"Und sie ist doch rund!" - USA / Kalifornien - Reisebericht und Reiseplanung - Private Reiseberichte und Reiselinks aus aller Welt - Eric Gessmann - Hünxe 
 Reisebericht und Reiseplanung - Private Reiseberichte und Reiselinks aus aller Welt - Eric Gessmann - Hünxe
   Home  Reiseberichte ·  Reiseplanung ·  Reisen buchen     
Navigation
· Startseite
· Reiseplanung
· Feedback
· Impressum
· Empfehlen Sie uns
· Reiseberichte Top 10

Special Offers
· Urlaub Osterferien
· Urlaub Pfingsten
· Urlaub Sommerferien
· Urlaub Herbstferien

Reiseangebote
· Reisen Balearen
· Reisen Mallorca
· Reisen Kanaren
· Reisen Gran Canaria
· Reisen Fuerteventura
· Reisen Teneriffa
· Reisen Portugal
· Reisen Spanien
· Reisen Türkei
· Reisen Griechenland
· Reisen Italien
· Reisen Tunesien
· Reisen Bulgarien
· Reisen Ägypten
· Reisen Afrika
· Reisen Kuba
· Reisen Dom. Republik
· Reisen Karibik
· Reisen Mexico
· Reisen Asien

Reiseinfos
· Schüleraustausch mit iSt
· Seereise
· Reiseknaller
· Sylt Ferienwohnung
· Ferienhaus Urlaub
· Hotels für Messen
· Ferienimmobilien
· Ferienwohnung
· Reisetaschen
· Sprachreisen
· Kreuzfahrten
· Google Earth
· Reiseportal
· Billig Reisen
· Reise

Wer ist Online?
Zur Zeit sind 10 Gäste und 0 Mitglied(er) online.


"Und sie ist doch rund!" - USA / Kalifornien

"Und sie ist doch rund!" - USA / Kalifornien

Mit Captain Jack im "Wilden Westen"

Das erste was auffällt, als wir uns L.A., der riesigen Metropole an der Westküste der U.S.A. auf dem Luftweg nähern, ist eine schmierig gelbe Smogwolke, die wie eine Glocke über der ganzen Stadt hängt. Im gesamten Verlauf der Reise hatte man uns vor diesem Ort gewarnt und geraten, besondere Vorsicht walten zu lassen, weshalb wir ohnehin recht kritisch in diese wieder einmal so komplett andersartige Welt eintauchen. Noch immer zu dritt am Reisen, beziehen wir im Stadtteil Inglewood in der Nähe des Flughafens ein Zimmer in einem günstigen Backpackermotel, in dem neben einigen äußerst kuriosen Gestalten zum Glück auch ganz normale Rucksackreisende vorzufinden sind. Die Zeit nach der Ankunft vertreiben wir uns zunächst einmal mit Billardspielen am moteleigenen Pool, bevor wir zu einem Erkundungsspaziergang aufbrechen. Doch unsere Unterkunft auf dem Century Boulevard befindet sich in schlechter Nachbarschaft und zudem beginnt die Nacht gerade hereinzubrechen, so daß wir es nicht lange wagen, in den scheinbar endlosen Straßen umherzustreifen. Also sind wir schnell zurück im Motel, wo wir bald in unsere Betten fallen.

Zwei Tage bleiben wir in der Stadt, die mit vierzehn Millionen Einwohnern und einem Durchmesser von rund achtzig Kilometern vor allem durch die Film- und Fernsehproduktionen in und um Hollywood bekannt ist. Wir allerdings verzichten darauf, das touristische Standardprogramm wie beispielsweise den Besuch der Warner Brother Filmstudios oder Disney- lands zu unternehmen, denn der Kulturschock sitzt uns auch so schon in den Gliedern. Wir begnügen uns damit, beim Flanieren an der Strandpromenade von Venice Beach die ausgeflippten Ein-Mann-Shows der Stadtfreaks zu bestaunen. So finden wir den Lifestyle, der uns sowohl am Muscle Beach, einem Freiluft Body Building Center, als auch von Motorsägenjongleuren demonstriert wird, durchaus sehr amüsant. Doch haben wir nicht selten das Gefühl, mit der Ankunft in Kalifornien inmitten der Aufnahmen zu einer amerikanischen Serienproduktion geraten zu sein. Ein Polizeieinsatz, den wir eines Abends vom Fenster unseres Motelzimmers aus beobachten, paßt sich diesem Eindruck nahtlos an. Der Hubschrauber, der fast die halbe Nacht hindurch eine Straßenkreuzung ganz in unserer Nähe ausleuchtet, und die unzähligen Streifenwagen, die mit Sirenengeheul im ganzen Block umherrasen, beweisen uns zudem, daß L.A. ein Moloch der Kriminalität ist.

Die interessanteste Bekanntschaft dieser Tage machen wir, als wir wieder einmal auf der Suche nach einem günstigen fahrbaren Untersatz die vielen Autovermietungen auf dem Century Boulevard abklappern. Frustriert von den recht hohen Preisen sind wir schon fast am Resignieren, als wir mit einem gepflegt aussehenden Mann, der zwar leicht angetrunken, aber bestens gelaunt ist, auf der Straße ins Gespräch kommen. Spontan fragen wir ihn, ob er eine Möglichkeit kenne, günstig an ein Auto zu gelangen, was er sofort bejaht. Nur wenige Minuten später stehen wir auf einem Motelparkplatz neben einem mindestens zwanzig Jahre alten Honda, den uns Craig, wie sich uns der Amerikaner vorstellt, für die folgenden vier Wochen preiswert zu mieten anbietet. Während wir uns das Auto näher ansehen, fällt uns auf, daß das gesamte Heck im Innern mit Hilfe einer einfachen Matraze als notdürftige Schlafstätte hergerichtet ist. Desweiteren ist sowohl das Kofferraumschloß, als auch das Zündschloß defekt, weshalb es nur mit Hilfe eines Schraubenziehers zu starten ist. Unseren fragenden Blicken antwortet Craig ganz offen und ehrlich, indem er uns erklärt, dies sei sein Auto, in welchem er lebe und schlafe, denn er sei ein Zocker, der schon sein gesamtes Leben von Stadt zu Stadt und von einem Casino zum nächsten ziehe. Ebenso benötige er derzeit dringend Geld, was auch der Grund für sein Mietangebot sei. Wir finden diesen Menschen zwar allesamt äußerst sympathisch, doch wir sind verständlicherweise skeptisch und in dieser Situation zu keiner Entscheidung fähig. Also lassen wir uns eine Telefonnummer geben, unter der er erreichbar sei und teilen ihm die Adresse unseres Motels mit, das er offensichtlich auch gut zu kennen scheint. Dann gehen wir auseinander und durchdenken dieses seltsame Angebot.

Am Abend des nächsten Tages treffen wir Craig an der Poolbar unseres Motels wieder. Als wir ihm unseren Entschluß mitteilen, das Auto, da es nicht abschließbar ist, nicht zu nehmen, bietet er uns zu unserer Verblüffung sofort seinen zweiten Wagen an. Dieser sei ein ebenso alter Chevrolet, der auch zu verschließen sei. Er habe zwar einige technische Mängel, sei aber durchaus fahrtauglich. Also fahren wir mit ihm zu dem Wohnsitz seines Vaters, einem Wohnwagen in einem düsteren Viertel der Stadt und brechen von dort zu einer Probefahrt mit besagtem Auto auf. Nach einigen Kilometern Fahrt auf den Stadthighways, während der uns der mindestens so verrückte wie liebenswerte Mensch stets mit den Worten "don´t race this car" dazu auffordert, das Auto sanft anzufahren, da ansonsten die Achsenübersetzung durchschleife, sind wir uns einig. Frei nach der Philosophie "der Wagen ist zwar fast schrottreif, doch immerhin noch in einem besseren Zustand als der Letztere" machen wir den außergewöhnlichen Deal.

Die erste längere Strecke ins Spielerparadies Las Vegas im U.S. Bundesstaat Nevada übersteht die Karre, wenn man von gelegentlichen Aussetzern bei der Spritzufuhr einmal absieht, dann glücklicherweise auch anstandslos.

Eigentlich beabsichtigen wir, uns hier erstmals seit langem den Luxus eines Hotelzimmers zu gönnen, doch leider sind die ansonsten in der Regel sehr günstigen Hotels aufgrund mehrerer gleichzeitig stattfindender Mammutkonferenzen alle ausgebucht. Und das bei ein paar hunderttausend Zimmern, die die Millionenstadt mitten in der Wüste zu bieten hat. Also müssen wir erst einmal einige Zeit nach einer Bleibe suchen, kommen währenddessen aus dem Staunen allerdings nicht mehr heraus. Zu beiden Seiten des Las Vegas Boulevards, der mehrspurigen Hauptstraße der Stadt, ziehen die irrealen Kulissen der überdimensionalen Hotelcasinos, die sich mit den ausgefallendsten Namen schmücken, an uns vorrüber. Da befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Excalibur, das im Stile eines Märchenschlosses erbaut ist, das Luxor, eine riesige Pyramide, vor der eine nahezu maßstabgetreue Sphinx trohnt. Nicht weit davon entfernt sehen wir die nachgebaute Skyline von Manhatten, um die sich eine Achterbahn schlingt. Auf diese Weise präsentiert sich das New York, New York und genauso phantasievoll geht es noch einige Kilometer weiter, bis wir schließlich in einer Seitenstraße in einem leicht überteuerten Motelzimmer einchecken.

Es ist schon spät, als wir von dort zu Fuß in Richtung Zentrum aufbrechen. Noch in der Motelanlage, die für sich alleine schon fast die Größe eines kleinen Dorfes hat, haben wir ein weiteres recht ungewöhnliches Erlebnis. Dieses beginnt damit, daß zwei Frauen, die ebenso wie alles andere an diesem Ort überdimensional proportioniert sind, in der offenen Tür ihres Zimmers stehend auf sich aufmerksam machen. Wir lassen uns von ihnen auf ein paar Tequilas einladen, doch die gerade entstehende Party endet so schnell wie sie begonnen hat, denn die Zwei sind auf dem Weg zu einer Stripteasebar, ihrer Arbeitsstätte!? Den weiteren Abend durchstreifen wir das skurrile Innenleben der Hotelkasinos. Inmitten eines von unzähligen Spielautomaten ausgehenden Blinklichtgewitters, das zudem von einer futuristischen Geräuschkulisse untermalt wird, lassen wir uns wie berauscht treiben in dieser auf Hochglanz basierenden Glitzerwelt. Doch schon bald sind wir all der Illusionen müde und versinken wieder zurück im Motel in unsere eigenen Träume.

Auf Reisen geschehen ungewöhnliche Dinge. Einige Vorstellungen von Landschaften, Kulturen und Mentalitäten bewahrheiten sich, andere wiederum muß man aufgrund neuer Erfahrungen revidieren. In der folgenden Episode wird für Oliver zumindest das Klischee vom Land der unbegrenzten Möglichkeiten zur Realität, denn in dieser wird er über Nacht zu einem kleinen Star im Showgeschäft.

An und für sich haben wir beschlossen, nur noch eine Nacht in der Zockermetropole zu bleiben. Diese beabsichtigen wir gemeinsam zu begehen, und zwar so, wie es sich für Las Vegas gebührt. Zuerst wollen wir uns eine Revue ansehen und später ein paar Dollars beim Black Jack verspielen. Gerade haben wir im Riviera Casino die Karten für die hiesige Tanzvorstellung gekauft, als Oliver einen jungen Mann und eine junge Frau bemerkt, die ihn aufmerksam zu mustern scheinen. Sodann kommen sie geradewegs auf ihn zu und sprechen ihn an, ob er nicht Lust habe, in einem Musik-Video-Clip mitzuspielen. Der gebuchte Darsteller sei nicht der gewünschte Typ und Oliver genau der Richtige, um ihn zu ersetzen. In seiner Überraschung lehnt er zunächst ab, doch die offerrierte Gage können ihn ebenso schnell überzeugen wie der Anblick von Liza, der rassigen Sängerin der Gruppe, mit ihren drei hübschen Tänzerinnen. Zudem wird am Set deutsch gesprochen, denn es handelt sich um die Aufnahmen zum neuen Video der deutschen Dancefloor Gruppe Captain Jack, deren Akteure dann auch noch allesamt aus der unmittelbaren Nähe unserer Heimatstadt stammen. Somit verbringt Oliver fast die gesamte Nacht mit Dreharbeiten und hat dabei einen Mordsspaß. Sein Job ist es, mit Liza vor der Kamera zu flirten, und so kommt er auch in den Genuß, eine Kußszene mit ihr zu drehen, was der zusehende Will nur noch mit der Frage "you get money for that?" zu kommentieren vermag. Den Rest der Nacht werden Oliver und Liza unter Polizeigeleit und stets in der Begleitung einer Kamera dann solange in einer offenen Luxuslimousine den Las Vegas Boulevard auf- und abchauffiert, bis sich der Regisseur mit den Filmaufnahmen zufrieden zeigt.

Am darrauffolgenden Mittag geht es weiter zum Dreh in die umliegende Wüste. Hier hat Oliver im Outfit eines Ranchers einen uralten Pick Up mit gut einem Dutzend Models auf der Ladefläche über staubige Pisten zu manövrieren. Nach dem sich anschließenden Wüstendinner im abendlichen Mondschein fährt er mit der kompletten Produktionsmannschaft noch einmal zurück nach Vegas, um dort vor einer Heiratskapelle die letzten Szenen des Clips abzulichten.

Schon der Dreh an sich war ein unvergeßlich spaßiges Erlebnis, bei dem es nicht zuletzt auch viele interressante Leute kennenzulernen gab, doch die eigentliche Party steigt erst hinterher. Allesamt froh, die Arbeiten erfolgreich abgeschlossen zu haben, verabredet sich Oliver mit der Gruppe für den späteren Abend in einem Nachtclub der Stadt. Dort angekommen, fallen die Blicke der anderen anwesenden Gäste auf sie, was auch kein Wunder ist, denn Frankie, der extrovertierte Sänger der Gruppe, zieht in seinem Militärdress genauso die Aufmerksamkeit auf sich, wie die drei professionellen Tänzerinnen, die sich gemeinsam mit Lisa und Oliver auf der Tanzfläche zu den House Rhytmen bewegen. Sie sind so ausgelassen am feiern, daß sie, selbst als der Club am frühen Morgen schließt, noch nicht müde sind. Also fahren sie zum Hotel der Gruppe, wo sie sich noch lange weiter amüsieren. Erst als die ersten Sonnenstrahlen daran erinnern, daß bereits ein neuer Tag begonnen hat, verabschieden sie sich voneinander. Für Liza und den Rest der Gruppe geht es bereits heute zurück nach Deutschland und Oliver sitzt nur kurze Zeit später wieder im Auto, um mit den beiden anderen Travellern weiter ins Landesinnere in Richtung Grand Canyon nach Arizona zu fahren.

Schon seit geraumer Zeit im Auto, befahren wir am Nachmittag desselben Tages gerade ein Teilstück der alten Route 66, als unser Gefährt ausgerechnet in der dünn besiedelten Wüste plötzlich seinen Geist aufgibt. Glücklicherweise kommt uns jedoch inmitten der Einöde ein Indianer mit seinem Auto zur Hilfe, und das auf recht ungewöhnliche Art und Weise, denn er drückt uns, da weder er noch wir ein Abschleppseil besitzen, einfach Stoßstange an Stoßstange bis zu einer noch einige Meilen entfernten Tankstelle. Einen Mechaniker gibt es hier allerdings auch nicht, aber wir- oder vielmehr Will- bekommen wenigstens etwas Werkzeug zur Verfügung gestellt und tatsächlich gelingt es ihm nach hartnäckigen Bemühungen, den Fehler zu beheben. Somit erreichen wir am Abend doch noch die Kleinstadt Williams, wo wir wieder einmal gemeinsam ein Motelzimmer beziehen. Von hier aus fahren wir am nächsten Tag zum etwa noch einer Autostunde entfernten Grand Canyon.

Dort angekommen können wir es zwar kaum fassen, aber zu unserem Entsetzen schneit es über der gigantischen Schlucht. Doch der die Sinne berauschende Ausblick in die Weiten und Tiefen des Canyons kann die winterlichen Temperaturen mühelos entschädigen.

Am darauffolgenden Morgen müssen wir schweren Herzens Abschied nehmen von dem uns inzwischen so vertraut gewordenen Mitreisenden Will, der, während wir uns auf den Weg zum Zion Nationalpark im Bundesstaat Utah machen, alleine nach Mexiko weiterreist.

Abermals einen vollen Tag "on the road" fahren wir nun also wieder zu zweit über die einspurigen und nahezu unendlich weit geradeaus führenden Wüstenhighways, bis uns am Abend der Zion Nationalpark mit dem Panorama seiner glutroten Felsenwände im Sonnenuntergang empfängt. Hier starten wir in den Morgenstunden zu einer abenteuerlichen Klettertour in den Hidden Canyon, vor der in einer Informationsbroschüre bei Höhenangst auch gewarnt wird. Tatsächlich ist der Treck nicht ganz einfach. So müssen wir schon zu Beginn über einen schmalen und teils vereisten Pfad, der entlang senkrecht abfallender Felswände führt, hoch hinaufsteigen, um den Eingang der versteckten Schlucht zu erreichen. Hier endet die offizielle Tour, was uns zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht bewußt ist. Gebannt von der Einsamkeit dieser unberührten Natur, in der vereinzelt sogar noch Berglöwen leben, suchen wir die Herausforderung. Unter absoluter Konzentration dringen wir, stets auf der Suche nach einer günstigen Möglichkeit, um die sich nun häufenden Engpässe zu überwinden, inzwischen mehr kletternd als gehend tiefer in die schmale Schlucht vor, bis uns nach etwa einer Stunde eine unüberwindliche Passage zum Rückmarsch zwingt.

Die Weiterfahrt tags darauf führt uns am späten Nachmittag, nachdem wir wieder einmal unzählige Straßenkilometer zurückgelegt haben, durch die eindrucksvolle Wüstenlandschaft des Death Valley, wo wir ganz besonders den einer Mondlandschaft gleichenden Zabriskie Point bestaunen. Da die wenigen Unterkünfte im Death Valley leider unseren finanziellen Rahmen sprengen würden, fahren wir noch lange durch die Dunkelheit der Nacht bis zur kleinen Stadt Ridgecrest, um schließlich dort zu übernachten. Von hier aus wollen wir weiter bis nach San Francisco, wozu wir allerdings noch zwei volle Tage im Auto benötigen werden.

Wir erleben zwar keinen Krimi, als wir in den Straßen von San Francisco ankommen, doch unser pannenanfälliges Auto empfängt uns zunächst einmal mit kochendem Kühlwasser. In dieser etwas mißlichen Lage erhalten wir von einem schwarzem Parkwächter, der uns aufgrund seiner schnellen Redensweise und durch seine humorvolle Art stark an Eddy Murphy erinnert, glücklicherweise einige nützliche Tips. Zum einen erklärt er uns den Trick, eine Parkuhr mit Hilfe einer ihr übergestülpten Plastiktüte als defekt zu markieren, um unser Auto erst einmal auch ohne zu zahlen stehenlassen zu können. Andererseits klärt er uns darüber auf, daß unsere Idee, in diesem Viertel ein Motel zu beziehen, eher eine der Schlechteren sei, denn die Leute hier würden sogar in die Straßen pinkeln. Also folgen wir, nachdem sich unser Motor wieder etwas abgekühlt hat, seiner Empfehlung und steuern eines der vielen Motels auf der Lombard Street an.

Am nächsten Morgen brechen wir früh auf und erlaufen uns die auf sieben Hügeln erbaute Stadt zu Fuß. Wir gönnen uns zunächst im Stadtteil North Beach ein leckeres Sandwichfrühstück, bevor wir durchs exotische Chinatown, einer separaten Stadt in der eigentlichen Stadt, hindurchlaufen. So gelangen wir zum Financial District am Anfang der Market Street, die die Haupteinkaufstraße San Franciscos bildet. Lange spazieren wir entlang der Ladenpassagen der Straße und erreichen so auch irgendwann den Schwulenbezirk in der Castro Street, dem es an bizarren Leuten und extravaganten Lokalitäten nicht mangelt. Und auch die Menschen im benachbarten und alternativ angehauchten Haight Ashbury Viertel sind extrem kreativ und nicht minder auffällig in ihrem schrillen Outfit. Die Zeit scheint hier in den Sechzigern stehen geblieben zu sein, denn unzählige Hippies bevölkern die Straßen mit ihren grellbunten Häusern. > Den zweiten Tag in der lockeren und vielseitigen Weltmetropole widmen wir uns der Besichtigung der wahrhaftig kolossalen Golden Gate Bridge, bevor wir über die Fishermens Wharf, der Touristenmeile im Hafen der Stadt, schlendern. Am dritten und letzten Tag unseres Aufenthaltes besuchen wir dann zum ersten Mal auf dieser Reise ein Museum, und zwar das museum of modern art, das uns mit seinen ausgefallenen Kunstobjekten auch nicht unwesentlich wenig an künstlerischem Verständnis abverlangt. Desweiteren tun wir etwas in San Francisco, was unser Bewußtsein bezüglich der vergangenen Monate entscheidend verändert. Die ganze Zeit über haben wir wie in einem Rausch die vielen fremden und neuen Eindrücke einfach in uns aufgesogen. Doch hier, in dieser für Amerika auffallend stilvollen und charmanten Stadt im Norden der Westküste Kaliforniens, entwickeln wir unsere bis dahin stets wohl behüteten Filmrollen. Nun können wir die vielen Eindrücke und Erlebnisse anhand unserer Fotos noch einmal im Geiste Revue passieren lassen. Dies führt dazu, daß uns mit einem Mal sehr klar wird, den weitaus größten Teil unserer Weltumrundung schon hinter uns gebracht zu haben. Daher schleicht sich von nun an eine gewisse Trauer in unsere Stimmung mit ein.

In den uns noch verbleibenden eineinhalb Wochen wollen wir entlang der Küste wieder über Los Angeles weiter nach Süden bis in das bereits an der mexikanischen Grenze gelegene San Diego fahren, um den letzten Abschnitt der Reise noch einmal in wärmeren Gefilden zu verbringen.

Hierzu fahren wir auf dem Highway Nr. 1 entlang der rauhen Pazifikküste zunächst weiter nach Santa Cruz, wo wir, von einem verrückten Abend mit der Bekanntschaft eines drogengeschädigten Althippies in einer Bar einmal abgesehen, hauptsächlich mit dem Anschauen und Einsortieren aller unserer Fotos beschäftigt sind. Den nächsten Übernachtungsstop legen wir in der kleinen und beschaulichen Küstenstadt Monterey ein. Da die Sommersaison an der Küste noch nirgendwo begonnen hat, geht es auch hier eher ruhig zu. Somit verleben wir die letzten Abende in den U.S.A. recht kulturkonform. Denn wir erkunden, während wir in unseren Motelzimmern faul auf unseren Betten liegen und uns im Fernsehen die Berichterstattung von wilden Schießereien mitten in Hollywood fast als ganz normal erscheint, nahezu das gesamte Spektrum des amerikanischen Fastfood- und Bierangebots. Nachdem wir schon früh aus unserem Motel in Monterey ausgecheckt sind, beginnt wieder einmal ein sehr natur-intensiver Tag dieser Reise, und auch dieser hat es verdient, als unvergeßlich bezeichnet zu werden.

Im Hafen der Kleinstadt betreten wir in der ruhigen Morgenstimmung ein Fischerboot, mit dem wir und ein paar andere Neugierige wenig später auslaufen, um einige der vor der Küste entlangziehenden Wale zu beobachten. Mit dem Verlassen der Bucht nimmt der Wellengang allerdings immer stärker zu, so daß wir uns nach einer Stunde inmitten stürmischer See befinden und uns an die Reling klammern müssen, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Nachdem wir alle gut durchgeschüttelt sind und sich manch einer auf recht unästhetische Art seines Frühstücks entledigt hat, sehen wir tatsächlich einige dieser faszinierenden Meeresbewohner, was mit einem Male alle Strapazen entschuldigt. Es sind meterlange Grauwale, die vor unseren Augen ab und zu mit ihren massigen Rücken aus den Wogen des Meeres auftauchen und durch ihre Atemfontänen auf sich aufmerksam machen- ein wahrhaft atemberaubendes Naturschauspiel! Im Anschluß an die Meeresexpedition fahren wir weiter zum Point Lobos, einem Nationalpark, der auf einer kleinen Halbinsel gelegen ist. An diesem Fleckchen Erde ist der Anblick des Aufeinandertreffens von Land und Ozean besonders imposant, wie wir es während eines Marsches auf den Hügeln des Küstenstreifens zu sehen bekommen. Die kahlen und zerfurchten Steilklippen, auf denen ein paar einsame Zypressen wie auf wundersame Weise einen Halt gefunden haben, trotzen der ewigen Brandung des Meeres, und während gelegentlich Rehe und Erdhörnchen unseren Weg kreuzen, können wir in der Abgeschiedenheit der zahlreichen unter uns liegenden Sandbuchten einige Seehunde beobachten, die faul am Strand herumliegen und ihre Körper in der Sonne aalen.

Wieder im Auto fahren wir, während der inzwischen glutrot gewordene Planet langsam am wolkenlosen Abendhimmel im Ozean versinkt, noch lange weiter entlang der einsamen Küstenstraße, bis wir am späten Abend Morro Bay, die nächste größere Stadt, erreichen.

Viele Stunden im Auto, nur von einem kleinen Bummel durch Santa Barbara unterbrochen, bringen uns am folgenden Abend bis in die Stadt Ventura. Auch am nächsten Morgen geht es direkt weiter. Zunächst fahren wir zum berühmten Malibu Beach, an dem wir Die Rettungsschwimmer von Malibu einmal in natura zu sehen bekommen und gegen Mittag durchqueren wir dann das gigantische L.A., in dem vor nun fast vier Wochen unsere Rundreise durch den Westen der Vereinigten Staaten begonnen hat. Wir sind uns kontinuierlich dem letzten Ziel unserer Reise am nähern, als wir plötzlich irgendwo kurz hinter der Gigastadt von einer Polizeistreife gestoppt werden.

Eigentlich ist es verwunderlich, das uns dies erst jetzt passiert, denn unser Auto sieht ganz ohne Zweifel mehr als schrottreif aus. Doch ist dies vorerst nicht das eigentliche Problem, denn Matthias tut etwas, was man in dieser Situation- zumindest in den U.S.A.- auf gar keinen Fall tun sollte. Er steigt aus! Der Polizist reagiert daraufhin sichtlich nervös, denn seine Hand geht zuerst in Richtung seiner Waffe, bevor er ihn schreiend mit den Worten "stay in your car" dazu auffordert, wieder im Auto Platz zu nehmen. Matthias gehorcht, und als wir beide etwas geschockt im Auto sitzen, kommt uns die kurze Zeit, in der der Polizist offen- sichtlich Hilfe anfordert, vor wie eine kleine Ewigkeit. Nachdem eine zweite Streife eingetroffen ist und sich der zugehörige Beamte der Bewachung des Beifahrers Oliver widmet, muß Matthias aussteigen, um sich auf Waffen abtasten zu lassen. Danach wird er aufgefordert, im Streifenwagen auf der Rückbank Platz zu nehmen und einer der Polizisten beginnt damit, uns getrennt voneinander zu befragen. Nach langen Erklärungen bezüglich unserer Person und nicht zuletzt auch der Herkunft unseres Wagens können wir ihn davon überzeugen, daß wir weder gesucht, noch auf der Flucht und auch nicht mehr als zwei harmlose und rechtschaffene Rucksackreisende aus Deutschland sind. Ebenso sieht er ein, daß es sinnlos ist uns, da wir schließlich bald das Land verlassen, einen Strafzettel wegen des Autos zu verpassen. So verabschiedet er sich sichtlich entspannter als zu Beginn unserer Begegnung mit der zweifellos richtigen Feststellung "now I gave you a story for at home". Erleichtert, daß auch diese Geschichte einen glimpflichen Ausgang genommen hat, erreichen wir am Abend letzendlich San Diego, die zweitgrößte Stadt Kaliforniens.

Den Tag nach unserer Ankunft nutzen wir dazu, den acht bisher bereisten Ländern ein weiteres hinzuzufügen, denn wir laufen über die nahe Grenze ins mexikanische Tijuana, das mit seinen die gesamte Stadt säumenden Ramschständen aber leider nur darauf ausgerichtet ist, auf die Schnelle ein paar harte Dollars einzunehmen, und somit wenig echt mexikanisches zu bieten hat. Also sind wir bald zurück in der Millionenstadt auf der anderen Seite der Grenze, in der wir am Nachmittag bei der Besichtigung der Old Town zum einen mehr mexikanischen Flair und zum anderen auch die koloniale Vergangenheit San Diegos zu spüren bekommen. In Downtown, dem Zentrum der Stadt, beginnt für uns am folgenden Morgen der große Shoppingtag der Reise, denn es gilt sowohl noch einige Souvenirs für die Daheimgebliebenen, als auch ein paar neue Klamotten für uns einzukaufen. Denn das, was sich seit nun fast fünf Monaten in unseren Rucksäcken befindet, ist inzwischen ziemlich verschlissen.

An unserem drittletzten Reisetag widmen wir uns am Mission Beach vorest zum letzten Mal Sonne, Strand und Meer, den drei in dieser Kombination so wundervollen Dingen, die uns egal in welchem Land die ganze Zeit über immer begleitet haben. Während wir im Sand sitzend auf den Ozean hinausblicken und sich eine immer stärker werdende Melancholie unaufhaltsam in uns breit macht, beobachten wir ein zweites Mal auf dieser Reise einen aus der Brandung emporschnellenden Delphin, was wir als kleinen Abschiedsgruß dieser so faszinierenden Meeressäuger nehmen.

Am folgenden Tage reisen wir von San Diego ab und beziehen wieder in Los Angeles für eine letzte Nacht das gleiche Backpackermotel auf dem Century Boulevard wie schon vor vier Wochen. Auf der abendlichen Tour nach Hollywood gibt dann Craigs Chevy, der uns letztendlich einige tausend Kilometer durch den Westen der U.S.A. brachte, mitten auf dem Sunset Boulevard doch noch endgültig seinen Geist auf. Also lassen wir ihn einfach auf dem Parkplatz eines Supermarktes stehen und unterrichten den Zocker, der restlos überrascht ist, überhaupt noch einmal etwas von uns und seinem Auto zu hören, telefonisch von dessen Verbleiben. Nachdem wir, wie mit Craig vereinbart, den Schlüssel im Tankdeckel versteckt haben, verabschieden wir uns von der Rostlaube mit einem liebevollen Kick in die Seitentür.

Auf der Suche nach einem für den letzten Abend unserer Erdumrundung gebührenden Abendessen laufen wir zunächst über die Sterne des Walks of Fame und vorbei an zahlreichen Kinos Hollywoods, bis wir durch Zufall das The Cat and the Fiddle Restaurant entdecken. Hier dinieren wir vorzüglich bei der Lifemusik einer Jazzband in einem gemütlich hergerichteten Innenhof und feiern so, zumindest für eine ungewiß lange Zeit, unseren Abschied vom Dasein als Weltenbummler.

Eine phantastische Sache geht nun leider ihrem Ende zu. Doch aufgrund der vielen positiven Erfahrungen und unvergeßlich schönen Erlebnisse auf dieser Erde sind wir nicht nur traurig, sondern ebenso zufrieden, als wir uns am folgenden Tag mit dem Flugzeug dem allerletzten Ziel dieser Reise nähern,

der Heimat!



Homepage: http://backpacker-tagebuch.webkonzept.com/start9.htm

 
Angebote USA
· Lastminute USA

Info Reisebericht
Reiseland: USA
Datum der Reise: 1996-1997
Dauer der Reise:
Autor: Marc Oliver Kulter
Aufrufe bisher: 4237

Mehr vom Autor
· "Und sie ist doch rund!" - USA / Kalifornien
· "Und sie ist doch rund!" - Hawaii
· "Und sie ist doch rund!" - Western Samoa
· "Und sie ist doch rund!" - Neuseeland
· "Und sie ist doch rund!" - Australien
· "Und sie ist doch rund!" - Bali/Lombok
· "Und sie ist doch rund!" - Singapur
· "Und sie ist doch rund!" - Malaysia
· "Und sie ist doch rund!" - Thailand

Links zum Artikel
· USA Wikipedia

Reiseberichte USA
· "Und sie ist doch rund!" - USA / Kalifornien
· Von New Orleans nach San Francisco
· Die Neuengland-Staaten - The Spirit of America
· Südwesten der USA
· Alaska - Feuerland
· FLORIDA und NEW ORLEANS
· USA Oktober 1995
· FLORIDA 27.12.1992 - 15.01.1993
· Vor Bermuda nach Schätzen tauchen
· Schon Hemingway mochte Bimini
· Im Herzen der USA - Chicago
· Washington State - Skurriles am Straßenrand
· USA - Kanada - Ostküste
· Skispaß in der Sierra Nevada
· Utah - New Mexico - Colorado - Arizona
· Maui - Die magische Hawaii Insel
· Miami - Poolboys für Single-Ladies
· BLUE HORIZONS in SeaWorld Orlando

Verwandte Links
· Nachrichten von Marc Oliver Kulter


Der meistgelesene Artikel zu dem Thema :
Costa Rica - Dschungel, Feuerkegel und Tukane


Reisebericht bewerten
Durchschnittliche Bewertung: 4.6
Stimmen: 5


Bitte bewerten Sie diesen Reisebericht:

weniger gut
normal
gut
sehr gut
hervorragend



Einstellungen

Druckbare Version  Druckbare Version

Diesen Artikel an einen Freund senden  Diesen Artikel an einen Freund senden



| Impressum | Last Minute Reisen | Allinclusive Reisen | Frühbucher Reisen | Urlaub Familie | Single Reisen | Nur Flug | Lastminute Reisen |
Alle Logos und Warenzeichen auf dieser Website sind Eigentum der jeweiligen Besitzer.
Die Inhalte und Reiseberichte unterliegen dem Copyright der jeweiligen Autoren. © 1999-2010 Eric Gessmann - www.weit-weg.de
Haftungshinweis: Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrolle übernehmen wir keine Haftung für die Inhalte externer Links.
Für den Inhalt der verlinkten Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich.