Andalusien - Maurische Baukunst und Pueblos Blancos Andalusien
Maurische Baukunst und Pueblos Blancos

Zwei Wochen im Mai 1999
Vorbemerkung
Mehr als fünf Jahre nach dem Urlaub an Hand von Fotos noch einen Reisebericht zu
schreiben, ist nicht ganz einfach, da man viele persönliche Eindrücke schon
fast vergessen hat. Wir versuchen es dennoch, im folgenden diese Zeit wieder
aufleben zu lassen.
Costa del Sol
Wir fliegen nach Malaga und nehmen unseren Mietwagen (glücklicherweise ein Kleinwagen) in Empfang. Unser
erstes Ziel ist der Ort Nerja an der Costa del Sol.
In der Altstadt finden wir ein kleine, einfache Pension. Obwohl die Andalusier
sehr schnell sprechen und der starke Dialekt nur schwer zu verstehen ist,
reichen Ankes rudimentäre Spanischkenntnisse glücklicherweise aus, um eine
Unterkunft zu finden und das Nötigste zu besorgen. Mit Englisch kommt man hier
leider nicht weiter.
Abends bummeln wir noch etwas durch die kleine Stadt. Der
Balcón de Europa, eine Flaniermeile mit Aussichtsterrasse, liegt auf einer in
das Meer vorstoßende Felsnase und bietet (am Tage) sicherlich einen schönen
Ausblick.
Am
nächsten Morgen fahren wir direkt zu den Cuevas de Nerja. Die 3 km lange
Höhle mit Tropfsteingebilden, wurde erst in den 50er Jahren durch einen Zufall
von spielenden Kindern entdeckt. Inzwischen ist sie hervorragend erschlossen und
800 m sind zugänglich. Begleitet von dezenter klassischer Musik durchwandern
wir die 60 m hohe Höhle auf eigene Faust und bewundern die bizarren
Tropfsteingebilde " für uns ein schönes Erlebnis. Im Höhlensaal finden
regelmäßig Konzerte statt.
Auf der Weiterfahrt haben
wir noch ein paar sehr schöne Ausblicke auf die felsige Küste der Costa del
Sol. Etwas abseits des Massentourismus rund um Malaga findet man hier noch
einsam gelegene Badebuchten.
Schon
von weitem ist Salobrena, eine pittoreske "weiße Stadt", die auf
einem Berg direkt am Meer liegt, zu erkennen. Der alte Stadtkern mit einer Burg
ist gut erhalten. Wir laufen durch die engen, mit Blumen geschmückten
Gassen und genießen den schönen Ausblick.
Costa del Almeria
Weiter geht es zur Costa del Almeria, an der Provinzhauptstadt Almeria
fahren wir jedoch vorbei.
Unser Ziel ist der Parque Natural Cabo de Gata-Nijar,der mit 60 km unberührtem Strand den größten
naturbelassenen Küstenstreifen Spaniens darstellt. In der urtümlichen Dünenlandschaft mit einsamen Sandbuchten findet
man hier einen schönen Ort um die Seele baumeln zu lassen.
In San José beziehen wir unser Quartier. Auf unserer Erkundung der näheren Umgebung stoßen
wir auf die Überreste einer alten, ausgedienten Windmühle, die aus der kargen
Landschaft heraus ragt.
Mit dem Auto fahren wir nach Morales und erreichen über eine Schotterpiste die
beiden wunderschönen Strände Playa de Monsul und Playa de los
Genoveses. Bei einem kleinen Picknick genießen wir das wunderschöne
Panorama der Steilküste, die von herrlichen, einsamen Badebuchten unterbrochen
wird. Abgesehen von einigen Kakteenfeldern ist die Landschaft ansonsten hier
ebenfalls sehr karg.
Provinz Granada
Unser nächstes Ziel ist Guadix.
Auf dem Weg dorthin fahren wir durch die Sierra de Alhamilla, Europas
einzige Wüste. In der regenärmsten Gegend Europas beträgt der Niederschlag
keine 150 mm/Jahr. Die Wüste bot ideale Bedingungen für die Filmindustrie,
viele Italo-Western-Filme wurden hier gedreht. In Tabernas besichtigen
wir eine kleine Westernstadt " natürlich mit echter Westernshow, die aber ein
eher klägliches Niveau hat.
Einige
Kilometer vor Guadix fahren wir an der Renaissanceburg Lacalahorra
vorbei, eine gut erhaltene Burganlage, die auf einem Berg thront.
Guadix ist bekannt durch seine Höhlenwohnungen, die in den porösen Tuffstein hinein
gehauen wurden. Das "Troglodytenviertel Barrio de Cuevas ist zu
besichtigen. Noch heute sind einige Wohnhöhlen, die häufig mehrere in den porösen
Kalkstein gegrabene Kammern umfassen, bewohnt. Eine freundliche Bewohnerin
bittet uns zu sich hinein. Inzwischen sind die Höhlen mit Strom ausgestattet,
doch der natürliche Kühlschrank wird immer noch benutzt und gekocht wird über
dem offenen Feuer unterhalb des Kamins. Die Wohnungen haben eine natürliche
Klimaanlage und sind Im Sommer angenehm kühl und im Winter wohltuend warm.
Unser nächstes Ziel ist Granada.
Wir beginnen unseren Rundgang am belebten Plaza Nuevo, gehen an der Kirche Santa
Ana vorbei am Fluss Carrera del Darro entlang und erreichen El Banuelo,
die Überreste arabischer Bäder aus dem 11. Jh. Ein seltenes Relikt, denn in
den Augen der Christen waren sie unsittlich wie Bordelle und wurden zerstört.
Im nahen Casa del Castril, ein Adelspalast aus dem 16. Jh., befindet sich
das Archäologische Museum " sehenswert ist besonders die Fassade und der
Portalschmuck. Weiter geht es nun bergauf. Auf dem Hügel gegenüber
der Alhambra liegt das Altstadtviertel Albaicin, das von der UNESCO
ebenfalls zum Kulturgut erklärt wurde. Wir schlendern durch die verwinkelten
Gassen des dörflich anmutenden maurischen Viertels und genießen den schönen
Ausblick auf die Alhambra.
Auch ein Besuch des Höhlenviertels
Sacromonte, dass auf dem dritten Hügel der Stadt thront, lohnt sich. Ähnlich wie
in Guadix findet man hier in den Tuffstein gehauene Höhlenwohnungen.
Von
den Hügeln hat man ebenfalls einen sehr schönen Ausblick auf die Kathedrale,
die sich wuchtig aus dem Stadtbild heraus hebt, dahinter liegt der Gebirgszug
der Sierra Nevada. Der mächtige Renaissancebau mit Barockfassade wurde fast 2
Jh. (1523 " 1703) gebaut. Besonders sehenswert ist die Capilla Real, die
Grabkapelle der katholischen Könige.
Andalusien ist u.a. berühmt
für ihre einzigartige maurische Pracht. Über Jahrhunderte haben drei
Kulturkreise das Land geprägt. Islamisten, Juden und Christen lebten bis zur
Reconquista (Rückeroberung) friedlich nebeneinander. Die Mauren haben in ihrer
750 jährigen Herrschaft eindrucksvolle Werke ihrer Baukunst in Andalusien
hinterlassen, zu den berühmtesten gehören die Moschee von Cordoba, die
Alhambra von Granada sowie die Giralda in Sevilla. Auch perfekte Bewässerungsanlagen,
die das Land in einen blühenden Garten verwandelten, sind den Mauren zu verdanken.
Mit Beginn der maurischen Herrschaft wurde in Granada 1238 die Alcazaba, eine alte Berber-Burg aus dem 9.
Jh., zur königlichen Residenz ausgebaut. Aus eisenhaltigen Tonziegeln, die in
der Sonne Rot (al hambra = die Rote) leuchten, wurde eine 4 km langen
Festungsmauer mit vielen Toren angelegt und ein einzigartiges islamisches
Kulturdenkmal auf europäischem Boden geschaffen. Die Alhambra ist die am
besten erhaltene Burg der islamischen Welt und wurde von der
UNESCO
zum Weltkulturerbe erklärt.

Vom Plaza Nueva gelangt man über die Cuesta de Gomerez steil bergauf zur Roten Burg. Das Herz der Alhambra
ist der als Nasriden-Palast bekannte Fürstenpalast. Für die
Besichtigung der riesigen Anlage und den wunderschönen Gartenanlagen sollte man
sich Zeit nehmen. Sehr gut gefällt uns der Löwenhof mit seinen 124
Marmorsäulen mit filigranen Arkaden und seinem namengebenden Brunnen in der
Mitte. Zwölf Löwen aus schwarzem Marmor, die die zwölf Sonnen des Tierkreises
(die Monate) symbolisieren, tragen auf ihren Rücken eine mächtige zwölfeckige
Wasserschale.
Besonders schön ist ebenfalls der vergleichsweise schlichte Myrtenhof.
Die Gartenanlage ist sehr gepflegt und wird auch heute noch von den maurischen Bewässerungssysteme
versorgt. Meterhohe Hecken umschließen säulenumrandete Patios und unzählige
Zierbrunnen.
Provinz Cordoba
Die maurischen Spuren wollen wir weiter verfolgen und fahren als nächstes nach Cordoba.
Die Kathedrale in Mezquita ragt schon von weitem sichtbar aus dem Stadtbild
heraus. Direkt neben der Mezquita finden wir ein kleines Hotel, ein idealer
Ausgangspunkt zur Erkundung der Stadt.
Die 179 m lange und 128 m breite Mezquita wird von einer 10 m hohen
zinnbewehrten Mauer umgeben und macht von außen einen eher schlichten, festungsähnlichen
Eindruck. Der Glockenturm, in dessen Innerem sich das Minarett der Moschee
verbirgt, steht direkt neben dem Eingangstor. Durch die Puerta del Perdon
gelangen wir in den von einer zinnengekrönten Mauer eingerahmten großen Patio
de los Naranjos, in dem Orangenbäume Schatten spenden. Im Inneren der fast
tausendjährigen Moschee (UNESCO Weltkulturerbe) tut sich eine überwältigende
Pracht auf. Als "Wald der tausend Säulen" werden die 856 Pfeiler, die Bögen
im charakteristischen rot-gelben Streifenmuster tragen, bezeichnet. Und mitten
in dieses Meisterwerk hat man " 300 Jahre nach seiner Eroberung " eine
christliche Kathedrale hineingestellt. Glücklicherweise wurden die maurischen
Elemente der Seitenkapellen, u.a. die mit persischen Ornamenten und Mosaiken
reichlich geschmückte Mihrab (Gebetsnische) nicht entfernt.
Unmittelbar hinter der Mezquita beginnt das Judenviertel Cordobas, ebenfalls UNESCO
Weltkulturerbe. Hier findet man in engen Gassen sehr viele hübsche Patios, alle
reichlich mit Blumen geschmückt.
Über die Puente Romano, die alte römische Steinbrücke mit 16 großen Bögen, überqueren wir den Fluss
Guadalquivir. Auf der anderen Uferseite steht der zinnengekrönte Festungsturm Torre
de la Calahorra, der heute ein Museum der islamischen Kultur in Spanien
beinhaltet. Beispielsweise geben Modelle der wichtigsten islamischen Bauwerke
auf iberischem Boden deren ursprüngliches Erscheinungsbild wieder. Die
angebotene Audioführung ist sehr empfehlenswert.
Provinz Sevilla
Vorbei an endlosen Sonnenblumenfeldern fahren wir weiter nach Sevilla, mit 700.000
Einwohnern die viertgrößte Stadt
Spaniens.
Nachdem Kolumbus 1492 von Huelva aus zur Entdeckung Amerikas aufgebrochen
war, wurde Sevilla zu einer der reichsten Handelsstätte. In der Geburtsstadt
Velazquez fand 1992 die EXPO statt, was sich positiv auf die Infrastruktur
ausgewirkt hat und auf der Halbinsel La Cartuja einen Funpark hinterließ.
Die größte gotische Kathedrale Santa Maria de la Sede ist mit 130 m Länge, 76 m Breite und
59 m Höhe auch die drittgrößte Kirche der Welt (nach Petersdom und der Londoner St. Pauls Cathedral).
Der ursprüngliche almohadische Alcázar (erhalten blieb der Innenhof »Patio del Yeso«) wurde im 14. Jh. im
Mudéjarstil umgebaut. Sehenswert ist der 20 m
hohe Schnitzaltar in der Capilla Mayor. Im südlichen Querschiff liegt
Christopher Kolumbus begraben. Beeindruckend ist auch die Sacristía Mayor
mit ihrer skulpturengeschmückten Kuppel.
Wahrzeichen von Sevilla ist "La Giralda". Der mächtige, maurische knapp 100 m hohe Glockenturm (1184
als Minarett errichtet und später durch einen Renaissance-Aufbau ergänzt) überragt die Stadt und erhielt
seinen Namen von dem 4 m hohe Bronzeengel, der sich im Wind dreht. Von der Terrasse des Turms hat man in
70 m Höhe einen schönen Ausblick auf die Stadt und den Guadalquivir. Der Aufgang ist stufenlos, da man früher auch
mit Pferden nach oben ritt.
Am
Plaza del Triunfo liegt der Alcazar del Roy Petro, der auf den ersten
Blick sehr stark der Alhambra in Granada ähnelt. Durch die Puerta del Leon
betreten wir den ebenfalls reich verzierten königlichen Palast und gelangen in
den Patio del Leon. Bemerkenswert ist die schöne Decke im Sala de la Justicia.
Gut gefällt uns auch der mit reichen Mosaiken verzierte Patio de las
Doncellas, der von doppelstöckigen Arkaden umgeben wird. Vom Obergeschoss
der Alcazar hat man einen guten Überblick auf die wunderschöne Gartenanlage.
Palmen, Zitrusbäume und Zypressen bieten Schatten und Mosaik-verzierte Bänke
laden zum Ausruhen ein. In der Mitte der Anlage befindet steht der Pavillon Karls V., ein hübscher überkuppelter
Säulengang im Renaissance-Stil.
Das Altstadtviertel Barrio
Santa Cruz schließt sich nördlich an die Alcazar-Gärten an. Das ehemalige
Judenviertel besticht durch wunderschöne Patios (Innenhöfe), verwinkelten,
blumengeschmückte Gassen und Palästen mit schmiedeeisernen Gittern.
Auf dem Weg zum Stadtpark
kommen wir am *****Hotel Alfonso XIII. vorbei. Auch wenn dieses Luxushotel leider unser
Reisebudget übersteigt, verpassen wir nicht, uns das Luxushotel, das in einem
prunkvollen andalusischen Palast liegt, (zumindest von außen) anzusehen. Ganz
in der Nähe liegt der Palacio de San Telmo mit seinem reich verzierten
Portal.
Wir erreichen den Parque de Maria Luisa, der 1929 zur iberoamerikanischen Ausstellung angelegt wurde.
Es macht Spaß über die breiten Alleen und Spazierwege mit vielen Springbrunnen und Statuen zu schlendern und auf
einer Parkbank eine Siesta zu machen. Mitten im Park liegt der wunderschöne, halbkreisförmige Plaza
de Espana mit dem spanischen Pavillon im arabisch-andalusischen Stil.
Besonders
schön ist die Treppe des Palastes, eine Komposition aus Renaissance-, Barock-
und Mudejarstil. Auf dem Sockel des Gebäudes sind die 52 spanischen Provinzen
auf wunderschönen Kachelbänken dargestellt.
Im Park liegt ebenfalls in einem Neorenaissancebau das Archäologische Museum sowie in einem Neomudéjarbau
das Volkskunstmuseum.
Am Ufer des Guadalquivir liegt die Plaza de Toros de la Maestranza, die als eine der schönsten
und ältesten Stierkampfarenen gilt.
Das zweite Wahrzeichen der Torre de Oro, der 1220 errichtete zwölfeckige "Goldturm", dessen Dach früher mit
vergoldeten Kacheln bedeckt war und der zur Kontrolle des Schiffsverkehrs diente.
La movida " das Nachtleben spielt sich hauptsächlich an der Uferstraße
zwischen Alameda und El Arenal ab. Ein Besuch in der ältesten Bodega Sevillas
lohnt sich. Die Bodega Morales liegt in der Calle Garci Vinuesa. Seit 140 Jahren schenkt man hier
Sherry und Wein vom Fass aus. Umgeben von alten Fässern sitzt man an
einfachen Tischen in dem karg möblierten Raum. Man sollte nicht verpassen, die erstaunliche Vielfalt an Tapas
zu kosten, diese sind perfekt geeignet für eine kleine Zwischenmalzeit bei
einem Gläschen Wein.
Costa de la Luz
Nach so viel Kultur zieht es uns in die Natur. Wir fahren weiter an die Costa de la Luz, die
Küste der kräftigen Atlantik-Brisen und der weitesten Naturstrände Südeuropas.
Aufgrund der Gezeiten ist das Wasser sauber. Die Region ist touristisch noch
relativ unberührt.
Am Mündungsufer des Guadalquivir liegt das kleine Fischerdorf Chipiona. Unübersehbar ist der
Leuchtturm, der noch aus der Römerzeit stammt. Chipiona ist auch das Zentrum
eines weiten Gemüse- und Weinanbaugebietes.
Nur
wenige Kilometer entfernt liegt, im fruchtbaren Guadalquivir-Becken, Jerez de
la Frontera, bekannt durch seinen Sherry. Hier nehmen wir an einer sehr
interessanten Führung durch die Bodega Gonzales Byass teil. Unser
anschließender Stadtbummel führt uns vorbei an der Alcazar, die fünfschiffige
Stiftskirche San Salvador, das alte Rathaus und die Kirche San Miguel. Mit einem
Besuch der Markthalle, die allerdings schon wieder blank geputzt ist, schließen
wir unseren Besuch ab.
Ein weiteres Markenzeichen Andalusiens sind die zwischen
Cadiz und Granada gelegenen "pueblos blancos" (weiße Dörfer). In
den bergigen Regionen bauten die armen Landbewohner früher ihre Häuser mit 90
cm dicken Mauern aus Lehm und Stein. Zur Erhaltung mussten die Wände jährlich
mindestens zweimal mit Naturkalkfarbe geweißelt werden. Meist sind die Dörfer
an einen Berg oder Hügel angelehnt und dadurch schon aus der Ferne zu sehen
sind. Die Anfahrt führt über viele Serpentinenstraßen und bietet malerische Ausblicke.
Unser nächstes Ziel ist Arcos de la Frontera, ein pueblo blanco, das auf einem
schroffen, steil abfallenden Felsen liegt. Die gut erhaltene Burg der Duques de
Arcos ist schon von weitem zu sehen. Hier besichtigen wir die Kirchen Santa Maria und San Pedro und schlendern durch
die Altstadtgassen.
Das Nachtquartier beziehen wir in Vejer de la Frontera. Der Ort liegt
218 m hoch auf einem Felssockel und gilt als eins der schönsten pueblo blancos.
Wir haben Glück und bekommen noch ein Zimmer im Hotel Hospederia Convento de San Francisco, ein ehemaliges
Franziskanerkloster. Schön ist auch der Plaza de Espana, der einst als
Stierkampfarena diente, in dessen Mitte steht ein schöner Brunnen. Auf der
wunderschönen Aussichtsterrasse genießen wir den tollen Blick bei einem
kleinen Picknick.
Am nächsten Morgen geht es wieder zurück an die Küste. Zunächst besichtigen wir die Provinzhauptstadt
Cadiz - übrigens die älteste Stadt Europas. In der Altstadt gibt es eine Menge schöner Gebäude.
Wir besichtigen zunächst die klassizistische Catedral Nueva, die eine
Zweiturm-Fassade hat und mit einer goldschimmernden Kuppel ausgestattet ist. Die
rege Atmosphäre in der Markthalle verleitet uns dazu, frischen Jamon (luftgetrockneter
Bergschinken) und eine Honigmelone zu kaufen. Selbstverständlich erstehen wir
auch eine Flasche Sherry für unser abendliches Picknick. Sehr gut gefällt uns
die Fassade der Iglesia del Carmen im barocken Kolonialstil. Durch die schönen
Anlagen des Parque Genoves mit spiralförmig geschnittenen Sträuchern, gehen
wir zurück. Vom sternförmig angelegten Castillo de San Sebastian bekommen wir
leider nichts zu sehen.
In dem kleinen Fischerdorf Conil de la Frontera suchen wir uns eine Unterkunft
in einer kleinen Pension direkt am Strand. Hier verspeisen wir erst einmal
unsere Einkäufe, bevor wir einen ausgedehnten Spaziergang entlang des breiten
Sandstrandes machen und dabei fast vom Winde verweht werden. Auch dem kleinen Yachthafen statten wir einen Besuch ab.
Abends dinieren wir in einem kleinen Restaurant direkt am Strand.
Als nächstes fahren wir zu Spaniens südlichstem Ort, der an der schmalsten Stelle (Luftlinie 10 km zu Afrika)
der Straße von Gibraltar liegt und an zwei Meere grenzt. Tarifa - der
gleichsam windigste Ort Europas ist auch bekannt als Surfer-Paradies. Leider ist die Sicht heute nicht so gut,
ansonsten hätten wir Afrika sehen können. Im Hafen liegen einige Fischerboote. Direkt am Ufer liegt auch das
protzige Castillo, das jedoch nicht zu besichtigen ist.
Natürlich
wollen wir nicht verpassen, dem weltberühmten "Affenfelsen" einen
Besuch abzustatten. Schon von weitem ist der über 400 m hohe Felsen der
Halbinsel Gibraltar zu sehen.
Die Einreise in das britisch besetzte Gebiet ist unproblematisch. Bevor man
die Halbinsel erreicht, überquert man zunächst ein breites Flugfeld. Die
Landebahn musste aus Platzgründen ins Meer hinaus verlängert werden. Wir fahren
die Serpentinenstraße entlang (es gilt übrigens Rechtsverkehr!) und genießen
ein paar schöne Ausblicke.
Schnell stellt sich heraus, dass die 6 qkm große Halbinsel am südlichsten Zipfel
Europas eine Vielzahl an Tagestouristen anzieht.
Gibraltar scheint hauptsächlich vom Tourismus (zollfreier Einkauf!) zu leben, was auch in den kleinen Gassen
schnell deutlich wird. Uns schreckt dass eher ab, so dass wir unseren Aufenthalt
abbrechen. Dass der besetzte Felsen ein politischer Dorn im Auge der stolzen Spanier ist, bekommen wir
bei der Ausreise zu spüren. Eine ausgedehnte Passkontrolle lässt uns fast ein einhalb Stunden in der
Autoschlange warten.
Costa del Sol - Hinterland
Wir fahren zurück ins Landesinnere. Über hohe Gebirgsstraßen und viele
Serpentinen erreichen wir unser nächstes Ziel. Ronda, das bekannteste "weiße Städtchen"
Spaniens, liegt auf einem Felsplateau, die Alt- und die Neustadt wird von der
160 m tiefen El Tajo-Schlucht geteilt. 42 Jahre Bauzeit waren erforderlich, um
eine Brücke über die Schlucht zu bauen. Die Puente Nuevo wurde früher
ebenfalls als Gefängnis genutzt. Der malerisch gelegene Parador hat leider kein
Zimmer mehr frei, dafür finden wir ein nettes kleines Hotel in der Altstadt.
Abends speisen wir in einer kleinen Pizzeria mit direktem Blick auf die tolle
Brücke.
In Ronda gibt es ebenfalls einige arabische Relikte zu sehen. So beispielsweise die
Puente Romano und die Reste der arabischen Bäder. Die Kirche Santa Maria la
Mayor ersetzte die Moschee, doch das Minarett blieb erhalten und bekam einen
Glockenstuhl aufgesetzt.
Auch die Stierkampfarena - Plaza de Toros - ist sehr sehenswert. Die schönste und älteste
Arena Spaniens (1785) war Vorbild für viele andere.
Ganz in der Nähe von Ronda wurde 1905 von einem Bauern die Cueva
de la Pileta, eine riesige Wohnhöhle mit Skeletten und Malereien entdeckt. Die
Darstellungen von Fischen, Hirschen, Wölfen und Pferden in der Haupthöhle
beweisen, dass hier bereits in der Steinzeit, 20.000 vor Christus, Menschen lebten.
Langsam neigt sich unser zweiwöchiger Urlaub dem Ende zu, so dass wir zurück
nach Malaga müssen. Die letzte Nacht wollen wir eigentlich in der Nähe von Marbella
verbringen, finden jedoch kein Quartier. Die meisten Hotels sind von
Pauschaltouristen, die mit dem Bus angekarrt werden, übervölkert. Also fahren
wir nach Marbella rein. Im Zentrum finden wir ein einfaches Hotel. Abends machen wir
noch einen kleinen Bummel entlang der Strandpromenade und lassen unseren Urlaub
ausklingen. Dieser Ort mit dem wohl klingenden Namen gefällt uns überhaupt
nicht. Zugebaut mit reichlich Nachkriegs-Hochhäusern kommt kein Charme auf.
Hier noch ein kleiner Übernachtungstipp:
Zwischen Jaén und Malaga, Nerja und Sevilla gibt es ein gutes Dutzend staatlicher Hotels. Die Paradores
wurden aus der Notwendigkeit heraus geboren, die touristische Infrastruktur
Spaniens zu verstärken. In alten Klöstern, Herrensitzen, Burgen und Schlössern bieten diese in landschaftlich reizvoller Gegend,
gehobene Luxusklasse und ausgezeichnete regionale Küche. Wir müssen jedoch
feststellen, dass diese vorher reserviert werden müssen.
Quelle: Anke Schlingemann / www.schlingels.de
Homepage: http://www.schlingels.de |
|