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"Und sie ist doch rund!" - Thailand

"Und sie ist doch rund!" - Thailand

Hinein ins Land des Lächelns

Nach fast elf Stunden Flug und mit zusätzlichen neun Stunden Zeitverschiebung landen wir also am Abend des neunzehnten Oktober in Bangkok, das am Golf von Thailand gelegen eines der großen Handelszentren Südostasiens bildet. Die ungewohnten klimatischen Verhältnisse hier in den Tropen verlangen uns auch erst einmal einiges ab. Denn seit dem Verlassen des Flugzeugs haben wir sowohl gegen eine Wand von vierzig Grad Hitze als auch fünfundneunzig Prozent Luftfeuchtigkeit anzugehen. Zudem trägt jeder von uns über zwanzig Kilo Gepäck auf seinem Rücken, was insbesondere der zart gebauten Cathrin zu schaffen macht. Doch auch wir, Matthias und Oliver, kämpfen einen weiteren, wenn auch ganz persönlichen Kampf. Wir sind seit bereits gut zwölf Stunden auf Nikotinentzug, und so soll es bleiben, denn von nun an wollen wir dieses Laster ein für allemal aufgeben.

Den Weg vom Flughafen ins Zentrum der Stadt verbringen wir, während von überall erste neuartige Impressionen auf uns einströmen, in einem Taxi sitzend zunächst einmal zwei Stunden im Stau. Für heute folgen wir, da wir mit dem Dasein als Rucksackreisende bisher erst herzlich wenig vertraut sind, noch dem Tip einer schon hierzulande gereisten Freundin. Somit beziehen wir im Stadtteil Banglampoo im Sawasdee, einer einfachen aber sauberen Herberge in der unter Rucksackreisenden bekannten Kao San Road, ein kleines und fensterloses Zimmer.

Zur ersten Erkundung der Millionenstadt am nächsten Tag benutzen wir ein sogenanntes Tuk- Tuk. So heißen die offenen und dreirädrigen Motorradrikschas, die hier nahezu an jeder Straßenkreuzung zu finden sind und mit denen wir in den folgenden Tagen kreuz und quer durch Bangkok fahren. Schon unmittelbar nach dem Verlassen des Sawasdee bietet sich der Fahrer eines solchen Gefährts uns mit seinen Diensten an. Also erzählen wir ihm von unserer Absicht, am heutigen Tag zunächst einen ersten Eindruck von der uns noch so fremden Umgebung zu bekommen und handeln, wie es hierzulande ausnahmslos bei allen Geschäften üblich ist, schließlich mit ihm einen Preis für eine Stadtrundfahrt aus. Von der Rückbank des kleinen und knatternden Stadttaxis zeigt sich uns die südostasiatische Metropole im folgenden westlich modern und exotisch geheimnisvoll, in gewisser Weise abstoßend und dennoch sehr einladend zugleich. Während sich der einheimische Fahrer inmitten des Abgasgestankes der restlos überfüllten Straßen gekonnt durch das chaotische Verkehrsgewühl schlängelt, kommen wir an vielen buddhistischen Tempeln vorbei, die prunkvoll und pompös in der Sonne glänzen. An einigen der Glaubensstätten halten wir und bestaunen zahllose Variationen von Buddhafiguren im Inneren der Tempelanlagen. Diese reichen von einem kleinen chinesischen Porzellanbuddha bis hin zu einem haushohen und vergoldeten Exemplar, dem sogenannten Big Standing Buddha.

Überhaupt scheint uns der buddhistische Glaube, auf den sich wohl auch die spürbare Höflichkeit und Toleranz gegenüber Fremden hierzulande begründet, tief verwurzelt im Leben der Thais. Zum einen stehen überall kleine, mit Opfergaben und Räucherstäbchen gespickte Geisterhäuschen herum, und zum anderen fallen uns viele kahlköpfige Mönche in ihren safrangelben Kutten auf. Von diesen inspiriert lassen auch wir uns die Haare bei einem Friseur in den Gassen Bangkoks bis fast auf die blanke Kopfhaut scheren, was sich als äußerst praktisch erweisen soll. Denn einerseits klebt uns von nun an kein Haar mehr im Gesicht und nicht zuletzt sehen wir auch ein wenig brutaler und unberechenbarer aus, was uns in der Fremde gar nicht ungelegen kommt.

Am vierten Tag beschließen wir Bangkok zu verlassen. Eigentlich wollen wir nach Kanchanaburi, einer Seenregion im Westen des Landes. Doch es ist Regenzeit und der Monsun durchkreuzt unsere Pläne, denn die ganze Gegend ist überflutet. Also ändern wir mitten im Menschengewühl des Hauptbahnhofes spontan unsere Absichten und sitzen bereits eine Stunde später im Nachtzug gen Süden nach Sura Thani, das auch der malaiischen Grenze schon nicht mehr fern ist. Von dort setzen wir mit rund fünfzig weiteren Individualreisenden auf einem kleinen Passagierboot in der schon heißen Sonne des frühen Morgens zu der Insel Ko Samui über.

Dieser ehemalige Geheimtip unter Travellern mit seinem türkisblauen Wasser und palmengesäumten Stränden entpuppt sich in der folgenden Woche als ein wahrer Traum. Denn neben den landschaftlichen Reizen der kleinen Tropeninsel haben sich auch die Inselbewohner, trotz einer zunehmenden Zahl von Gästen aus fernen Ländern, ihre natürliche und fröhliche Art bewahrt.

Die ersten Tage wohnen wir am von Touristen bevölkerten Chaweng Beach, bis wir auf einer Tour mit angemieteten Mopeds, die uns entlang der holprigen Küstenstraße fast über die gesamte Insel führt, den einsamen und idyllischen Menam Beach entdecken. Somit siedeln wir dorthin zu einem unaufhörlich freudig strahlenden Samuianer namens Ti, der uns in einer seiner schlichten Strandhütten beherbergt, um. Hier genießen wir bei kostengünstiger Massage am Palmenstrand und bei vorzüglicher thailändischer Küche ein paar reichlich unbeschwerte Tage.

Der Aufenthalt wird dann jedoch von heftigem Monsunregen getrübt und Cathrin fügt dem allgemeinen Stimmungstief noch einen gehörigen Schock hinzu, denn sie hat eines abends ganz plötzlich über vierzig Grad Fieber. Dies veranlaßt sie letztendlich dazu, ihre Heimreise zu beschließen, was sie bereits wenige Tage später in die Tat umsetzt. Und auch wir verlassen daraufhin diese wundervolle Insel, um, wenn auch nur noch zu zweit, wie geplant die Weiterreise auf der malaiischen Halbinsel nach Süden anzutreten.



Homepage: http://backpacker-tagebuch.webkonzept.com/start1.htm

 
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Info Reisebericht
Reiseland: Thailand
Datum der Reise: 1996-1997
Dauer der Reise:
Autor: Marc Oliver Kulter
Aufrufe bisher: 2018

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