, so dass die Sonne ins Meer zu fallen scheint. Im gut bewerteten italienischen
Hotelrestaurant -Gato Negro- genießen wir bei einem Glas (leider schlechten) Wein hervorragende
Pasta.
08.01.2003 Parque Nacional Manuel Antonio
Auch heute zieht es uns wieder in den Nationalpark. Es gibt noch ein paar Wanderwege, die wir
noch nicht erforscht haben. Für Tierbeobachtungen scheint heute ein guter Tag zu sein. Neben den
üblichen Kapuzineräffchen und vielen Vögeln, die nur Guides zu erklären wissen, sehen wir heute
ebenfalls ein Faultier mit ihrem Jungen.
Wir wandern zum Sendero Mirador, ein Aussichtspunkt, der uns einen hervorragenden Blick auf die
Bucht gewährt. Allerdings steigt auch dieser Weg stark an und ist -angesichts der Hitze- ziemlich
beschwerlich.
Nach der anstrengenden Wanderung genießen wir wieder das Strandleben. Heute sind es Krabben, die
unsere Neugierde wecken. Diese Krabbenart trägt ihr Häuschen -ähnlich einem Schneckenhaus- mit
sich und kann sich bei Gefahr in dieses zurückziehen. Einige Kinder haben eine Menge Spaß, diese
Krabben einzusammeln und durch Klopfen auf die Schale wieder herauszulocken.
Schön zu beobachten sind ebenfalls die Pelikane, die ziemlich niedrig und v-förmig über uns hinweg
fliegen.
Am Hotelpool lassen wir den Nachmittag ausklingen. Den Sunset-Cocktail im -El Avion- möchten wir
natürlich auch nicht missen.
09.01.2003 Manuel Antonio - San Jose
Wieder ein Transfer-Tag und damit nähert sich auch schon unser zweiwöchiger Urlaub dem Ende.
Den Vormittag verbringen wir in der schönen Hotelanlage. Mittags geht es zurück nach San Jose,
wo wir wieder im Hotel Occidental Torremolinos übernachten. Diesmal ist es ein Unfall mit vier
beteiligten Fahrzeugen, der uns unterwegs fast eine Stunde Zeit kostet.
Wir lassen den Abend mit einem Abschiedsessen im italienischen Restaurant "Ana" ausklingen, das uns
von unserem Reiseführer empfohlen wurde. Als uns das Taxi dort absetzt, sieht das Restaurant
zunächst nicht so einladend aus. Innen ändert sich das und wir genießen einen schönen
italienischen Abend mit noch besserem französischem Wein.
10.01.2003 San Jose - Vulkan Poas
Der letzte Urlaubstag. Glücklicherweise fliegen wir erst abends, so dass wir noch etwas Zeit
haben. Da der gestrige Tag wenig Urlaubsaktivität hatte, buchen wir kurzerhand einen Ausflug zum
Vulkan Poas, ca. 30 km von San Jose entfernt. Aus dem Bus sehen wir die Stadt noch einmal
mit anderen Augen, denn auch die Slums am Stadtrand bekommen wir zu Gesicht.
Zunächst fahren wir etwas durch das zentrale Hochland, Meseta Central oder auch Valle
Central, ein Bergland vulkanischen Ursprungs mit großen Höhenunterschieden und unzähligen Tälern.
Die Hügel sind von dichten Wäldern und Kaffeeplantagen überzogen.
An einer der vielen Kaffeeplantagen halten wir an. Ein Bauer mit seinem buntbemalten
Ochsenkarren steht hier bereits Modell. Die für ein Foto verlangten 1 US$ sparen wir uns.
Die Kaffeepflanzen brauchen 3 Jahre und 8 Monate, bevor Sie das erste Mal Früchte tragen,
können dann jedoch über 40 Jahre genutzt werden. Im Dezember und Januar ist Erntezeit. Die
Pflücker kommen auf die Plantagen und ernten -nicht ganz ungefährlich- die reifen, roten Bohnen.
Sollten sich grüne Bohnen untermischen, so wird nicht bezahlt.
Beim Pflücken ist äußerste Vorsicht geboten, denn für giftige Spinnen und Schlangen bieten die Sträucher
ein gutes Versteck.
90 % der geernteten Bohnen Costa Ricas werden nach der Ernte und Trocknung der Bohnen nach
Deutschland zur weiteren Verarbeitung exportiert. Nur 10 % bleiben im Land und werden dort geröstet. Dafür
müssen die Bohnen zunächst maschinell geschält und gewaschen werden, damit sich auch die dünne,
klebrige Hautschicht ablöst. Danach werden die Bohnen zunächst in einem Ofen getrocknet, bevor
der eigentliche Röstvorgang stattfindet. Hierfür gibt es zwei Prozeduren: eine aromaschonende und
eine geschmacksschonende. Im 50 : 50 Verhältnis werden die Bohnen anschließend wieder vermischt
und zum Verkauf angeboten. Von einem Kauf sehen wir ab, da wir den Kaffee in Deutschland zum
gleichen Preis bekommen.
Die Costa Ricaner trinken keinen Kaffee, was wir leider jeden Morgen beim Frühstück zu spüren bekommen haben.
In den höheren Gebirgslagen gibt es ebenfalls Erdbeer-Felder sowie Palmen- und Blumenzüchtungen.
Diese verstecken sich unter großen grünen Planen, die teilweise ganze Hänge bedecken. Auch der
Vulkan Irazu ist zu sehen - fast scheint es, als wäre der Gipfel wolkenfrei.
An der Rangerstation des Parque Nacional Volcan Poas angekommen, erfahren wir auf dem
wenige Hundert Meter messenden Weg zum Krater wieder einmal eine Menge über die Flora.
Beispielsweise lernen wir den -Schirm des armen Mannes- kennen, eine wie Rhabarber aussehende
Pflanze, deren raue Blätter bis zu einem Meter Durchmesser erreichen können.
Der Vulkan Poas (2.704 m hoch) liegt auf der Wasserscheide zum karibischen Tiefland und ist
häufig -so auch heute- sehr wolkenverhangen. Auf 2.300 m Höhe liegt der Krater, der 1,5 km
durchmisst und steil zu einem heißen, giftgrün aussehenden See mit einem 40 m hohen, farbenfrohen
Schlackehügel abfällt. Als wir an der Aussichtsplattform des Kraters ankommen sind, ist
dieser in Wolken gehüllt. Wir haben jedoch Glück, denn für einen kleinen Moment lichten sich die Wolken
etwas und wir können den grünen See sowie das bunte Vulkangestein sehen. Wenn man heute hier oben steht
ist kaum vorstellbar, dass von hier aus bei gutem Wetter sowohl der Atlantik als auch der
Pazifik zu sehen sind.
Zurück in San Jose lassen wir uns am Teatro Nacional absetzen, um noch einen kleinen
Eindruck der Landeshauptstadt zu bekommen.
Das Nationaltheater ist -für San Jose- ein ungewöhnlich schönes neoklassizistisches Gebäude,
der Reiseführer verrät uns warum: Das Theater wurde erbaut, nachdem die berühmte Operndiva
Adelina Patti Costa Rica während ihrer Mittelamerikatournee im Jahre 1890 hatte links liegen
lassen. Die gekränkte Aristokratie handelte rasch und belegte Kaffeeexporte mit einer Steuer,
um das Geld für den Bau eines pompösen Opernhauses im Stil der Pariser Oper zusammenzubekommen.
In der Fußgängerzone rund um den Plaza de la cultura beobachten wir das bunte Treiben. Überall
stehen Losverkäufer und bieten lauthals ihre Zettelchen an. Die Auslagen in den Geschäften sind
bunt gemischt. Auch die Maschine einer kleinen Rösterei bekommen wir zu Gesicht oder eine bunt
ausgestattete Parfümerie, in der man sich die Düfte selbst zusammenstellen kann. Vorzugsweise an
Straßenecken sind bunte Obst-Kioske anzutreffen.
Wir folgen dem im Reiseführer beschriebene Rundgang durch die westlichen Stadtviertel Otoya und Amon, der
historische Kern der Stadt mit viktorianischen Villen. Die schönsten und gut restaurierten Häuser
der Stadt stammen von Kaffeebaronen, die sich zu ihrer Zeit vom französisch geprägten Stil in
New Orleans und auf Martinique inspirieren ließen.
Neben dem Casa Amarilla, dem Hemmingway Inn, den Hotels Don Carlos und Britannia oder dem von der
UNESCO 1994 für die gelungene Sanierung ausgezeichnetes Casa Verde de Amon, ist das Castillo
del Moro, dass 1925 im maurischen Stil gebaut wurde, ein weiterer Hingucker.
Den Mercado Central, den wir als nächstes ansteuern, haben wir uns etwas anders vorgestellt,
denn ein Vergleich zum türkischen Basar liegt näher als der zu einem Wochenmarkt.
Mittlerweile ist die Zeit soweit fortgeschritten, dass wir uns endlich zum Auschecken ins Hotel
begeben müssen. Die Wintersachen für den Flug werden herausgeholt; schließlich erwarten uns in
Deutschland winterliche Minustemperaturen - bei 25 Grad kaum vorstellbar.
Ein schöner Urlaub geht zu Ende, was uns, als wir erneut eingequetscht in der Martinair-Maschine
sitzen, erst so richtig bewusst wird.
Quelle: Anke Schlingemann / www.schlingels.de
Homepage: http://www.schlingels.de |
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Reiseland: Costa Rica Datum der Reise: 2004 Dauer der Reise: Autor: Anke Schlingemann Aufrufe bisher: 13646
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Durchschnittliche Bewertung: 4.33 Stimmen: 3

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