Reisetipps Zypern
Schöne Reisezeiten und -ziele
Zypern ist eine Insel für Individualreisende und Naturliebhaber, die auch ein bißchen Wert auf interessante Kultur legen (spektakulär: die Mosaiken in Pafos). Im Westen um Polis herum ist die Insel am grünsten und bietet viele Wandermöglichkeiten. Wir waren total begeistert von den Trails auf der Akamas-Halbinsel: Zwei- bis dreistündige Wanderungen, bei denen man von den Hügeln spektakuläre Aussichten auf das Meer hat und schönschaurig kitschige Ausblicke genießt. Hier liegen saftiggrüne Blumenwiesen direkt vor dem blauen Meer, welches mit weißer Gischt an das Ufer spült. Teilweise fühlt man sich wie auf der Alm, wenn Ziegen mit Glockengebimmel im halsbrecherischen Galopp an einem vorbeistürmen und man fast Angst bekommt, umgerannt zu werden. Wenn es einen "Ziegenhimmel" gibt, dann ist er dort.
Als Reisezeit sind vor allem der Frühling und der Herbst zu empfehlen. Im Frühling hängen die Orangen- und Zitronenfelder voll von reifen Früchten, überall blühen Blumenwiesen und Mandelbäume. Das Wetter wird ab Ende März so warm, dass man schon in der Sonne liegen kann, während in Deutschland der Frühling nur schleichend Einzug hält. Im Herbst sehen dafür die zahlreichen Weinberge farbenfroher aus als im Frühling. Während der Frühlingszeit machen die knorrigen, niedrigen Weinstöcke einen fast schon bizarren Eindruck - fast wie Legionen hölzerner Soldaten. Bis auf Höhen von ca. 800 Metern wird auf Zypern viel Wein angebaut, berühmt ist der Dessertwein Commandaría, wir haben die Weine des Weinguts Panavia gerne getrunken (der weiße heißt Alina).
Im Sommer, der recht heiß werden kann, ist das Troodos-Gebirge eine gute Option, weil es etwas Abkühlung bringt und man viele Klöster sowie ursprüngliche zypriotische Dörfer (sehr zu empfehlen: Omodos) besichtigen kann. Wanderungen sind rund um den Olymp, mit ca. 2000 Metern der höchste Berg Zyperns, möglich. Allerdings muss man sich darauf einstellen, dass die Natur hier wesentlich karger ist als im Westen der Insel. Schön ist aber auch Cedar Valley, ein riesiger und recht grüner Zedernwald.
Kulinarisches
Was die Gaumenfreuden angeht, so ist die zypriotische Küche eine Mischung aus griechischen, türkischen, orientalischen und englischen Rezepten. Der englische Einfluß mag etwas verwundern, lässt sich aber durch die lange britische Kolonialzeit erklären. Glücklicherweise hat sich die englische Küche nur wenig durchgesetzt, z.B. erhält man relativ guten Tee. Eine zypriotische Spezialität ist die sogenannte "Meze" als eine gelungene Kombination aus Klasse und Masse. Man bestellt für ca. 10 - 20 DM und erhält eine nicht enden wollende Vielzahl von zypriotischen Speisen in "kleinen" Portionen. Nachher fühlt man sich glücklich, satt und mastschweinähnlich. Besonders gut hat uns die Küche in folgenden Tavernen geschmeckt: Fisch-Meze im "Porto Latsi" in Latsi, "normale Meze" im "Chix Chox" in Polis (für Fleischfans) und "Familienessen" (es gibt keine Karte, sondern alle Gäste bekommen dasselbe wie die Familie) im "Amarakas Inn" in Kato Akourdelaia. Das "Amarakas Inn" ist ein alter zypriotischer Gutshof und auch eine superschöne Unterkunft (allerdings ohne großen Luxus, dafür aber mit viel Flair, ca. 80 DM die Nacht für zwei Personen).
Gastfreundschaft der Zyprioten
Sie ist in jedem Reiseführer beschrieben, aber von uns wirklich so erlebt worden. Nachdem wir Schwierigkeiten hatten, unsere Unterkunft zu finden und bei einer zypriotischen Familie nachfragten, wurden wir zunächst einmal eingeladen, Platz zu nehmen und uns ein wenig zu unterhalten. Nach wenigen Minuten einer solchen Unterhaltung bekommt man unweigerlich süß eingelegte Orangen angeboten. Diese sind nur mit dem dazu gereichten Glas Wasser runterzubekommen, aber wir haben sie natürlich tapfer gegessen - wann erlebt man etwas Vergleichbares schon einmal in Deutschland. Höllisch aufpassen muss man, sobald der Gastgeber einem selbst hergestellten Grappa spendiert. Nach zunächst seligem Grinsen habe ich die Nacht dann unfreiwillig auf der Toilette verbracht - das Zeug hat 70% Alkohol, schmeckt aber völlig harmlos. Also Vorsicht, wenn euch jemand "good stuff" anbietet.
Auto leihen
Leihwagen gibt es ohne Ende, wenn auch relativ teuer (550 DM für zwei Wochen in der niedrigsten Kategorie). Wer fernab der Tourizentren Urlaub machen möchte, sollte sich auf jeden Fall einen Leihwagen nehmen. Ein kleines Abenteuer stellt dann das konkrete Autofahren dar. Erstens herrscht auf Zypern Linksverkehr (ein running gag ist das regelmäßige Bedienen des Scheibenwischers beim Abbiegen, und das ewige Blinken bei Regen) und zweitens ist das Straßennetz in Zypern insbesondere im Westen eher rudimentär (und das ist noch liebevoll ausgedrückt). Zwar sind die Straßen wie Autobahnen ausgeschildert, entpuppen sich aber nach einigen Kilometern oft als verschlammte und löchrige Forstwege. Wer auf Nummer sicher gehen will und viele Touren vorhat, mietet sich besser einen Jeep. Wir haben uns mit einem Kleinstwagen auch ganz gut durchgeschlagen, auch wenn wir uns manchmal die nicht abgeschlossene Unterbodenschutzversicherung herbeigesehnt haben.