Lutherstadt Wittenberg - UNESCO Weltkulturerbe
Lutherstadt Wittenberg
seit 1996 UNESCO Weltkulturerbe
Die Luthergedenkstätten in Wittenberg wurden 1996 von der UNESCO als
Kulturerbe der Menschheit anerkannt, da sie ?einen bedeutenden Abschnitt in der menschlichen Geschichte repräsentieren und als authentische Schauplätze der Reformation von außergewöhnlicher universeller Bedeutung sind.
Wir beginnen unseren Stadtrundgang an der Schlosskirche, der Kirche, die Wittenberg
so berühmt gemacht hat. Die Schlosskirche, wurde um 1500 erbaut und war zunächst die
Privatkirche des Kurfürsten Friedrich des III., auch genannt Friedrich der Weise.
Die Schlosskirche war berühmt für ihre künstlerische Ausstattung und die einzigartige
Reliquiensammlung Friedrich des Weisen. Sie diente seit 1507 auch als Universitätskirche.
1760 im Siebenjährigen Krieg brannte die Kirche aus und wurde 1892 als "Denkmal der
Reformation" wieder aufgebaut.
Einer der beiden Schlosstürmen wurde 1892 zum Kirchturm umgebaut. Das am Turm
angebrachte Spruchband gibt den Anfang der Worte des wohl berühmtesten Lutherchorals wieder:
"Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen".
Bei schönem Wetter lohnt es sich, den 88 Meter hohen Turm zu besteigen. Der mühsame
Aufstieg wird mit einer schönen Aussicht auf Wittenberg und Umgebung belohnt.
Die als Thesentür bekannte hölzerne Kirchentür diente der Universität als
"Schwarzes Brett", und der Augustinerpater Dr. Martinus Luther heftete am 31. Oktober
1517 seine 95 Thesen "Wider des Missbrauchs des Ablasshandels? an diese, um zur
Disputation über den Zustand der Kirche aufzufordern. Damit begann die Reformation.
Die originale Thesentür ist bei dem verheerenden Brand im Jahre 1760 zerstört worden, mit ihr die Schlosskirche bis auf die Hälfte der Grundmauern. Die heutige Tür ist aus Bronze gegossen und wiegt 22 Zentner. Sie wurde im Jahre 1858 eingeweiht und gibt uns in lateinischer Sprache den Wortlaut der Thesen wieder. Darüber sieht man ein Gemälde, das rechts Luther mit der deutschen Bibel, links Melanchthon mit der Augsburger Konfession und im Hintergrund Wittenberg zeigt.
Kurz vor dem Marktplatz angelangt, stehen wir rechts vor einem großen Eckhaus, dem
Wohnhaus des berühmten Malers Lucas Cranach d.Ä. mit der gleichnamigen
Apotheke. Lucas Cranach war in Wittenberg als kurfürstlicher Hofmaler tätig. Er erhielt damals schon so viele Aufträge, dass er nicht in der Lage war, diese allein auszuführen. So gründete er mit ca. 30 Gehilfen eine Malwerkstatt. In dieser Werkstatt wurden nicht nur Bilder angefertigt, sondern auch einfache Arbeiten verrichtet, wie bloße Anstricharbeiten. Darüber hinaus war Cranach Apotheker, Buchverleger, Ratsherr und mehrmals Bürgermeister.
Den Mittelpunkt des Marktplatzes bildet das schöne Renaissance-Rathaus
das im Jahre 1535 fertig gestellt wurde. Auf dem Rathausplatz stehen Denkmäler aus
dem 19. Jh. von Professor Philipp Melanchthon und Dr. Martin Luther. 1573 kam das
Gerichtsportal hinzu, das von Justitia gekrönt wird.
Von diesem Balkon wurden den
Wittenberger Bürgern neue Gesetze verkündet und vor dem Portal Gerichtsurteile
öffentlich vollstreckt.
Über der östlichen Häuserfront des Marktplatzes erheben sich die beiden Türme
der Stadtkirche "Sankt Marien". Sie bilden mit den geschlossenen Häuserfronten um den
Marktplatz und dessen Rathaus eines der schönsten historischen Ensembles Deutschlands.
Der gesamte Bereich steht unter Denkmalschutz.
Die Stadtkirche "Sankt Marien", war die erste reformierte Kirche ihrer Zeit und
die bevorzugte Predigtkirche von Martin Luther. Auf dem Vorplatz der Kirche steht die Büste von Johannes Bugenhagen, dem ersten evangelischen Stadtpfarrer Wittenbergs, Freund und Beichtvater Martin Luthers. Außerdem besaß er den Mut, Martin Luther und Katharina von Bora zu trauen. Seine Grabplatte befindet sich im Inneren der Kirche, wie auch der wunderbare Reformationsaltar, 1547 gemalt von Lucas Cranach d.Ä.
Geht man an der Ostseite der Kirche vorbei, ist über dem äußersten Südpfeiler, fast in
Höhe des Dachgesims, ein Steinrelief zu erkennen. Bei dem Steinrelief handelt es sich um
die sogenannte "Judensau".
Diese Spottdarstellung, die die Juden in intimster Beziehung zu dem für sie "unreinem" Schwein darstellt, war im frühen Mittelalter Europas weit verbreitet. Die Inschrift "Schem Ha Mphoras" verweist auf die jüdische Mystik, die Aussagen über das Wesen Gottes aus geheimen Zahlen- und Wortkombinationen ableitet.
Unerwartet überrascht werden wir von dem kleinen Abstecher zum Martin-Luther-Gymnasium.
Die Schule, die nach einem Entwurf des Künstlers und Architekten Friedensreich Hundertwasser entstanden ist, ist ein besonders originelles Beispiel für den kreativen Umgang mit Plattenbauten.
Martin Luther Kurzbiografie
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10.11.1483 | Geburt in Eisleben (Geburtshaus) |
| 1505 | Mönch in Erfurt |
| 1512 | Doktor der Theologie in Wittenberg |
| 1517 | Thesenanschlag |
| 1520 | Verbrennung der päpstlichen Bannandrohungsbulle |
| 1521 | Ablehnung des Widerrufs auf dem Reichstag in Worms |
| 1521 | Aufenthalt auf der Wartburg/Eisenach, Übersetzung des Neuen Testaments ins Deutsche |
| 1525 | Luthers Hochzeit mit Katharina von Bora |
| | folgend eine Vielzahl von Streitschriften |
| 1529 | "Kleiner Katechismus" |
| 1534 | Herausgabe der ersten Wittenberger Gesamtbibel in Martin Luthers dt. Übersetzung |
| 18.02.1546 | in Eisleben (Sterbehaus) gestorben; bestattet in der Schloßkirche Wittenberg |
1483 wurde Martin Luther in einer aus bäuerlichen Verhältnissen stammenden
Bergarbeiterfamilie in Eisleben geboren. Ab 1488 besuchte er die Mansfelder Lateinschule.
In Magdeburg und später in Eisenach setzte er seine Schulzeit fort. Seit 1501 studierte er in Erfurt, mit dem Ziel, Jurist zu werden.
Luther brach jedoch 1505 radikal aus der vorgezeichneten Bahn aus, um in das Erfurter
Augustiner-Kloster einzutreten. Diese Entscheidung, die von der Suche nach einem
gnädigen Gott und seinem Willen geprägt wurde, bestimmte sein weiteres Leben. Damit begann die Entwicklung zum Kirchenreformator. Eigene negative Erfahrungen mit den kirchlichen Gnadenmitteln bewirkten neben wachsender Kritik an kirchlichen Missständen vor allem eine grundsätzliche Auseinandersetzung mit der mittelalterlichen Theologie.
Die öffentliche Kritik am Ablassmissbrauch im Jahre 1517 führte statt zum erhofften
Gespräch zur Eröffnung des Ketzerprozesses, der mit der Verhängung des Kirchenbannes
und der Reichsacht im Jahre 1521 seinen Abschluss fand. Um Luthers Leben zu schützen,
veranlasste Kurfürst Friedrich einen vorgetäuschten Überfall. Fast ein Jahr lebte
Luther als Junker Jörg auf der Wartburg. Dort übersetzte er das Neue Testament in die
deutsche Sprache.
Den sichtbarsten Bruch im persönlichen Leben mit dem Mönchsdasein hatte Luther mit
seiner Hochzeit mit der ehemaligen Nonne Katharina von Bora im Juni 1525 vollzogen.
Somit war die Keimzelle des evangelischen Pfarrhauses geboren. Nach dem von Luther
abgelehnten Bauernaufstand 1525 förderte der Reformator mit Visitationen (Kontrollbesuchen) und Kirchenordnungen die Herausbildung evangelischer Landeskirchen. Im Februar 1546 ist er in seiner Geburtsstadt Eisleben gestorben. Auf Befehl des Kurfürsten wurde Luther in der Schloßkirche zu Wittenberg bestattet.
Mit der Übersetzung der Bibel ins Deutsche, erwarb sich Luther bleibenden Ruhm um die
Einigung der deutschen Sprache. Etwa 70 Millionen Gläubige auf allen fünf Kontinenten
zählen sich heute zu lutherischen Kirchen.
Quelle: Anke Schlingemann / www.schlingels.de
Homepage: http://www.schlingels.de |
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