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Halle an der Saale - die fünf Türme Stadt

Halle an der Saale - die "Fünf-Türme-Stadt"

Geburtsstadt von Georg Friedrich Händel


(18. Dezember 2004)


Eine geplante Spritztour mit dem neuen Auto nehmen wir zum Anlass, endlich einmal nach Halle an der Saale zu fahren (ca. 160 km von Berlin entfernt) und uns Händels Geburtshaus anzusehen. Schon bei der Reisevorbereitung wird klar, dass Halle (mit ca. 240.000 Einwohnern die größte Stadt Sachsen-Anhalts und die viertgrößte im Osten Deutschlands) darüber hinaus noch mehr zu bieten hat. Dies wird allerdings nicht auf den ersten Blick deutlich. Bei der Anfahrt erwarten uns zunächst die üblichen Plattenbauten und viele Gebäuderuinen, so dass Halle auch 15 Jahren nach Mauerfall die DDR-Vergangenheit nicht verleugnen kann.

Bei der Parkplatz-Suche kommen wir am Opernhaus vorbei, dem einzigen in Sachsen-Anhalt. Eine Besonderheit ist das auf historischen Instrumenten musizierende Händel-Festspielorchester des Opernhauses, ein angesehenes Spezialensemble für Alte Musik.

Wir finden einen (sogar kostenlosen) Parkplatz in der Nähe der Moritzburg und beginnen unseren Rundgang durch die Altstadt. Die historische Altstadt Halles stellt eines der größten vom Krieg fast unversehrt gebliebenen Flächendenkmale Deutschlands dar. Viele wiederhergestellte Einzeldenkmale und Ensembles sowie interessante Neubauten, aber auch noch viele unsanierte Gebäude prägen das heutige Erscheinungsbild.
über die Kleine Ulrich-Straße kommen wir am Händel-Haus vorbei. Die Straße ist gesäumt von vielen aufwändig restaurierten Altstadt-Häusern, in denen sich eine Vielzahl netter Cafes und Kneipen befinden. Viele Studenten der Martin-Luther-Universität scheinen das Angebot zu nutzen.

Angesichts des schönen Wetters verschieben wir die Händel-Haus-Besichtigung auf den Nachmittag und gehen zunächst zum Marktplatz, dem größten aller halleschen Plätze - 14 Straßen münden in die etwa 16.000 qm große Fläche. Die wahre Größe des Marktplatzes erschließt sich uns aufgrund der vielen Weihnachtsmarktstände jedoch nicht. Doch das Wahrzeichen der -Fünf-Türme-Stadt-, das sich aus den vier Türmen der Marktkirche (Marienkirche) und dem 84 Meter hohen Roten Turm bildet, ist unübersehbar. Ursprünglich standen auf dem Gelände der Marktkirche zwei kleinere mittelalterliche Kirchen: die St. Gertruden im Westen und die St. Marien im Osten, die auf Veranlassung des Erzbischofs Kardinal Albrecht von Brandenburg bis auf die Kirchtürme abgetragen und mit einem neuen Hallenlanghaus zwischen den Turmpaaren ergänzt wurde. Die Hausmannstürme im Osten sind mit einer Brücke verbunden und beherbergten die Türmerwohnung.

Im Mittelpunkt des Marktplatzes steht ein 3,2 m hohes Händeldenkmal aus Bronze, das anlässlich seines 100. Todestag im Jahre 1859 von Musikfreunden gestiftet wurde. Von seinem Platz in luftiger Höhe blickt Georg Friedrich Händel in der Tracht des 17. Jh. in Richtung England, seiner zweiten Heimat. Er stützt sich, den Taktstock in der rechten Hand, auf das Dirigentenpult, auf welchem die aufgeschlagenen Notenblätter des "Messias" liegen. Empfohlen sei übrigens die historische Miniatur von Stefan Zweig über die Erschaffung dieses wunderbaren geistlichen Werkes (Buch: Sternstunden der Menschheit).

Der Marktplatz wir u.a. eingerahmt vom auffällig Rot gestrichenen Spätrenaissance-Bau des Marktschlösschen und vom Stadthaus, in einer Mischung aus Neogotik und Neorenaissance errichtet. Rundbögen im Erdgeschoss und drei gewaltige rundbogige Fenster im obersten Geschoss, ein Turm und drei große Giebel schmücken die Fassade und das Dach. Stolz ist die Stadt ebenfalls darauf, dass an diesem Platz 1994 der erste Kaufhausneubau (Kaufhof) in den neuen Bundesländern entstand.

Die älteste Straße der Stadt ist die Große Märkerstraße, die ebenfalls vom Marktplatz abgeht. Im 18. Jh. bevorzugter Wohnsitz der Universitäts-Professoren, verfiel die zum Teil schon mehrere Jahrhunderte alte Bausubstanz zu DDR-Zeiten. Ein Beispiel hierfür ist das Christian-Wolff-Haus, 1558 im Stil der Renaissance erbaut und später in Teilen barock verändert. Es diente vornehmen Bürgern und Professoren, so auch dem berühmten Mathematiker und Philosophen Christian-Wolff, als repräsentativer Wohnsitz.

Heute sind viele Häuser bereits saniert. Diese Wiederaufbauleistung in kürzester Zeit würdigte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz im Jahre 1993, als sie die Stadt Halle unter 115 Mitbewerbern beim Bundeswettbewerb "Erhaltung historischen Straßenraums" mit einer Goldmedaille auszeichnete.

Die Ulrichskirche, die heute als Konzerthalle genutzt wird, können wir uns leider nur von Außen ansehen. Nach weiterer Altstadt-Erkundung und kurzem Weihnachtsmarkt-Imbiss gehen wir zu den Franckesche Stiftungen. Der Universitätsprofessor und Pfarrer August Hermann Francke gründete 1695 aus Spendengeldern die Armenschule zu Glaucha. Aus dieser entwickelte sich in wenigen Jahrzehnten eine Schulstadt. Bis 1945 bildeten die Franckeschen Stiftungen mit mehr als 40 Gebäuden, hinter einer sie umfassenden Mauer, eine Stadt in der Stadt. Uns interessiert besonders das mit über 100 m Länge größte Fachwerkhaus Europas, das zu den Gebäuden gehört. Schon als wir das Eintrittsgeld (3 EUR/Person) entrichten wird deutlich, dass wir uns die Außenanlagen auch so hätten angucken können, zumal uns die Ausstellung nicht wirklich interessiert. Mit dem Aufzug fahren wir zunächst nach oben und sehen uns von einem kleinen Dachbalkon das Gebäudeensemble - was sehr gedrungen wirkt - von oben an. Der Blick über die Stadt gehört nicht zu den Highlights eines Halle Besuchs! Einen kurzen Blick werfen wir noch ins Kuriosenkabinett, dass sich im ehemaligen Schlafsaal des Waisenhauses befindet und gehen im Schnelldurchgang durch die Ausstellung. Durch den Hinterausgang gelangen wir nun zu Seitenflügeln des Gebäudekomplexes, u.a. zum schon erwähnten Fachwerkhaus. Einigen Schautafeln können wir entnehmen, dass diese Gebäude äußerst aufwändig wiederhergestellt werden mussten. Wir bedauern es, dass man im Zuge des Wiederaufbaus die Balken weiß übergestrichen hat und so der Fachwerk-Charme erst auf den zweiten Blick zu erkennen ist. Heute werden die Gebäude als Internat sowie teilweise von der Martin-Luther-Universität genutzt.

Wir passieren den Leipziger Turm, ein 30 m hoher frei stehender Wachturm aus dem 15. Jh., der aus Bruchsteinen erbaut wurde. Die Mauern des "Runden Turm" sind unten ca. 2,80 Meter dick. Ursprünglich war der Turm mit einer Ziegeldachspitze bedeckt, erst später im 16. Jh. bekam er die so genannte welsche Haube mit vier Lukarnen (frz. Dachfenster) und der Laterne (Krönung der Haube oder Kuppel mit einem turmartigen Aufsatz). Seit dem Ende des 16. Jahrhunderts trägt der Turm eine Uhr. Die Rekonstruktion des Turmes fand 1996-1997 statt. Mit einem Aufwand von einer halben Million Mark wurde er wieder in alter Schönheit hergestellt.

Unser nächstes Ziel ist der Stadtgottesacker - eine Friedhofsanlage, die nach Vorbild italienischer Campo Santi 1557 - 1590 erbaut wurde. Den Eingang zur vierflügeligen Anlage mit einer 5 - 6 m hohen Mauer bildet ein Torturm. In der Mauer befinden sich 94 Grabbogengewölbe, jede Gruft war mit Grabtafeln geschmückt und mit kunstvoll geschmiedeten Eisengittern bzw. Holzgittern bündig abgeschlossen. Bei Bombenangriffen im zweiten Weltkrieg wurde der Stadtgottesacker leider schwer beschädigt und in den 50er Jahren nur teilweise wieder aufgebaut. Durch Untätigkeit verfiel er bis 1990 weiter. Von 1991 bis Mai 2003 wurde der Friedhof saniert. Zwar wird nur an wenigen Grüften die ehemalige Schönheit des Friedhofs sichtbar, doch ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall. Seit 2001 finden auf dem Friedhof wieder Urnenbeisetzungen in ausgewählten Grüften und auf Grabfeldern unter Beibehaltung der historischen Bezüge statt.

Nun endlich wollen wir das Händel-Haus besichtigen. Im Geburtshaus des bedeutenden Komponisten Georg Friedrich Händel (1685 - 1759) gibt es seit 1948 ein Museum mit Ausstellungen zu Leben und Werk Händels. Der Eintritt ist überraschenderweise kostenlos. Zusätzlich wird eine informative Audioführung angeboten. Eine wie wir finden sehr gelungene Ausstellung, die einen kleinen Einblick in Händels Leben gibt und die Stationen seines Schaffens vorstellt.

Als nächstes besichtigen wir die Ruine der Moritzburg. Die über 500jährige Moritzburg auch heute noch ein imposantes Baudenkmal. Die teilweise wieder aufgebauten Gebäude beherbergen heute u.a. das Landeskunstmuseum Sachsen-Anhalt. Auf die verschiedenen Kunstausstellungen verzichten wir jedoch.

Langsam beenden wir unseren Stadtrundgang. Einen kleinen Abstecher machen wir noch zum (leider aufgrund momentaner Sanierung geschlossen) turmlosen Dom - ehemalige Klosterkirche des 1271 gegründeten Dominikanerklosters, 1702/03 wirkte hier Georg Friedrich Händel als Organist.

Auf der Rückfahrt fahren wir noch an der Saline vorbei, von der heute noch ein einstöckiges Giebelhaus mit einem kleinen Turm und ein Siedehaus mit seinem hohen Schlot steht. über ein Jahrtausend wurde in der Saalestadt bis 1964 Salzgewinnung betrieben.

Hier noch ein kleiner Tipp für Beatles-Fans: Seit April 2000 ist das Beatles-Museum, das von 1989 - 1999 in Köln zu Hause war, wesentlich größer in Halle zu sehen.


Quelle: Anke Schlingemann / www.schlingels.de



Homepage: http://www.schlingels.de

 
Angebote Deutschland
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Info Reisebericht
Reiseland: Deutschland
Datum der Reise: 2004
Dauer der Reise:
Autor: Anke Schlingemann
Aufrufe bisher: 2422

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