"Und sie ist doch rund!" - Malaysia
Eine Woche der Kontraste
Unser weiterer Weg führt uns, nachdem wir die Landesgrenze passiert haben, nach Georgetown auf die Insel Penang, die der Westküste Malaysias vorgelagert ist. Diese Stadt erfahren wir als ganz besonders reizvoll, da hier nicht nur viele asiatischen Kulturen mit allen ihren unterschiedlichen Glaubensrichtungen nebeneinander vertreten sind, sondern auch die Kolonialzeit überall Spuren hinterlassen hat.
Inder, Chinesen, Thais, Malaien und Europäer - Buddhisten, Muslime und auch Christen, sie alle leben gemeinsam an diesem außergewöhnlichen Ort. An jeder Ecke herrscht ein anderer Eindruck, sei es der Geruch von unbekannten Gewürzen, der in unsere Nasen aufsteigt, oder das geschäftige Treiben vieler fremdartiger Menschen um uns herum. Die baulichen Relikte der englischen Kolonialzeit mischen sich unter zahllose Moscheen und ab und zu zeigt sich dazwischen noch ein indischer oder auch ein chinesischer Tempel. Im totalen Kontrast hierzu finden wir dann inmitten dieser asiatischen Exotik ebenso ein riesiges Büro- und Einkaufszentrum, das keinen Markenartikel unserer westlichen Hemisphäre missen läßt und im modernen Stil erbaut ist- den sogenannten Komtar.
So kontrastreich wie die Eindrücke ist auch unsere Stimmung. Erstaunen paart sich mit Entsetzen, Begeisterung mit Streß. Ebenso härten wir nun langsam ab, oder anders gesagt, kein Gericht, sei es noch so scharf, noch irgendwelches Ungeziefer in dicken Panzern und mit langen, tastenden Fühlern oder einfach nur äußerst mysteriöse Menschen um uns herum- nichts und niemand kann uns noch so richtig schockieren!
Auch hierzulande zieht es uns nach einigen Tagen weg von der Stadt an den Strand. Wir beziehen im Ali's Guest House ein enges Zimmer am Batu Ferrengi Beach. Leider ist dieser nicht annähernd so schön wie die Strände Ko Samuis und somit bleibt uns hier nur ein Erlebnis zu berichten.
Auf einer Tour mit günstig gemieteten Mountainbikes, die diesen Namen aufgrund ihres Alters und schlechten Zustands allerdings wenig verdient haben, lernen wir den Malaien Shaw kennen. Er lädt uns spontan in sein Haus, das auf einer Klippe über dem Meer am Rande des Dschungels erbaut ist, auf eine Tasse Tee ein. Die Einladung nehmen wir gerne an. Während der freundliche und, wie sich im Gespräch herausstellt, ebenfalls schon weitgereiste Mann von seinen Erlebnissen in unserer europäischen Heimat erzählt, sehen wir zum ersten Mal in unserem Leben einen freilebenden Affen, der auf der Suche nach Nahrung gerade aus dem Geäst der Bäume klettert und wenig später im Garten des Anwesens auftaucht.
Wir haben bereits Singapur, unser nächstes Ziel, vor Augen, als wir uns, nun seit zwanzig Tagen mit dem Rucksack unterwegs, von Penang mit dem Bus entfernen. Auf dieser Fahrt haben wir dann eine erste Panne, der im weiteren Verlauf der gesamten Reise noch einige folgen sollen. Heute profitieren wir jedoch davon, nicht selbst für deren Behebung verantwortlich zu sein, und so sind unsererseits nur zwei Stunden Geduld erforderlich, bis die Fahrt wieder weitergehen kann. Die großen Entfernungen veranlassen uns dazu, noch einen Übernachtungsstop in der malaiischen Hauptstadt Kuala Lumpur einzulegen, den wir dann allerdings länger im nächtlichen Leben der Stadt als mit Schlafen verbringen.