Motorradtour Sahara, Tunesien - Reisebericht und Reiseplanung - Private Reiseberichte und Reiselinks aus aller Welt - Eric Gessmann - Hünxe 
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Motorradtour Sahara, Tunesien

Sahara

Tozeur - das nördliche Chott el Djerid - Gebiet

Einer der zwei empfehlenswerten Campingplätze im südlicheren Tunesien ist der Platz Oasis oder Beduine in Deganche am westlichen Ortsrand. Er liegt unter riesigen Palmen, hat grosse Stellplätze und gelegentlich abends Folklorevorführungen, zu denen dann Busse-weise die Touris angekarrt werden. Ein Folkloreabend mit 4-Gang-Menue und Wein kostet 30 TD.

Der Platz ist noch recht billig mit 4 TD pro Person, Zelt und Moped werden nicht zusätzlich berechnet.

Hier haben wir uns 5 Tage aufgehalten. Was immer wieder Spass macht, ist das Umgraben des Chotts, den man nach ca. 10 km ab Campingplatz in Richtung Kebili erreicht.

Leider hatte es kurz bevor wir in Deganche waren viel geregnet, so daß wir eine Nordumfahrung durch den Chott bis nach Hazoua (algerische Grenze) kurz hinter Nefta wieder aufgeben mussten, da wir wörtlich fast im Schlamm, der glitschig wie Schmierseife war, stecken geblieben sind. Da auch der Circuit Saharienne, eine Piste von Nefta nach Tozeur nur ein besserer Feldweg mit einigen Sandpassagen ist, mussten wir weiter auf das ultimative Enduroerlebnis warten.

Sehenswert ist allerdings die Rundfahrt Deganche - El Hamma - Chebika - Tamerza - Mides - Redeyef - Moulares - Metlaoui - Deganche. Ein Stück alte Piste kann man noch fahren, wenn man durch den Ort El Hamma immer gerade aus fährt, nach ca. 10 km erreicht man dann die neue Asphaltstrasse nach Chebika, von der man aber an vielen Stellen auf die alte Piste ausweichen kann. Landschaftlich wird es dann ab Chebika richtig schön bis Metlaoui. Auch lohnt sich ein Motocross-Abstecher in die Phosphatabbaugebiete bei Moulares.

Sehenswert ist vor allem die Seldja-Schlucht. Kurz hinter der Ortsausfahrt von Metlaoui Richtung Tozeur geht rechts eine beschilderte Piste ab. Wir gönnten uns das Erlebnis, es zu versuchen, mit unseren Mopeds durch den Oued bis zur Schlucht zu kommen, mussten aber kurz vorher aufgeben.

Unser erstes richtiges Off-Road-Erlebnis hatten wir auf der Rundfahrt Deganche - Kebili - Stiftimia - ost-west Verbindungspiste der Strassen Kebili-Gafsa und Metlaoui Tozeur - Deganche. Zwar waren wir zuerst enttäuscht, dass inzwischen auch die noch als Piste beschriebene Strasse von Kebili nach Gafsa durch den Chott el Fedjaj geteert ist, mussten aber später über diesen Umstand sehr froh sein. Die Abzweigung zur Verbindungspiste ist problemlos zu finden, auch die ersten 30 km, der insgesamt 85 km langen Piste waren super und schnell zu fahren. Die Orientierung sollte uns keine Probleme machen - dachten wir - da sowohl auf der Süd- wie auch auf der Nordseite jeweils Bergkämme verlaufen. Trotzdem haben wir in irgendeiner Berbersiedlung die Hauptpiste verloren und uns hoffnungslos verfahren. Der Weg hatte nach einiger Zeit so viele Kurven, wie es in ganz Tunesien nicht gibt, wurde immer sandiger - kurz, wir kamen kaum noch vom Fleck, das GPS sagte immernoch 40 km bis zur Strasse, langsam stand die Sonne immer tiefer...... So schickten wir Ralf auf die Suche nach der Hauptpiste. Er querte das ganze Tal und kam nach ca. 15 min. zurück mit einer positiven Meldung. Allerdings mussten wir uns durch starke Sandverwehungen quälen, was besonders Jutta schwer zu schaffen machte. Nach 5 km erreichten wir die Hauptpiste - dachten wir - denn nach weiteren 10 km zweigte diese Piste nach Norden in die Berge ab. Also wieder falsch! So gingen diesmal Ralf und ich auf die Suche und konnten kurz darauf die recht sandige Hauptpiste finden und kurz vor Dunkelheit die Asphaltstrasse erreichen. Zu allem Überfluss hatte Juttas XT einen Elektrikschaden - ein blankes Kabel - und damit kein Licht und 6 km vor Deganche musste ihr auch noch der Sprit ausgehen.

Trotz allem ist diese Route, die auch vom Spätzünderteam beschrieben wird, sehr zu empfehlen, allerdings würde ich sie, wie Spätzünder, das nächste mal von West nach Ost fahren.

Douz - der Weg in den Sand

Der zweite zu empfehlende Campingplatz im Süden Tunesiens ist der Platz Desert Club in Douz. Zwar nicht so schattig wie in Deganche, auch mit sandigem Untergrund, aber mit freundlichem Personal - Juniorchef spricht etwas deutsch - und sehr sauberen Sanitäranlagen.

Auf dem Weg von Deganche nach Kebili kommt man an dem schon berühmten Buswrack mitten im Chott vorbei, zu dem mittlerweile ein festgefahrener Weg führt. Das Busfahrerfoto ist wohl obligatorisch. Eine Rundfahrt durch die an Douz angrenzenden Oasen Zaafrane, El Sabria, El Faouar und Zarzine ist recht interessant. Ausserdem gibt es viele Möglichkeiten abseits der Strassen, bzw. Pisten in die Dünenfelder zu fahren und gelegentlich auch ordentlich zu buddeln. Natürlich ist auch ein Abstecher zum Dünenfeld von El Hofra, wo alljährlich die Berberfestspiele (Schaukämpfe) stattfinden, angesagt.

Ralf und ich haben uns in einer Duo-tour eine 40 km lange Querfeldeinfahrt gegeben. Hierfür sind wir am östlichen Ortsrand kurz vor der Tankstelle auf die Piste zur Strasse 104 Kebili - Matmata abgezweigt und haben diese nach 20 km in südlicher Richtung verlassen und die inzwischen fast voll geteerte Strasse Douz - Matmata gequert. Nach weiteren 10 km endete die zuerst steinige, dann sandige Piste. Da wir nicht wieder zurückfahren wollten, sind wir nach GPS genau 40 km geradeaus in Richtung Douz gefahren. Zwischenzeitlich mussten wir den wasserführenden Chott Regoug umfahren, bzw. uns eine geeignete Stelle für die Durchfahrt suchen.

Ein weiterer Höhepunkt unserer Reise war das Kennenlernen von Ahmed Marzougui, dem Besitzer der Pension Bel Habib, und die damit verbundenen Erlebnisse. Ahmed griff uns gleich bei unserer Ankunft am Campingplatz auf. Obwohl wir zunächst recht skeptisch waren, so "überfallen" zu werden, mussten wir bald darauf feststellen, dass Ahmed ein ganz lieber, netter Kerl ist, der uns viel über Land und Leute zu erzählen wusste. Ausserdem führte er uns an den Abenden zum Wasserpfeife rauchen und Tee-trinken aus. Durch Ahmed kamen wir auch zu einem Kamelritt mit Übernachtung in der Wüste. Was einen "normalen" Touri 35 TD, sollte uns immerhin noch stolze 25 TD p.P. kosten. Aber es lohnt sich, auch wenn wir alle froh waren, den Kamelbuckel wieder mit einer Sitzbank eintauschen zu können. Also wackelten wir am Nachmittag mit 2 Kameltreibern und Ahmed von Naoail aus in die Dünen. Nach ca. 1 Stunden war der Nachtplatz gefunden. Sofort wurde Feuer gemacht und das Abendessen zubereitet: Brot und Suppe, wobei der Brotteig einfach in eine mit Glut angefüllte Sandkuhle gelegt und mit Glut und Sand zugedeckt wird. Es schmeckte wirklich gut, auch wenn der Sand zwischen den Zähnen knirschte. Nach dem Essen gaben die Kameltreiber noch eine Gesangs- vorführung alter Berbersongs. Am nächsten Morgen gab es wieder Brot und Kaffee zum Frühstück, dann ritten wir zurück.

Sehenswert ist auch der Viehmarkt in Douz, welcher die kleine Oase plötzlich in einen Rummelplatz verwandelt.

Von Douz gibt es auch die Möglichkeit, direkt nach Ksar Ghilane zu kommen - 65 km querfeldein. Alle Nase lang wird man von Führern angequatscht, die mit ihren Jeeps das Gepäck mitnehmen.

Wir entschlossen uns aber zu einer Weiterfahrt auf der ehemals gefürchteten Piste nach Matmata.

Dahargebirge - Schotter ohne Ende

Die ehemals gefürchtete Piste Douz - Matmata ist inzwischen fast vollständig geteert. Nur 8 km vor (westlich) dem Cafe Sahara, der Abzweigung zur Pipelinepiste fährt man noch auf der alten Piste, welches uns einen Eindruck vermittelte, wie schwierig diese Piste mal war. Die letzten 13 km vor Tamezret sind noch eine riesige Baustelle, jedoch denke ich, dass 1998 die Strasse fertig sein wird.

In Matmata haben wir uns im Höhlenhotel Les Berberes niedergelassen, u.a. weil wir dort unsere Mopeds in einen Seiteneingang schieben konnten. Auch hier wurden wir sehr freundlich begrüsst - der Oberkellner spricht deutsch. Essen, Betten und Sanitäranlagen waren gut.

Teerstrasse findet man hier nur Richtung Gabes und das Stück zwischen Tamezret und Techine. Landschaftlich und fahrtechnisch empfehlenswert ist eine Rundfahrt Matmata - Techine - Bir Soltane (- Abstecher zum Ksar Tarcine) - Bir Zoui - Ksar El Hallouf - Techine. Man folgt der Asphaltstrasse von Matmata in südöstlicher Richtung bis zum Wegweiser "Bir Soltane" und biegt kurz darauf links auf eine grosse Piste. Um nicht den gleichen Weg zurückzufahren, wählt man am Brunnen die südlichere Abfahrt und stösst beim Überqueren der Pipelinepiste auf die 114 Richtung Beni Kheddache und zweigt beim Bir Zoui links Richtung Matmata ab. Die km-Angabe stimmt leider nicht, es sind noch 10 km mehr.

Von anderen Motorradfahrern, die wir in Douz trafen, wurde uns das Ghorfa-Hotel in Ksar Hadada empfohlen, in dem wir uns als nächstes einquartierten. Das Hotel ist zwar optisch recht schön, auch eine Touristenattraktion - wie in Matmata werden busse- und jeepweise die Touris aus den grossen Küstenhotels herangekarrt, um dann u.a. die "Idioten" wie uns zu bestaunen, die in diesen Löchern hausen - jedoch nur eingeschränkt weiterzuempfehlen: 1. war das Essen schlecht, 2. in den Betten irgendein flohähnliches Viehzeug, 3. war es relativ teuer (siehe Statistik) und 4. war der Kellner etwas daneben, welches noch vorsichtig ausgedrückt ist.

Von hier aus wollten wir nach Ksar Ghilane. Geplant war eine Rundfahrt über Chenini - Ksar Ghilane - Ksar Jerad - Hadada. Leider musste ich gut 20 km hinter Chenini wegen starker Kopfschmerzen, die ich noch aus der Nacht mit auf die brutale Wellblechpiste genommen hatte, passen. So sind Jutta und ich über Umwege zurück nach Hadada und Ralf und Gaby kämpften sich weiter bis Ksar Ghilane. Diese Piste forderte allerdings ihren Tribut: für Gaby einen riesigen blauen Fleck am Oberschenkel und der DR ihre Nummernschildhalterung. Nach mehrmaligem Verfahren auf dem Rückweg kamen die 2 dann kurz vor der Dunkelheit ziemlich fertig in Hadada an.

Statistik:
Teilnehmer - Motorrad - Reifen

  • Ralf - Kawasaki KLX 650 - T 63
  • Gaby - Suzuki DR 350 - T 63
  • Jutta - Yamaha XT 600 Ténéré - Barum ED 9T
  • Thomas - Yamaha XT 600 Ténéré - Barum ED 9T

Umbauten, bzw. Veränderungen:
KLX: 17L Acerbistank, Anbau von zwei 5L Zusatzkanister (Wasser / Benzin) an Soziusfussrasten.
DR: 20L Acerbistank, Anbau von zwei 5L Zusatzkanister (Wasser / Benzin) an Soziusfussrasten.
Ralf und Gabi montierten normale O-Ringketten, die vorher fettfrei gemacht und nur mit Teflonspray eingesprüht wurden. Trotzdem waren die Ketten nach der Tour hin, vor allem weil sie stark rosteten.
XTs: Anbau von je einem 5L Wasserkanister (Wasser) an linker Soziusfussrastenhalterung.
Juttas (und später meine) XT hatte ich mit einer normalen Kette (keine O-Ringe) bestückt und sie mit normalem Kettenfett geschmiert. Diese Kette überlebte die Reise.
Trinkflaschenhalterungen an allen Mopeds.

Reisedaten:
11.9.97 - 5.10.97
CTN Habib Genua -> Tunis am 13.9. Überfahrt 24 Stunden
CTN Habib Tunis -> Genua am 3.10.
Gesamtstrecke 4686 km, davon in Tunesien 3245 km

Kosten:
1500.- DM p.P., davon 700.- DM für Überfahrt, Hin- und Retour, 1.Klasse (= mit Mahlzeiten, Frühstück, 3 Gang-Mittagessen, 4 Gang-Abendessen), Jasmintarif = (Gruppenermäßigung).
Preise in Tunesien: Umrechnung 100.- DM = 62 TD (Tunesische Dinar)
Campingplatz Deganche: 4 TD
Campingplatz Douz: 6 TD (4 TD p.P. + 2 TD p. Moto)
Höhlenhotel Matmata: 7 / 9,5 TD (mit Frühstück / mit F + Abendessen, Menue)
Ghorfahotel Ksar Hadada: 8 / 11,5 TD (s.o.)

Kleidung:
Für die An- und Abfahrt nach und von Genua hatten wir uns warme und wetterfeste Kleidung mitgenommen, die wir für unseren Tunesienaufenthalt bei unserer ersten und letzten Übernachtung im Hotel Solimare in Soliman (40 km südlich von Tunis Richtung Hammamed) lagern konnten. Zwar hätten wir sie auch für unsere erste Tagestour von Tunis nach Siliana und die vorletzte von Hadada nach Kairouan gut gebrauchen können, da es zumindest bei der ersten Tour wie aus Eimern gegossen hat, jedoch konnten wir damit ein Gepäckproblem lösen. Ansonsten hatten Ralf und Gabi ihre Crosshosen, Sweater und leichte Endurojacken mit herausnehmbaren Ärmeln mit, Jutta ihre Crosshose und eine Bodyguard-Protektorjacke und ich einen Baumwolloverall ebenfalls mit Protektorjacke an.

Orientierung:
GPS, Kompass, Michelin-Karte 1:1.000.000, Carte Touristique et Routiere 1:500.000, russische Fliegerkarten.
Reisehandbuch Tunesien, Reise KNOW-HOW Verlag Därr GmbH
Durch Afrika, Streckenbeschreibungen, Reise KNOW-HOW Verlag Därr GmbH
Festzustellen ist, dass die Karten, auch die vom tunesischen Topographieinstitut herausgegebene, weiter im Süden absolut nicht stimmen. Die Oasen sind falsch, also teilweise an der falschen Stelle eingezeichnet, ebenso Ksars, Birs, etc. Dass die Strasseneinfärbungen auf den Karten nicht stimmen werden, war uns schon im Vorfeld klar.
Orientierung nach GPS ist im Gebirge auch kaum mehr möglich, da das GPS ja nur immer den direkten Weg anzeigt, man aber nicht weiter als bis zum nächsten Berg sehen kann. So haben wir uns häufig verfahren, viel Zeit, Nerven und Sprit auf der Suche nach dem "richtigen Weg" liegen gelassen. Ein Effekt, den man unbedingt einplanen muss. Weiter muss man darauf gefasst sein, dass tunesische Kilometer nichts mit 1000 tatsächlichen Metern zutun haben. Sowohl auf Schildern, wie aber auch Angaben von Einheimischen sind normalerweise zu verdoppeln, oder zumindest mit einem guten Aufschlag zu versehen.

Fazit:
Wenn ich mir die Frage stelle, was ich beim nächsten mal anders mache, komme ich zuerst auf die Erkenntnis, dass man sich Zelt, Isomatte und ggf. auch den Schlafsack sparen kann. Damit wäre sicher ein Gepäckproblem behoben. Es sind überall Pensionen oder Hotels zu finden, in denen man kostengünstig übernachten kann. Oft sind diese Unterkünfte insgesamt, wenn man sie mit Halbpension nimmt, billiger als ein Campingplatz, auf dem man sich dann selbst versorgt, denn die Lebensmittel mit Ausnahme des Brots sind nicht gerade billig und für 2-3 TD kann man auch nicht essen gehen.

Ansonsten kann ich nur Dinge weiterempfehlen, die ich beim nächsten mal genauso wieder machen würde:

  • Auf der Habib 1. Klasse (mit Mahlzeiten) und Aussenkabine buchen.
  • Zusatzkanister- und Trinkflaschenhalterungen waren absolut wüsten- und schottertauglich (Danke Ralf, hast Du gut gemacht!!)
  • Bargeld, aber keine österr. Schillinge, sondern franz. Franc mitnehmen, da auf der Habib nur Franc genommen werden.
  • mit Kreditkarten kann man inzwischen bei fast allen Banken auch Geld tauschen.
  • nicht vergessen, rechtzeitig grüne Versicherungskarte für Tunesien beantragen.




Homepage: http://members.tripod.de/tombulli/tunis.htm

 
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Info Reisebericht
Reiseland: Tunesien
Datum der Reise: 11.09.1997
Dauer der Reise: 4 Wochen
Autor: Thomas Bullack
Aufrufe bisher: 2382

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